Der Karneval der Kulturen ist ein Schaufenster der Stadt, sagt Tiago de Oliveira Pinto. Der Direktor des Brasilianischen Kulturinstituts in Berlin und Dozent für Musikethnologie an der Universität von São Paulo leitete am Sonntag zum vierten Mal die Wettbewerbs-Jury.Herr Oliveira Pinto, wozu braucht ein Karneval überhaupt eine Jury?Wir wollen mit dem Wettbewerb die Gruppen dazu anspornen, bei der Gestaltung des Wagens und bei ihrer Performance besonders viel Fantasie zu entwickeln. Anfangs waren zwar manche skeptisch, ob dadurch nicht die Spontaneität und Originalität des Karnevals verloren geht. Inzwischen haben wir aber festgestellt, dass die Gruppen ihren Auftritt jedes Jahr im Detail verbessern, um mehr Punkte zu sammeln.Nimmt denn jede Karnevalsgruppe an dem offiziellen Wettbewerb teil?Nein. Von den 103 Gruppen der Karawane hat sich nur die Hälfte für die Jury-Bewertung angemeldet.Wie lassen sich vietnamesische Drachenkostüme und Techno-Wagen vergleichen?Wir orientieren uns an einem ausgeklügelten System aus Brasilien, das sieben unterschiedliche Elemente berücksichtigt: Die Umsetzung des gewählten Themas, die Choreografie, die Performance von Einzeldarstellern, die Kostüme, die musikalische Darbietung und die Dekoration der Wagen. Jedes Mitglied der Jury bewertet einen dieser Aspekte, alle zusammen vergeben außerdem Punkte für den Gesamteindruck. Die fünf besten Werte fließen in das Endergebnis ein. Die drei Gewinner erhalten einen Geldpreis von je 2 000 Mark. Außerdem vergeben wir einen Sonderpreis für den originellsten Wagen. Was ist für Sie das Besondere beim Berliner Karneval?Er ist ein Schaufenster für die faszinierende kulturelle Vielfalt dieser Stadt. Hier zeigen sich viele Berliner Gruppen, die sonst eher marginalisiert sind. Mit traditionellen Karnevalsfeiern wie zum Beispiel in Venedig ist das nicht vergleichbar. Aber in seiner Art gehört der Berliner Karneval der Kulturen gemeinsam mit "Notting Hill" in London und dem Umzug in Rotterdam zu den wichtigsten in Europa.Die Fragen stellte Lars Abromeit.
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