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Ausverkauf einer Dynastie: Hohenzollern versteigern Teile ihrer berühmten Sammlung

Die Auktion mit 337 Münzen und Medaillen aus dem Besitz des Adelsgeschlechts sorgt für Diskussionen über den Umgang mit deutschem Kulturgut.

Reinhold Zilch
6 Min
Das Schloss Monbijou in Berlin-Mitte wurde ab 1877 zum Teil als Museum genutzt, 1959 allerdings abgerissen.

Das Schloss Monbijou in Berlin-Mitte wurde ab 1877 zum Teil als Museum genutzt, 1959 allerdings abgerissen.

© United Archives/Imago

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Unter den Münzsammlern herrscht Aufregung – endlich ist es so weit: Die Hohenzollern verkaufen Teile ihrer Münz- und Medaillensammlung. Am 23. Juni werden von dem bekannten Auktionshaus Künker in Osnabrück „Numismatische Kostbarkeiten aus dem Besitz der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern“ versteigert.

Im Gefolge der Novemberrevolution wurde das Vermögen der Herrscherfamilie beschlagnahmt. Kaiser Wilhelm II. hatte abdanken müssen und war nach Holland geflohen. Die Weimarer Republik zeigte sich jedoch trotz des verlorenen Krieges mit seinen Millionen Toten großzügig und sandte ihm ins Exil mehr als 50 Eisenbahnwaggons voll mit persönlichen Gebrauchsgegenständen und Andenken, mit wertvollen Möbeln, Geschirr, Büchern, Archivalien, zahlreichen Kunstwerken und Erinnerungsstücken von historischem Wert nicht nur für die Familie, sondern auch für die deutsche Geschichte.

Damit stattete der entmachtete Herrscher das von ihm erworbene Haus Doorn standesgemäß aus. Doch trotz aller Großzügigkeit der Berliner Politiker war das Majestät, wie er sich weiterhin anreden ließ, nicht genug, und er forderte mehr. Ein Vertrag von 1926 beendete trotz allem Entgegenkommen nicht die Vermögensstreitigkeiten.

Nach 1945 wurden die Hohenzollern auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Das Inventar aus Schlössern und Herrenhäusern ging 1949 in das Eigentum der DDR über. Nach 1989 erhoben die Hohenzollern auf der Basis des sogenannten Ausgleichsleistungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland darauf Ansprüche. Dabei ging es nicht zuletzt auch um den Bestand des 1877 im Schloss Monbijou von der Herrscherfamilie selbst eröffneten Museums, das für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen war.

Es wurde nach 1918 vom Staat weiterbetrieben, seine Bestände blieben aber Familieneigentum. Das durch einen alliierten Bombenangriff im November 1943 stark zerstörte Gebäude wurde nicht wieder aufgebaut und 1959, gegen den Widerstand unter anderem von Museumsfachleuten, abgerissen.

Reformationsmedaille von 1839 in Bronze

Reformationsmedaille von 1839 in Bronze

© Reinhold Zilch

Generalsmedaille von 1871

Generalsmedaille von 1871

© (IKMK 18205753; CC BY-SA Lizenz 4.0)

Verstrickung mit den Nazis

Das Inventar hatte die Auslagerung zum Schutz gegen Bombenangriffe, den Abtransport in die Sowjetunion und die Rückführung in die DDR sowie die Aufteilung auf andere Museen relativ gut überstanden und weckte nach 1989 Begehrlichkeiten.

Seit 2014 verhandelten die Hohenzollern mit dem Land Brandenburg und den Stiftungen Preußischer Kulturbesitz beziehungsweise Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Dabei ging es im Kern um die Frage, ob die Enteignungen der Besatzungsmacht rechtens gewesen waren, das heißt, ob die Hohenzollern die Nazidiktatur unterstützt hatten, was eine Rückgabe ausschloss.

Der hierüber entbrannte und bis in die Feuilletons geführte Historikerstreit förderte schon bald deutliche Beweise ans Licht, dass sich einzelne Familienmitglieder den Nationalsozialisten angedient und diese beim politischen Aufstieg unterstützt hatten. Ihr Kalkül, mithilfe der von ihnen abschätzig betrachteten „braunen Horden“ selbst an die Macht zu kommen, die verachtete Republik abzuschaffen und wieder eine Monarchie zu errichten, ging nicht auf. Das ändert aber nichts an der Verstrickung mit den Nazis.

Das musste auch Georg Friedrich Prinz von Preußen, der 1976 geborene jetzige Chef des Hauses, eingestehen. Er erklärte neulich in der Berliner Zeitung: „Wer sich dem Rechtsextremismus anbiedert, kann nicht traditionsstiftend für das Haus Hohenzollern sein.“ Nach langjährigen Verhandlungen mit der öffentlichen Hand hatte er 2025 eine Einigung über die Zukunft der Sammlung erzielt. Zahlreiche Objekte verblieben als Dauerleihgaben in deutschen Museen, andere gingen in den Besitz des Hauses Hohenzollern über.

Sophie Prinzessin von Preußen und Georg Friedrich Prinz von Preußen auf der Galopprennbahn Hoppegarten

Sophie Prinzessin von Preußen und Georg Friedrich Prinz von Preußen auf der Galopprennbahn Hoppegarten

© Matthias Wehnert/Imago

Ein ehrenwertes Bekenntnis

Das ehrenwerte Bekenntnis zu der eigenen Geschichte und den damit verbundenen Traditionen hindert die Familie aber nicht, einen Teil des ihr im vergangenen Jahr rechtsgültig zugesprochenen Kulturgutes meistbietend auf den Markt zu bringen. Die Sammlung war über Generationen von Mitgliedern des Hauses Hohenzollern aufgebaut worden, „darunter König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Kaiser Wilhelm I.“. Die Stücke gehörten zur „Sammlung im Hohenzollernmuseum im Berliner Schloss Monbijou“.

Von den 2122 zurückgegebenen Münzen und Medaillen werden nun in Osnabrück 337 Stücke angeboten, jedes mit der Inventarnummer des Hohenzollernmuseums. Das Blättern in dem auch online einsehbaren, 368-seitigen Katalog gleicht einem spannenden Gang durch die preußisch-deutsche Geschichte.

Zu den Highlights gehört zum Beispiel ein Exemplar der sogenannten Generalsmedaille aus dem Jahr 1871, von der nur 25 Stück geprägt worden waren. Kaiser Wilhelm I. hatte mit den goldenen Kunstwerken im Gewicht von 120 Dukaten seine Heerführer als Dank für den Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 ausgezeichnet. Die Experten bei Künker haben einen Schätzpreis von 75.000 Euro angesetzt, aber es wäre nicht verwunderlich, wenn diese Summe übertroffen wird, denn es ist anzunehmen, dass in absehbarer Zeit kein weiteres Exemplar käuflich sein wird.

Auktionshäuser freuen sich über gute Geschäfte

Eine wesentlich kleinere, ebenfalls goldene Medaille auf die 300-Jahr-Feier der Reformation in Brandenburg-Preußen aus dem Jahr 1839 ist mit 12.500 Euro – vergleichsweise – „preiswert“. Die Geschichte dieses Stücks ist gut erforscht. Es wurde im Auftrag des Berliner Magistrats speziell für den Kronprinzen, den späteren König Friedrich Wilhelm IV., geprägt. Vom Bild her ist es identisch mit den in hoher Zahl an die staatliche und kommunale Beamtenschaft sowie vor allem an Schüler verteilten bronzenen Medaillen.

Diese Medaillen sind ebenso wie die zum Verkauf stehenden Münzen den Numismatikern gut bekannt. Durch ihre Veräußerung entsteht kein Verlust für die Wissenschaft. Und doch handelt es sich um einen Verlust an deutschem Kulturgut, wenn die Preziosen in private Sammlungen des In- und Auslandes „verschwinden“. Zwar konnten sich in den beschriebenen Verhandlungen die Stiftungen eine ganze Reihe wichtigster Objekte als Dauerleihgaben sichern, aber der über Jahrzehnte gewachsene historische Zusammenhang geht durch die Veräußerungen unwiederbringlich verloren.

Und die anstehende Osnabrücker Versteigerung ist ja nur der Anfang. Es werden bei Künker weitere folgen, und auch andere Auktionshäuser freuen sich sicher schon auf gute Geschäfte mit Fächern, prachtvollen (Schmuck-)Kästchen, Porzellanen und so weiter. Im vergangenen Jahr wurde in der gut unterrichteten Zeitschrift Monopol vom 13. Juni 2025 der Marktwert all dieser Objekte auf „gut“ zwei Millionen Euro geschätzt. Doch das dürfte zu niedrig gegriffen sein.

Reinhold Zilch, Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, ist Preußen-Historiker und Numismatiker. Er hat 2018 in der Zeitschrift Money Trend (Salzburg) die Geschichte der Reformationsmedaille beschrieben.

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