Auslese zum Dschungelcamp

Und nun auf zum Opernball

Das Dschungelcamp ist vorbei. Aber das nächste Großereignis, zu dem nicht jeder zugelassen wird, steht bereits vor der Tür. In Wien geht es bald schon weiter - mit der Eröffnung des berühmten Wiener Opernballs. Welche Chancen hat Larissa diesmal?

Harry Nutt
3 Min

Aus, aus, aus – das Spiel ist aus. Und es hat nicht, wie viele mit einer spürbaren Angstlust ersehnt oder befürchtet haben, die schräge Larissa gewonnen, sondern die von Bild als Pornitesse bezeichnete Melanie Müller.

In der Welt ist Richard Herzinger bemüht, die gesellschaftliche Stimmungslage zu benennen, in der so etwas passieren konnte. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Dschungelcamp auch eine Art Ersatzkonfliktschauplatz angesichts des Vakuums lagerübergreifender Harmonie im deutschen Politikbetrieb darstellt, die sich mit dem Zusammengehen der beiden Volksparteien eingestellt hat. Wer darob jedoch in einen kulturkritischen Klagegesang über den Niedergang der Res publica ausbrechen will, möge zuvor bedenken, in welch komfortabler Lage sich eine Nation befinden muss, die ihr Erregungspotenzial auf die Scheinwelt des Trivialkommerzes konzentrieren kann. Mit welch glücklicher Stabilität ist doch – so möchte man in Anlehnung an ein Diktum Brechts ausrufen – ein Land gesegnet, das keine anderen „Helden“ braucht als die peinlichen Möchtegern- und Ich-war-einmal-wer-Promis, die sich in einem von RTL präparierten Urwald gegenseitig belauern, beharken und auf den Nerven herumtrampeln.“

Auf Spiegel-Online stellt Silke Burmester in Aussicht, dass die Fans von derlei Zusammenkünften gar nicht bis zum nächsten Jahr warten müssen. In Wien geht es schon bald weiter. „Was uns Deutschen das Dschungelcamp auf RTL, ist den Österreichern die Eröffnung des Opernballs: Ein Voyeurs-Spektakel erster Klasse mit einer grandiosen Einschaltquote! Für beide Veranstaltungen gilt: Die Teilnehmer werden mit Sorgfalt ausgewählt, hier kommt nicht jeder rein. Und beide Veranstaltungen leben vom Wirbel um die Bekanntgabe des Überraschungsgastes. Für RTL heißt das, eine Person auszuwählen, die man für gewöhnlich nicht dem Unterschichtenfernsehen zuordnet, etwa Rainer Langhans oder Ingrid van Bergen. Für den Wiener Opernball bedeutet das zu schauen, wen der Bauunternehmer Richard Lugner, ‚Mörtel‘ genannt, als Begleitung bucht. Das sind mal Sophia Loren oder Faye Dunaway, vor drei Jahren war es die Nachtclubtänzerin und Berlusconi-Verwöhnerin Ruby Rubacuori.“

Diesmal ist es die amerikanische Selbstdarstellerin Kim Kardashian. Das Handelsblatt hat sich um ökonomische Aufklärung wenigstens bemüht. „Zu den Kosten der PR-Aktion, die auch sein Einkaufszentrum in Szene setzt, äußerte sich Lugner wie gewohnt nicht. Kardashian sei ‚ja keine Prostituierte, dass man das Geld verlautet, was sie kriegt.‘ Dabei muss und will Lugner auch diesmal einen zweiten Gast finanzieren. Die Wahl fiel auf die Miss World 2011, die 24-jährige Venezolanerin Ivian Sarcos. Lugner beschrieb sie äußerst flapsig als ‚wilde Schwarze‘. Ihr Lebenslauf spricht eine andere Sprache: Mit acht Jahren Vollwaise, als eines von zwölf Geschwistern im Kloster aufgewachsen, Diplomatie-Studentin. Die Lugner-Loge könnte richtig voll werden, wenn noch vage Pläne für eine dritte Frau reifen.“ Larissa vielleicht?

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