Ausstellung

Christos Kollektion „Wrapped Reichstag“ in Berlin

Es ist die Symbolskulptur der Berliner Republik: Nach ungewissem Warten kommt Christos Kollektion „Wrapped Reichstag“ endlich nach Berlin. Mäzen Lars Windhorst macht’s möglich.

Ingeborg Ruthe
3 Min
Tief im kollektiven Gedächtnis: Christos verhüllter Reichstag, Sommer 1995.

Tief im kollektiven Gedächtnis: Christos verhüllter Reichstag, Sommer 1995.

© Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann Lizenz

Gleich nach der Sommerpause des Parlaments werden die 350 Zeichnungen, 3-D-Modelle, Collagen und Fotos ausgestellt, sogar der silbrige Stoff, die Taue, und Haken. Der amerikanisch-bulgarische Künstler will die Exposition eigenhändig mitgestalten. Die am Mittwoch bekannt gewordene Entscheidung des Ältestenrates des Bundestages nimmt er sich sozusagen als Geburtstagsgeschenk. Kommende Woche, am 13. Juni, wird Christo 80 Jahre alt.

Er ist es gewohnt, mit Langmut zu warten. Damals, vor der Reichstagsverhüllung, musste er noch viel länger harren und hoffen, 24 Jahre lang, ehe der Bundestag mehrheitlich mit „Ja“ stimmte. Zu groß waren die (CDU-)Vorbehalte, das geschichts-und symbolbeladene Gebäude würde „entweiht“ von einer Kunstaktion solchen Ausmaßes, vom Spektakel. Es kam, wie wir wissen, ganz anders: „Wrapped Reichstag“ wurde zur silbrig schimmernden Symbolskulptur der Berliner Republik, wochenlang umringt, umtanzt, gefeiert von der ganzen Welt, kein vergötztes Goldendes Kalb, sondern sinnstiftende Zukunftsmetapher für Demokratie, Frieden, Lebensmut.

Schau soll öffentlich zugänglich sein

Es sind allerdings weder der Bund noch die arme Stadt Berlin, die dem weltberühmten Künstler jetzt diese das kollektive Gedächtnis bewahrende Kollektion abkaufen. Es ist der private Sammler, CDU-Mann und schillernde, von London aus agierende junge Unternehmer Lars Windhorst, jene „graue Eminenz“, die auch der Fotogalerie C/0 im Amerikahaus finanziell den Rücken stärkt.

Der Mäzen, man schätzt seine Großmut auch in der Londoner Tate Modern, sorgt also dafür, dass die bislang im Kunstlager Basel bewahrte Kollektion nicht einzeln verkauft, ergo zerrissen würde und auch da zu sehen ist, wo ihre Geschichte spielte. Windhorst brachte die 10 Millionen Euro auf, die Christo zweifellos zustehen und die der Verhüller für neue Projekte braucht. Bekanntlich finanziert er konsequent alle seine – und von seiner 2009 verstorbenen Frau und Kunstpartnerin Jeanne-Claude organisierten, kostspieligen Aktionen selbst durch den Verkauf der Entwürfe und Zeichnungen. Egal, auf welchem Kontinent, in welcher Stadt oder Landschaft.

Privatsponsor Windhorst reicht seinen Ankauf nun also als Dauerleihgabe an den Bundestag weiter. Die Schau soll öffentlich zugänglich sein. Damit ist all jenen geizhälsigen Kritikern begegnet, die schon wieder, wie bereits vor drei Jahren, als die Preußenstiftung die Sammlung gerne (geschenkt) genommen hätte, unterstellten, für die Christo-Kunst werde womöglich Steuerzahler-Geld ausgegeben.

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