Die massive Holztür ist im charakteristischen Grün der Grenztruppen der DDR gestrichen. Die Elf- und Zwölfjährigen der 6A aus der Grundschule in der Lichtenberger Victoriastadt erkennen diese Anspielung nicht, sie sind zu jung. Die Berliner Mauer, an der die DDR-Grenztruppen standen, fiel vor mehr als 27 Jahren, nur wenige originale Reste sind noch erhalten. Somit begegnen die Kinder der Teilung ihrer Stadt in der Ausstellung „Komm doch mal rüber“ im Museum Lichtenberg zum ersten Mal auf so anschauliche Weise.
Die Schau im ehemaligen Rathaus von Boxhagen Rummelsburg erzählt von Menschenschicksalen im gespaltenen Berlin, von der Trennung von Familien. Sie zeigt, wie die U-Bahn-Linie 6, die von Nord nach Süd durch die Stadt führt, plötzlich in Höhe Chausseestraße und auf der Friedrichstraße durch graue Betonmauern fährt. Sie berichtet über die tödlichen Gefahren, die eine Flucht von Ost nach West mit sich brachte – und dass ins Gefängnis kam, wer dabei scheiterte.
Dass der Westen Menschen aus Ost-Gefängnissen freikaufte, erfahren die Schüler zum ersten Mal. Sie können in diesem Augenblick wenig damit anfangen. Und die Ausstellung veranschaulicht auch den Fall dieses monströsen Bauwerkes ein wenig zu simpel.
Schwierige Fragen
„Meine Eltern und meine Großeltern haben mir erzählt, dass man vom Westen in den Osten konnte. Aber nicht vom Osten in den Westen“, sagt der elfjährige Dustin Kondt. Was noch? Er denkt einen Augenblick nach und sagt dann: „Nichts.“ Dustins Eltern waren im Jahr des Mauerfalls etwa so alt wie er heute. Über diesen Abschnitt der Geschichte wissen auch die anderen aus seiner Klasse nicht mehr.
Die Schau, die von dem Verein Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart erarbeitet und von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert wurde, beantwortet Kindern Fragen über die Mauer, die sich 28 Jahre lang durch die Stadt zog. Doch an der grünen Holztür werden zunächst einmal Fragen gestellt, die an sehschlitzartigen Einlassungen zu sehen sind. Es sind schwere, beinahe schon unüberwindliche Fragen für Kinder einer sechsten Klasse. Das ist offensichtlich so gewollt, denn die Holztür symbolisiert einen Grenzübergang.
So rätseln die Kinder beispielsweise über die richtige Antwort, zum Beispiel, bei welchen Gelegenheiten Menschen aus dem Ostteil der Stadt die Erlaubnis erhielten, in den Westteil zu fahren. Und ob man dafür ein Visum brauchte oder nicht. Was ist ein Visum? Da geht es bereits los. Ohne Hilfe von Erwachsenen kommen die Kinder nicht weit. Bei jeder richtigen Antwort aber öffnet sich ein Riegel in der Tür und zuletzt diese selbst.
Es sei wichtig, Geschichte für jene erlebbar zu machen, die sie selbst nicht erlebt haben, sagte der Lichtenberger Schulstadtrat Wilfried Nünthel zur Eröffnung. Er hoffe, dass viele Schulen die Möglichkeit zu einem Besuch wahrnehmen.
Für Grundschulklassen ist die Ausstellung an den Wochentagen vom 16. Januar bis zum 21. April geöffnet. Anmeldung für eine museumspädagogische Begleitung: Telefon: 5779-7388-12; Mail: museumlichtenberg@kultur-in-Lichtenberg.de.
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