Denn das zwölf Millionen Euro teure Bauwerk aus Glas und Stahl ist auch gut zwei Monate nach seiner Eröffnung noch immer eine Einkaufswüste. Kein Geschäft weit und breit hat geöffnet, still und stumm stehen die gläsernen Pavillons. Bei einem ist die Tür offen, drinnen im Schummerlicht sitzen Arbeiter auf dem Boden und machen Kaffeepause.
S-Bahnpassagiere, die beim Warten auf den nächsten Zug der kleine Hunger überkommt, können sich Snacks aus einem Automaten ziehen. Oder sie müssen hinuntersteigen zum Bahnsteig der Ost-West-Linie. Anders als in der Ringbahnhalle stehen dort Kioske, an denen Getränke, Croissants, Bratwurst oder belegte Brötchen verkauft werden. Sogar einen Blumenladen gibt es.
Umzug verzögert sich
Die meisten dieser Imbissbuden verbreiten einen sehr speziellen Charme. Sie sind, freundlich ausgedrückt, ziemlich rustikal. Sie passen damit ganz gut zum alten Bahnsteig, auf dem sie stehen. Doch Kings Grill, Rios Ketwurst oder Keb-up kommen weg, spätestens wenn die unteren Bahnsteige saniert werden. Wir müssen uns dann was anderes suchen, sagt die Verkäuferin vom Brezel-Stand. Sie würde ja gern in die Ringbahnhalle ziehen, aber die Bahn wolle sie nicht.
Besser ins Shopping-Konzept passt da wohl Le Crobag. Die französische Backwarenkette mit dem markanten roten Stand ist inzwischen auf allen größeren Bahnhöfen in Berlin vertreten. Also auch am Ostkreuz. Cornelia Flohr und ihre Mannschaft werden vom unteren Bahnsteig nach oben in die neue Halle ziehen.
Die neue Ringbahnhalle am Bahnhof Ostkreuz.
© Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann Lizenz
Längst wollten die Frauen in dem schicken Verkaufspavillon arbeiten. Flohr hatte schon Mitarbeiter eingestellt, einige sind inzwischen aber wieder abgesprungen. „Wir müssen irgendwie über die Runden kommen bis zur Eröffnung“, sagt sie. Seit 1993 arbeitet die Friedrichsfelderin im Imbiss am Bahnhof Ostkreuz, hatte auch einen Stand auf dem alten Ringbahnsteig. Sie freut sich auf den künftigen Arbeitsplatz im Glaspavillon mit Kühlkammer und eigener Toilette. Doch der Umzug verzögert sich.
Cornelia Flohr und ihre Kolleginnen müssen sich gedulden. Wie eine Sprecherin der Deutsche Bahn auf Anfrage mitteilte, werden die Pavillons ab Juli nach und nach in Betrieb gehen. Künftige Pächter sind neben Le Crobag ein Presseshop, Backwerk, ein Asia-Imbiss und ein McConell-Saft- und Obstladen. Zu den Ladenmieten will die Bahn keine näheren Angaben machen. Nur so viel: „Wir vereinbaren umsatzbezogene Mieten, diese sind differenziert.“ Eine Händlerin hatte von 8 000 Euro gesprochen.
Dass die neuen Verkaufspavillons noch nicht geöffnet sind, scheint die Reisenden nicht sonderlich zu stören. Etwas anderes ärgert sie viel mehr, nämlich dass noch immer nicht alle Rolltreppen funktionieren, mit denen man von der Straße hoch zu den Bahnsteigen kommen soll. Dicke weiß-rote Plastikgitter versperren am Ausgang Sonntagstraße den Zugang zu den Rolltreppen.
Wer zur Ringlinie will, muss Treppen steigen. 48 Stufen. Mit Fahrrädern, mit Kinderwagen, mit Gepäck ist das ziemlich mühselig. „Das ist ein Unding“, schimpft eine ältere Frau. Ein junger Mann mit Gitarre nimmt im Sturmschritt immer zwei Stufen auf einmal. „Nicht schön, aber was will man machen“, sagt er.
Sitzgruppen und Papierkörbe
Im Mai werden die Rolltreppen in Betrieb gehen, hatte die Deutsche Bahn versprochen, als sie am 16. April die Halle freigab. Als neuer Termin wird nun die zweite Juliwoche genannt. Die Fahrtreppen müssten erst noch mit einer technischen Komponente versehen werden, heißt es. Drei Wochen später sollen dann auch endlich die elektronischen Zielanzeiger funktionieren.
Aktuell wird laut Bahn die Hallenausstattung ergänzt mit Sitzgruppen, zusätzlichen Uhren und weiteren Papierkörben. Zwar müssen die Reinigungskräfte dann täglich mehr Behälter entleeren, dafür aber vielleicht nicht mehr den Müll mit Greifern aus allen möglichen Ecken hervorholen.
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