UPDATE

Rettungseinsatz

Bahnhofsdach eingestürzt: Zahl der Toten steigt – Trauertag in Serbien ausgerufen

Der Bahnhof in der Stadt Novi Sad wurde erst im Juli nach dreijährigen Sanierungsarbeiten eröffnet. Am Freitag kam es zu einem Unglück, bei dem Reisende von Trümmern verschüttet wurden.

3 Min
Rettungskräfte räumen Trümmer weg, um an der Unglücksstelle nach Opfern zu suchen.

Rettungskräfte räumen Trümmer weg, um an der Unglücksstelle nach Opfern zu suchen.

© Darko Vojinovic/AP

Beim Einsturz des Außendachs eines Bahnhofs in Serbien sind am Freitag mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen, etwa 30 weitere seien verletzt worden. Unter den Todesopfern sei ein Kind, sagte Präsident Aleksandar Vučić am Freitagabend. Die Zahl der Toten wurde im Laufe des Tages mehrmals nach oben korrigiert.

Fünf der Todesopfer konnten laut Vučić zunächst nicht identifiziert werden. Der Präsident rief in seiner Fernsehansprache dazu auf, die Familien der Opfer zu unterstützen. „Die Verantwortlichen werden bestraft, das versichere ich Ihnen.“ Die Regierung rief für Samstag eine eintägige Staatstrauer aus.

Am Abend entzündeten Bewohner vor dem Bahnhof und auf einem Platz im Herzen von Novi Sad Kerzen zum Gedenken an die Todesopfer. „Ich bin sprachlos“, sagte Bewohnerin Natasa Siladji Radio Free Europe. „Ich kann gar nicht glauben, dass so etwas in meiner Stadt passieren konnte.“

Das Unglück hatte sich am Freitagmittag in der nordserbischen Stadt Novi Sad ereignet, als vor dem Wochenende viele Menschen unterwegs waren. Unter dem Vordach versammelten sich zahlreiche Pendler, während sie auf ihren Zug warteten. Die Ursache für den Einsturz war zunächst nicht bekannt. 

Bei dem Einsatz waren mehr als 80 Einsatzkräfte im Einsatz. Mithilfe von Kränen und Baggern wurde bis in die Nacht hinein nach weiteren Opfern in den Trümmern gesucht. Die Bergungsarbeiten seien „extrem herausfordernd“ sagte der Innenminister. Auf Bildern und Videos in den sozialen Netzwerken war zu sehen, wie zwei Kräne die Trümmer am Unglücksort wegräumten.

Bahnhof von Novi Sad wurde drei Jahre lang saniert

Die Leiterin der Klinik in der Vojvodina, Vesna Turkulov, erklärte gegenüber örtlichen Medien, dass sich drei Personen, die aus den Trümmern geborgen wurden, in einem ernsten Zustand befänden und zwei von ihnen operiert würden. „Die Verletzungen sind sehr schwer“, sagte sie. Der Blutspendedienst der Stadt rief die Bewohner auf, Blut für die Verletzten zu spenden. Vor dem Blutspendezentrum bildete sich daraufhin bis in den Abend hinein eine lange Schlange.

Der Bürgermeister von Novi Sad, Milan Djuric, und der serbische Bauminister Goran Vesic, besuchten den Unglücksort. Der Bahnhof war erst im Juli nach dreijährigen Sanierungsarbeiten wieder eröffnet worden, an manchen Stellen des Bahnhofs dauern die Renovierungsarbeiten noch an. Das Vordach soll den Berichten zufolge von den Umbauten nicht betroffen gewesen sein.

Der Hauptbahnhof von Novi Sad war 1964 im damaligen sozialistischen Jugoslawien errichtet worden, in dem damals typischen modernistischen Stil. Die 300.000-Einwohner-Stadt an der Donau ist Verwaltungssitz der Provinz Vojvodina. Seit März 2022 gibt es eine Hochgeschwindigkeitszugverbindung von Novi Sad in die serbische Hauptstadt Belgrad. (AFP)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema