CDU und Grüne haben sich auf den Europawahlkampf eingestimmt – noch nicht wissend, dass die EU-Skeptiker überraschend Unterstützung aus der Schweiz erhalten würden. Die CDU überschlug sich auch so schon nicht vor Europa-Begeisterung, aber immerhin hat Kanzlerin Angela Merkel, die CDU-Klausur genutzt „für einen Weckruf an die eigenen Kuschel-Koalitionäre“, schreiben die Westfälischen Nachrichten. Die Kanzlerin sehe die Gefahr, dass „am Ende die SPD den Dank der Wähler für die zwar abenteuerlich finanzierten, im Portemonnaie aber gleichwohl positiv spürbaren sozialen Milliarden-Wohltaten in die Scheuer einfahren könnte“.
Diese Sorge beschäftigt auch die Stuttgarter Zeitung, die hinter dem asymmetrischen Erscheinungsbild der Koalition ein reales Problem vermutet: „Was die CDU mit ihrer Regierungsmacht anfangen will, ist ... nicht so recht erkennbar. Die Gründe dafür sind schon in Merkels Wahlkampf zu finden. Auf Themen hat sie weitgehend verzichtet, sie selbst war das Programm. Damit lässt sich aber schwerlich ein Koalitionsvertrag füllen. So erklärt sich, warum dessen Handschrift eindeutig sozialdemokratisch ist. Was Merkel & Co. antreibt, ist offenbar vor allem eines: Hauptsache, weiter regieren.“
Vom Regieren sind die Grünen weit entfernt – und in Europa ist ihr Einfluss noch geringer als in Deutschland. Doch ihre Kandidaten fürs Europa-Parlament können sich durchaus sehen lassen, findet die Sächsische Zeitung: „Erfahrung, Jugend, Netzaffinität und Globalisierungskritik – die Grünen machen ihren potenziellen Wählern ein breites Angebot. Und die Konkurrenz um Platz eins der Kandidatenliste verlieh allen Beteiligten Schwung. Dresden vermittelte das Bild einer Partei, die sich nicht in sich selbst zurückgezogen hat und bereit ist, sich aus der Depression nach der Wahlniederlage herauszuarbeiten.“
Es war also keineswegs die reine Harmonie, die den Grünen-Parteitag beflügelte, sondern Debatten ums Programm und eine Kampfkandidatur zwischen der jungen Ska Keller und altgedienten Rebecca Harms. Begeistert hat die Teilnehmer und den Kommentator der Freien Presse Rebecca Harms, „eine erfahrene Politikerin mit Leidenschaft“, die die Grünen nun in den Wahlkampf führen wird. Mit ihrer kämpferischen Rede, „die, wie einige Wegbegleiter meinen, die beste ihrer Lebens war, hat sie ihre 25 Jahre jüngere Herausforderin alt aussehen lassen. Keller streifte zwar auch sämtliche grünen Kernthemen, was ihr fehlte, war eine mitreißende Botschaft. Und wie schief es mit einem frischen Gesicht an der Spitze gehen kann, das hat zuletzt der FDP-Versuch mit Philipp Rösler gezeigt. Jugend ist nicht alles in der Politik.“
Das allein jedoch löse noch kein Problem bemängelt die Lausitzer Rundschau: „Weder Parteilinke noch Realos verfügen gegenwärtig über eine publikumswirksame Führungsfigur. Und ein grüner Gregor Gysi ist auch nirgendwo in Sicht.“ Ob ausgerechnet eine Figur wie Gysi da wirklich eine Hilfe sein könnte, darf jedoch mit Fug bezweifelt werden.
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