Die Debatte um unser überteuertes Gesundheitswesen und die entsprechenden Sparreformen hat die falsche Richtung eingeschlagen. Nicht die hohen Medikamentenpreise der Pharmaindustrie haben die Deutschen erzürnt, nicht die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze oder der Beiträge selbst, auch nicht die Masse an unrentablen Krankenhäusern und überflüssigen Operationen sorgt für Unmut und Kontroversen. Sondern die AU-Bescheinigung. Das Attest. Der gelbe Schein.
Der Vorwurf, ab und an mal krankzufeiern und somit zu betrügen, nagt schwer am sensiblen Gewissen des deutschen Arbeitnehmers. Er fühlt sich angegriffen, beleidigt – oder ertappt? SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas wittert hier nun eine Chance, den deutschen Angestellten das Gewissen zu erleichtern. Bas schlägt sich also instinktsicher auf die Arbeitnehmerseite und kippt eben mal die von der Koalition geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag: „Ich bin koalitionstreu, aber wir sollten uns schon noch mal fragen, ob das sinnvoll ist“, sagte Bas in den Medien.
Offensichtlich bezweifelt Bas, dass das Krankfeiern in Deutschland ein Problem sei. Ist die vereinbarte sofortige Attestpflicht also nur eine Schikane der Union?
Krankfeiern
Bärbel Bas und die Simulanten: Der Streit um die Attestpflicht geht am Problem vorbei
Nächster Zoff in der Koalition: Die Krankschreibung ab dem ersten Tag steht wieder zur Debatte. Doch Rezepte gegen die Blaumacherei tun Not, sagt die Wirtschaft.
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Bärbel Bas (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales: Nicht nur bei der Rente mit 63 spaltet sie den Koalitionsfrieden.
© Kay Nietfeld/dpa