Es gibt diese erfolgreiche BBC-Serie „Call the midwife“, es geht um Hebammen in London und darum, wie wichtig ihre Arbeit ist. Die Serie spielt passenderweise in der Vergangenheit. Denn heute überlegen sich junge Frauen genau, ob sie Hebamme werden sollen. Ob es ein Beruf ist, der eine Zukunft hat. Obwohl die Geburtenrate steigt und gerade in Berlin wegen der Engpässe in den Kreißsälen mehr Hebammen gebraucht werden, wollen weniger Frauen den Beruf erlernen.
Bemühten sich 2007 zum Beispiel noch etwa 1400 Frauen um einen der sechzig Plätze an der renommierten Vivantes-Hebammenschule, ging die Zahl über die Jahre kontinuierlich zurück. Fünf Jahre später waren es noch 565 Bewerberinnen, zehn Jahre später gingen nur noch 190 Bewerbungen ein.
Studium wird zur Pflicht
Auch wenn es immer noch mehr Interessentinnen als Plätze gab, spricht das für die nachlassende Attraktivität des Berufs.
Laut den Zahlen, die aus einer unveröffentlichten Anfrage der FDP-Abgeordneten Maren Jasper-Winter stammen, ging die Zahl der Bewerberinnen an der zweiten Berliner Ausbildungsstätte, der Charité-Hebammenschule, ähnlich massiv zurück. Aus der Anfrage geht auch hervor, dass trotz des großen Bedarfs nicht alle genehmigten 202 Ausbildungsplätze im vergangenen Jahr besetzt wurden – obwohl es genügend Bewerberinnen gab.
Die Gründe für die nachlassende Attraktivität des Berufs sind vielfältig. „Schwere Arbeitsbedingungen, fehlende Wertschätzung und eine unsichere Zukunft wegen der Akademisierung des Berufs“, fasst eine Vivantes-Hebammenschülerin, die in diesem Jahr ihren Abschluss macht, die Lage zusammen. Ab 2021 muss für diesen Beruf studiert werden, das schreibt die EU so vor. In Berlin kann man den Bachelorstudiengang Hebammenkunde seit 2013 an der Evangelischen Hochschule belegen, es gibt derzeit nach Angaben der zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung 87 Studienplätze und im Vorjahr etwa doppelt so viele Bewerber. Die Charité plant ebenfalls einen Studiengang.
Zu wenig Studienplätze
Vor diesem Hintergrund verwundert es, dass der Senat in den nächsten Jahren vor allem in Ausbau der Ausbildungsplätze investiert – nicht aber in Studienplätze. Bis 2020 soll die Zahl der Geburtshelferinnen, die in Berlin ausgebildet werden können, auf 332 steigen.
Das ist Teil des Aktionsprogrammes zur Geburtshilfe, das der rot-rot-grüne Senat in der Vorwoche beschlossen hat. 20 Millionen Euro sollen für den Ausbau von Kreißsälen in sechs Kliniken investiert werden. Einen Zeitplan zur Erhöhung der Zahl der Studienplätze gibt es nicht. „Eine völlige Fehlplanung“, sagt die FDP-Politikerin Jasper-Winter. Der Senat versäume, diesen Beruf attraktiver zu machen.
Künftig ist auch eine Digitalplattform geplant, bei der Schwangere schneller und zuverlässiger als bisher eine Betreuung finden. Das sei zwar gut gemeint, sagt Maren Jasper-Winter, täusche aber nicht darüber hinweg, dass es insgesamt zu wenig Hebammen gebe, die man auch digital nicht finden werde.
„Ein schlechter Witz“
Sie bemängelt auch, dass es an Studienplätzen für ausgebildete Hebammen fehlt, die zusätzlich den Bachelor machen wollen. Berlinweit gibt es nur vier Plätze. „Dies ist angesichts des Ziels, auch schon lange tätige Hebammen wieder dafür zu gewinnen, in Krankenhäusern zu arbeiten – allerdings besser qualifiziert und damit auch besser bezahlt – ein schlechter Witz“, sagt die FDP-Abgeordnete Jasper-Winter.
Werden aber studierte Hebammen auch wirklich mehr Geld bekommen? Das ist bisher unklar. Auf Nachfrage lässt der Senat nicht erkennen, dass er sich für eine bessere Bezahlung für Absolventen des Studienganges einsetzen will. Doch wie soll dann langfristig der Bedarf an Hebammen sichergestellt werden?
Schon jetzt haben Krankenhäuser Probleme, die Hebammen, die sie ausgebildet haben, zu halten.
Das ist kein rein deutsches Phänomen, auch in Ländern wie Großbritannien verlassen Geburtshilferinnen oft nach wenigen Jahren den Beruf – weil sie nicht mehr können.
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