Auslese zu Hoeneß

Steuerhinterziehung im Glanz der Pokale

Hauptfragen, so lautet ein juristischer Grundsatz, werden im Hauptverfahren geklärt. Das gilt nun auch für den Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Manche fürchten einen Promi-Bonus, andere finden, er solle von seinen Ämtern zurücktreten.

Harry Nutt
3 Min

Die Frage laut nicht, ob er hat, sondern ob er muss. Uli Hoeneß – Fußballheld, Managergenie und Teilzeithasardeur. Bei dem im März beginnenden Prozess wegen Steuerhinterziehung vor der Wirtschaftskammer des Münchener Landgerichts II steht viel auf dem Spiel. Für Hoeneß, für den FC Bayern und die deutsche Wirtschaftskultur. Aber wie geht es aus?

Heribert Prantl erklärt in der Süddeutschen Zeitung den Stand der Dinge: „Das Gericht hat nun die Anklage nicht deswegen zugelassen, weil sie sich der Staatsanwaltschaft voll und ganz anschließt, sondern weil die Frage der Bewertung der Selbstanzeige nicht im Zwischenverfahren beantwortet werden soll. Hauptfragen werden im Hauptverfahren geklärt. Und einen Deal (zwei Jahre mit Bewährung plus exorbitant hohe Geldzahlung) kann man auch erst im Hauptverfahren aushandeln. Man kann also die Zulassung der Anklage auch so sehen: Jetzt darf gedealt werden. ‚Verständigung‘ heißt das im Gesetz. Sie setzt wohl die Einsicht bei Hoeneß voraus, dass er sich vom Aufsichtsratsvorsitz des FC Bayern zurückziehen sollte.“

Dieser Ansicht ist auch Anno Hecker in der FAZ, obwohl die emotionale Unterstützung für Hoeneß eine andere Sprache spricht. „Auf der Mitgliederversammlung des Rekordmeisters am 13. November werden die Bayernfans ihrem Boss, fasziniert vom Glanz der Pokale, applaudieren. Sie werden ihm das Gefühl geben, dass seine Verdienste alles überstrahlen. Auch der Aufsichtsrat mit den führenden Köpfen Dax-notierter Konzerne, allesamt Sponsoren der Bayern, hat sich am Montag entsprechend geäußert. Offenbar traut sich niemand aus der Bayernfraktion angesichts der Supersaison, dem Vater dieses Märchens einen klugen Rat zu geben. Am 23. April haben wir an dieser Stelle für einen Rückzug von Hoeneß plädiert. Daran hat sich nichts geändert. Er sollte seine Ämter ruhen lassen, bis das Gericht entschieden hat.“

In der Stuttgarter Zeitung findet Heiko Hinrichsen sogar warme Worte für die Solidarität, die Hoeneß widerfährt. „Der Rückhalt des Clubs ist zu loben, da sich die Anklage gegen den Privatmann Uli Hoeneß richtet. Das würde sich aber schnell ändern, sollte sich herausstellen, dass der vom einstigen Adidas-Chef Robert-Louis Dreyfus gewährte Privatkredit auf das Hoeneß’sche Zockerkonto in einem Bezug zu dem Sponsorenvertrag steht, den die Herzogenauracher 2002 beim FC Bayern unterschrieben. Die Aufsichtsräte sind also bei aller Loyalität als Aufklärer gefragt.“

So viel Vertrauen will die Südwestpresse in Ulm allerdings nicht aufbringen. Einen Promi-Bonus dürfe es nicht geben. „Der einstige Nationalstürmer war nach Lage der Dinge auch besonders aktiv auf jenem Spielfeld der Gaunerei, die als Volkssport der Besser- und Bestverdienenden inzwischen besonders im Fokus steht. 3,2 Millionen Euro sollen hinterzogen worden sein. (...) Zumindest bis zum Urteil sollten Präsidentenamt und Aufsichtsratsvorsitz ruhen. Das ist eine Frage des Stils. Hoeneß könnte so demonstrieren, dass die üblichen Spielregeln nun auch für ihn gelten.“

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