In Kinderaugen ist die Meldung eine Katastrophe. Es ist, als habe das Zentrallager des Weihnachtsmanns die Himmelspforten dicht-gemacht: Die amerikanische Spielwarenkette Toys R Us, die weltweit 1 600 und in Deutschland 66 Märkte betreibt, hat Insolvenz angemeldet. Ist Spielzeugland jetzt abgebrannt?
Nicht wirklich. Der Konzern mit 65 000 Beschäftigten in 35 Ländern beruft sich zwar auf Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts. Eine Pleite mit Massenentlassungen, Teilverkäufen oder endgültiger Schließung bedeutet das aber nicht. Die deutsche Geschäftsführung von Toys R Us in Köln teilte am Dienstag mit, dass es sich bei dem Restrukturierungsprozess nach US-amerikanischem und kanadischem Recht weder um eine Geschäftsauflösung noch um einen Konkurs nach deutschem Verständnis handele.
Kapitel 11 dient verschuldeten Unternehmen in den USA vielmehr dazu, sich vor Ansprüchen der Gläubiger erst einmal zu schützen, unterdessen die Geschäfte weiter laufen zu lassen, bis man im günstigen Fall wieder schwarze Zahlen schreibt. Man wolle eine „Neustrukturierung der Schulden“ und eine „nachhaltige Kapitalstruktur“ erreichen, um in „langfristiges Wachstum“ investieren zu können, teilte die Unternehmensleitung in New Jersey mit. Daher blieben auch sämtliche Geschäfte und Online-Shops bis auf Weiteres geöffnet. Die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs sei für das Unternehmen von größter Bedeutung.
Auf die europäischen und deutschen Filialen (darunter sechs im Berliner Raum) hat das US-Verfahren ohnehin keine unmittelbaren Auswirkungen. Der Insolvenzschutz nach Kapitel 11 bezieht sich nach Unternehmensangaben ausschließlich auf das Geschäft in den USA und Kanada. „Da die Zahlungsfähigkeit der europäischen Landesgesellschaften gesichert ist, steht nunmehr der Kurs mit voller Kraft voraus auf das Weihnachtsgeschäft“, hieß es aus der Deutschlandzentrale. Hierfür sollen sogar zusätzliche Saisonkräfte eingestellt werden. Die Vorbereitungen liefen „auf Hochtouren“.
Konkurrenz aus dem Internet
All diese Zusicherungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konzern zumindest im übertragenen Sinne abgebrannt ist. Die Schulden belaufen sich auf umgerechnet 4,2 Milliarden Euro. Zum einen handelt es sich um eine Altlast aus dem Jahr 2005. Damals hatten der Finanzinvestor Bain Capital und die New Yorker Beteiligungsgesellschaft KKR Toys R Us übernommen und einen Großteil des Kaufpreises der Spielwarenkette aufgebürdet. Zum anderen macht die wachsende Konkurrenz im Internet – namentlich Amazon – traditionellen Spielwarenläden das Leben schwer. Die konzerneigenen Online-Shops haben dagegen bisher kaum etwas ausrichten können. Vielleicht nimmt sich Toys R Us die weltgrößte Einzelhandelskette Walmart zum Vorbild: Der US-Gigant suchte und fand vor wenigen Wochen einen Verbündeten im Kampf gegen Amazon. Kunden können künftig das Walmart-Sortiment über die Shoppingseiten von Google beziehen.
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