Die australische Internetaufsicht eSafety hat vor dem Bundesgericht in Australien ein Zivilverfahren gegen den Messengerdienst Telegram eingeleitet. Das teilte die Behörde am Donnerstag mit. Der Vorwurf: Telegram habe gemeldete Videos von Hinrichtungen und Anschlägen nicht rechtzeitig von der Plattform entfernt und damit gegen Pflichten aus dem australischen Online-Sicherheitsgesetz verstoßen.
Nach Angaben von eSafety-Kommissarin Julie Inman Grant geht es unter anderem um Material im Zusammenhang mit dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch 2019 sowie um Aufnahmen der Amoktat in einem Supermarkt im US-amerikanischen Buffalo aus dem Mai 2022. Auch Enthauptungs- und Hinrichtungsvideos der Terrororganisation Islamischer Staat seien ebenfalls Teil der Vorwürfe.
Ein Teil der Inhalte sei erst nahezu drei Monate nach dem Hochladen entfernt worden, andere Beiträge seien bis zu drei Wochen nach Hinweisen von Nutzern abrufbar geblieben.
Inhalte blieben wochenlang abrufbar
eSafety wirft Telegram vor, bekannte terrorbezogene Inhalte nicht erkannt und nicht wirksam eine erneuten Verbreitung verhindert zu haben. Zudem habe die Plattform betroffene Konten, Kanäle und Gruppen nicht konsequent gesperrt und Nutzer nicht über den Ausgang ihrer Beschwerden informiert.
Laut einer Klageschrift, aus der die Nachrichtenagentur Reuters zitiert, meldeten australische Nutzer vom 27. September bis 5. Oktober 2025 zwölf Beiträge mit terrorverherrlichendem Inhalt – zehn davon habe Telegram nicht entfernt.
Der Untersuchung ging nach Angaben der Behörde eine einjährige Prüfung voraus. Die Aufsicht habe Telegram am 18. März 2024 zur Auskunft aufgefordert. Die verlangten Informationen seien erst fünf Monate nach Ablauf der Frist eingegangen.
Telegram weist Vorwürfe zurück
Ein Telegram-Sprecher wies die Anschuldigungen gegenüber Reuters zurück. Man werde sie vor Gericht bestreiten. Die Bemühungen des Dienstes gegen Terrorinhalte seien gut dokumentiert, allein 2026 seien Tausende extremistische Gruppen gesperrt worden.
Bei einem Verstoß gegen die australischen Vorgaben drohen laut eSafety Strafen von bis zu 54,6 Millionen australischen Dollar, umgerechnet rund 38 Millionen US-Dollar.
Die australische Kommunikationsministerin Anika Wells erklärte, die Regierung werde nicht hinnehmen, wenn große Technologiekonzerne bei der Entfernung terrorbezogener Inhalte versagten. Telegram müsse den Nutzern und dem Gericht erklären, warum es australisches Recht mutmaßlich nicht eingehalten habe.
Telegram hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als eine Milliarde monatlich aktive Nutzer. In Australien wird der Dienst nach Zahlen der Aufsicht im Schnitt 1,5 Millionen Mal pro Monat aufgerufen.
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