Das Kind ist noch gar nicht auf der Welt, da hat es schon einen Namen: Zoom soll das neue Geschäftshaus heißen, für das derzeit an der Joachimsthaler Straße die Baugrube ausgehoben wird – und plötzlich ganz neue Blicke vom und auf den nahen Bahnhof Zoologischer Garten gestattet. Zoom, das klingt nach heranholen, vergrößern, sichtbar machen. Und selbst das Wort Zoo hört man heraus.
Zwischen dem altehrwürdigen Bahnhof und der Kantstraße lässt der amerikanische Immobilienentwickler Hines in den nächsten zwei Jahren für 150 Millionen Euro ein Büro- und Geschäftshaus bauen. Es wird mehr lang als hoch. Markant sind die auf drei Geschossen verlaufenden Schaufensterbänder für Läden, jedes 150 Meter lang. Auffällig sind auch die abgerundeten Ecken an der Hardenberg- und an der Kantstraße sowie seine sich verjüngende Struktur in den Büro-Etagen.
Der Bezirk hätte an der Stelle gerne ein höheres Haus gesehen. Doch der Investor hatte sich aus Furcht vor einem langen Genehmigungsverfahren für den flacheren Bau entschieden und verspricht jetzt dennoch trotzig ein „neues, strahlendes Architekturjuwel“.
Fragt sich, welche Mieter das Risiko eingehen werden, so nahe am Bahnhof Zoo mit seinem schwierigen Publikum ein Geschäft zu betreiben. In der Branche kursiert schon der Name Primark. Es wäre das dritte Geschäft des irischen Billig-Bekleidungshauses in Berlin.
So oder so wird dem Vorgängerbau kaum jemand eine Träne nachweinen. Das Zoom ersetzt einen zerklüfteten Gebäuderiegel mit vielen dunklen Ecken und Winkeln, der nicht nur wegen seiner Mieter – dem Beate-Uhse-Museum, einem riesigen Sex-Shop, einem Leihhaus, der Fußballkneipe Holst (später Hanne) am Zoo und allerlei Imbissen – einen fragwürdigen Ruf genoss, nicht gerade ein Aushängeschild für diesen Teil Berlins war und im Übrigen meistens schlecht roch.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de