BERLIN. Der zurückliegende Monat dürfte als schwarzer Oktober in die Geschichte der Automobilindustrie eingehen. Weltweit sind die Absätze der Hersteller massiv eingebrochen. Am heftigsten traf es den US-Markt, der um 32 Prozent auf 850 000 Fahrzeuge geschrumpft ist. Allein die Opel-Mutter General Motors erlitt einen erdrutschartigen Absatzeinbruch von 45 Prozent, die Rivalen Chrysler und Ford verzeichneten Verkaufsrückgänge von 35 beziehungsweise 30 Prozent. Auch die japanischen und deutschen Autohersteller setzten in den USA deutlich weniger Pkw ab. Toyota musste ein Minus von 26 Prozent verkraften. Unter den deutschen Herstellern erwischte es am schwersten Porsche: Die Stuttgarter verkauften im Vormonat 40 Prozent weniger Autos als im Oktober 2007. Die anderen deutschen Konkurrenten traf es in Amerika zwar nicht so hart, jedoch bricht für sie auch der Heimatmarkt mehr und mehr weg. So verringerte sich die Zahl der Neuzulassungen im Oktober um 8,2 Prozent auf 258 800 Fahrzeuge. Der Verband der Automobilindustrie rechnet für 2008 nur noch mit insgesamt 3,1 Millionen Neuzulassungen, 100 000 weniger als erwartet. Damit steuert die Branche auf das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung zu. Das hat drastische Einschnitte in den Unternehmen zur Folge:------------------------------Daimler: Der Stuttgarter Autokonzern kann selbst mit seiner Nobelmarke Mercedes in den USA nur noch wenig punkten. Im Oktober hat Daimler in Amerika ein Viertel weniger Fahrzeuge verkauft, als ein Jahr zuvor. Der Absatz ist um 24,5 Prozent auf 17 232 Autos zurückgegangen. Die Marke Mercedes-Benz verbuchte gar ein Absatzminus von 34,3 Prozent auf 14 996 Fahrzeuge. Dagegen konnte der lange belächelte Kleinwagen Smart, der erst seit Januar in den USA angeboten wird, weitere Kunden gewinnen. Im Oktober wurden 2 236 Fahrzeuge des "Baby-Benz" verkauft. Damit hat der Smart dazu beigetragen, dass die Verkaufsbilanz von Daimler in den USA in diesem Jahr noch positiv ist. Seit Jahresbeginn hat Daimler dort 212 686 Autos verkauft, das ist ein Plus von 4,7 Prozent.Gerüchte an der Börse über eine mögliche Anteilsaufstockung haben den Daimler-Kurs gestern kräftig nach oben getrieben. Erneut wurde spekuliert, dass Kuwait seinen Anteil erhöhen könnte. Das Scheichtum am Persischen Golf ist seit vielen Jahren Anteilseigner bei Daimler und größter Aktionär. Die staatliche Investmentgruppe Kuwait Investment Authority hält 7,6 Prozent der Anteile.BMW: Nach einem Gewinneinbruch von 63 Prozent im dritten Quartal zog der Münchner Autohersteller BMW gestern seine bereits gesenkte Prognose für das Gesamtjahr ganz zurück. Konzernchef Norbert Reithofer kündigte nur noch ein "deutlich positives Konzernergebnis" an. Die Produktion werde stärker eingeschränkt als bisher geplant, Werke sollen "mehrere Wochen" geschlossen werden. 2007 hatte BMW 1,5 Millionen Autos verkauft und einen Rekordgewinn von 3,13 Milliarden Euro eingefahren. Für das laufende Jahr sei aber keine seriöse Aussage zur weiteren Geschäftsentwicklung mehr möglich, weil "die Krise alles übertrifft, was wir bisher kennen", sagte der BMW-Chef. Im dritten Quartal beschleunigte sich der Abwärtstrend. Der Umsatz sank um neun Prozent, der Gewinn brach von 803 Millionen auf 298 Millionen Euro ein.Die Folge: Bis Jahresende sollen 8 100 Arbeitsplätze abgebaut werden. Unter Umständen müssten Anfang 2009 weitere Stellen für Zeitarbeiter gestrichen werden, sagte Reithofer. Die Weihnachtsferien würden verlängert und Werke für mehrere Wochen geschlossen. Zudem will der Konzern seinen Mitarbeitern für 2008 weniger Prämien zahlen. Für 2007 hatten die Beschäftigten durchschnittlich 5 600 Euro erhalten. Ab 2009 werde auch das Weihnachtsgeld anders berechnet. Einzig gute Botschaft: In diesem Jahr werde es noch unverändert ausgezahlt.Volkswagen: Europas größter Autokonzern VW war ebenfalls vom Absatzeinbruch in den USA betroffen. Die Tochter Volkswagen of America verkaufte im Oktober mit 15 889 Fahrzeugen knapp acht Prozent weniger Autos als vor einem Jahr. Gemessen an dem Rückgang vieler Konkurrenten hält sich dieses Minus jedoch noch in Grenzen. Die VW-Tochter Audi konnte sich mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 7433 verkaufte Autos sogar als einziger Hersteller gegen die Talfahrt in den USA stemmen.Wie die IG Metall gestern mitteilte, wird das Tarifprojekt Auto 5 000 bei Volkswagen beendet. Die 4 200 Beschäftigten, die zu ursprünglich deutlich niedrigeren Löhnen und mit besonders flexiblen Arbeitszeiten angestellt wurden, werden jetzt in den Konzern eingegliedert und nach Haustarif bezahlt. Darauf habe sich die Gewerkschaft mit VW geeinigt. Die Unterschiede zwischen den Beschäftigten der VW-Tochter Auto 5 000 und den direkt bei VW angestellten Mitarbeitern hatten zuletzt abgenommen. So hatten sich IG Metall und Unternehmensleitung Ende 2006 für die sechs deutschen Stammwerke des Konzerns auf ein Ende des Sonderweges der 28,8-Stunden-Woche geeinigt und Arbeitszeiten von bis zu 34 Stunden ohne Lohnausgleich vereinbart. Für den Einsatz von Leiharbeitern einigten sich die IG Metall und der Konzern darauf, dass ihre Zahl im Durchschnitt auf fünf Prozent am jeweiligen Standort begrenzt wird.Porsche: Lange Zeit galt der Sportwagenhersteller im Gegensatz zu seinen Konkurrenten als krisenresistent. Doch im Oktober hat die Stuttgarter ebenfalls die Kaufzurückhaltung vor allem der US-Kunden schwer getroffen. So sind im Vormonat in den USA nur noch 1 541 Fahrzeuge ausgeliefert worden, teilte Porsche gestern mit. Das entspricht einem Rückgang von knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei Porsche bewertet man diesen Einbruch dennoch als vorerst nicht so dramatisch. Der Rückgang liege nicht zuletzt im Modellwechsel bei der Baureihe 911 begründet, hieß es. Falls es infolge der Wirtschaftskrise zu einem dauerhaften Rückgang der Bestellungen kommen sollte, "wäre Porsche aufgrund seines flexiblen Produktionssystems in der Lage, die Stückzahlen der Nachfrage anzupassen", erklärte das Unternehmen.Wie zahlreiche andere Autobauer haben aber auch die Stuttgarter vorsichtshalber angekündigt, die Produktion zu drosseln. Die Weihnachtspause für die Belegschaft im Stammwerk Zuffenhausen soll verlängert werden. Das Werk in Stuttgart bleibt demnach vom 22. Dezember bis zum 9. Januar geschlossen, drei Tage länger als ursprünglich geplant. Bei anhaltend flauen Verkaufszahlen im kommenden Jahr wird außerdem erwogen, Teile der Produktion des Boxster und des Cayman vom finnischen Auftragsfertiger Valmet nach Zuffenhausen zu verlagern. Diese Möglichkeit sei 2005 mit den Finnen vereinbart worden. Auch bei der geplanten VW-Übernahme will sich Porsche mehr Zeit nehmen.Opel: Die Tochter des US-Herstellers General Motors will die massiven Absatzprobleme vorerst nur über eine Drosselung der Produktion in ihrem Eisenacher Werk abfedern. So ist geplant, dass die Montagebänder in der letzten Novemberwoche erneut stillstehen, teilte der Betriebsratschef von Opel Eisenach, Harald Lieske, gestern mit. Außerdem werde die Fertigung im November jeweils freitags eingestellt. Insgesamt führe diese Maßnahme dazu, dass in diesem Monat rund 5 200 Kleinwagen vom Typ Corsa weniger von den Montagebändern rollen werden als ursprünglich geplant.Bereits im Oktober hatte die Belegschaft in dem Thüringer Werk eine dreiwöchige Zwangspause einlegen müssen. Der neuerliche Produktionsstopp bedeute für die Beschäftigten in Eisenach geringe Lohneinbußen, sagte Lieske. Sie würden bezahlt freigestellt und erhielten Kurzarbeitergeld. Jobs stünden derzeit nicht zur Disposition. Experten halten jedoch weitere Produktionsstopps für möglich.------------------------------Foto: BMW-Montageband in Leipzig: Die Produktion soll wegen der Kaufflaute mehrere Wochen ruhen.
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