Ausstellung zeigt das Engagement von Amnesty

Einsatz für die Menschenrechte in der DDR

Sigrid Averesch
3 Min

BERLIN, 28. Mai. Im November 1979 wurde der Kabarettist Manfred Bartz von der DDR-Staatssicherheit verhaftet. 15 Monate saß er in Untersuchungshaft, dann wurden seine gesellschaftskritischen Texte als "staatsfeindliche Hetze" verurteilt. Sechs Jahre Haft, lautete der Spruch der DDR-Richter. Ein Fall, dem sich die Menschenrechtsorganisation Amnesty International annahm. Im August 1981 machte sie das Schicksal des Kabarettisten öffentlich bekannt, indem sie ihn als "Gefangenen des Monats" betreute: Tausende Schreiben wurden an den DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker gerichtet, um Bartz aus der Haft freizubekommen. Zehn Monate später war es soweit: Im Juli 1982 wurde Bartz aus dem Gefängnis entlassen.Das Engagement für den Kabarettisten war kein Einzelfall. Zwischen 1961 und 1989 betreute Amnesty International über 2 001 politische Gefangene in der DDR und forderte ihre Freilassung. Wie die Organisation gegen die Menschenrechtsverletzungen in der DDR vorging, dokumentiert nun eine Ausstellung, die am Montag in Berlin eröffnet wurde. Zum 40. Jahrestag der Gründung zeigt sie, wie sich Amnesty für Menschen engagierte, denen das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf Ausreise genommen worden war, wie sie Haftbedingungen anprangerte und wie sie sich in Kampagnen für die Freilassung Inhaftierter einsetzte.Vierjährige ForschungDer Aussstellung liegt eine vierjährige Forschungsarbeit über die Arbeit von Amnesty in der DDR zu Grunde. Danach waren 80 Prozent der Inhaftierten, für die sich die Menschenrechtsorganisation einsetze, Ausreisewillige, sagte die Organisatorin Anja Mihr. Ihre These: Die Mehrzahl der Personen, für die sich Amnesty in den 28 Jahren in der DDR einsetzte, sind vorzeitig aus der Haft entlassen oder von der Bundesrepublik freigekauft worden. "Dadurch, dass Amnesty ihre Namen bekannt machte, war die Bundesregierung gezwungen, sie auf die Freikauflisten zu setzen", betont Mihr.Sie räumt allerdings ein, dass sich Amnesty nur für eine kleine Zahl der 50 000 politisch Gefangenen einsetzen konnte. Die Schwierigkeit habe darin bestanden, dass Mitgliedern der Menschenrechtsorganisation die Einreise in die DDR verweigert wurde, so Mihr. Erfolge habe es dennoch vor allem bei der Verbesserung von Haftbedingungen für einzelne Gefangene gegeben.Der DDR-Staatsführung ging dieses Engagement zu weit. Sie betrachtete Amnesty als "Feindorganisation". Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit, nannte sie eine Organisation der "westlichen Monopolbourgeoisie". Die Überwachung von Amnesty wurde angeordnet - allerdings mit der klaren Anweisung, so vorzugehen, "dass keine Beeinträchtigung der außenpolitischen Interessen der DDR erfolgt", wie es in einem Schreiben der Staatssicherheit vom Januar 1978 heißt.Dokumente // Die Ausstellung, mit der erstmals die Arbeit von Amnesty International in der DDR dokumentiert wird, ist bis zum 28. Juni im Haus der Demokratie in Berlin-Prenzlauer Berg, Greifswalder Straße 4, zu sehen.Geöffnet ist sie montags bis freitags von 10 bis 20 Uhr.Auf 28 Tafeln werden einzelne Fallbeispiele von politischen Gefangenen dargestellt und die Aktionen von Amnesty in internationalen Organisationen und bei Staatsbesuchen von DDR-Repräsentanten im Ausland nachgezeichnet.Ein 15-minütiger Dokumentarfilm zeigt Interviews mit sieben früheren politischen Gefangenen.Weitere Informationen unter: www. amnesty. de

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema