Bakterien in Berlin

Streptokokken-Alltag in der U-Bahn

Handschuhtragen im Nahverkehr ist keine schlechte Idee, wie eine neue Studie zeigt.

Maike Schultz
2 Min
Alltag in Berlin: Das tägliche Pendler-Gedränge auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße. Wo viele Menschen sind, tummeln sich auch viele Keime.

Alltag in Berlin: Das tägliche Pendler-Gedränge auf dem U-Bahnhof Friedrichstraße. Wo viele Menschen sind, tummeln sich auch viele Keime.

© imago/Schöning

Wer in Berlin regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, wird irgendwann zwangsläufig zum Ignoranten. Bei der dritten Frage nach Kleingeld auf einer Kurzstrecke etwa. Angesichts der Jungs, die jedes Wochenende ihren Ghettoblaster spazieren fahren. Und gegenüber der eigenen Berührungsangst mit anderen Fahrgästen, denen man morgens in der überfüllten U-Bahn gar nicht entkommen kann.

Wie ignorant ich selbst schon bin, fällt mir immer dann auf, wenn meine Eltern aus der Kleinstadt zu Besuch sind. Am Wochenende war es wieder soweit. Nicht nur, dass ihnen die Trinker auf dem Bahnsteig auffielen, die für Anwohner wie mich schon zum Inventar zählen. Beim Einsteigen in die U7 bemerkte ich, dass mein Vater trotz Plusgraden Handschuhe trug. „Ich will die Stangen hier nicht berühren“, entgegnete er meinem fragenden Blick.

Busse sind am saubersten

Vielleicht habe ich deshalb nicht gleich auf „Löschen“ geklickt, als kurz darauf eine Pressemitteilung mit dem Betreff „Studie deckt auf wie bakterienbefallen öffentliche Verkehrsmittel tatsächlich sind“ in meinem E-Mail-Postfach landete.

Eine Reinigungsfirma namens Zipjet hat Wissenschaftler dafür Proben auf Sitzen von Berliner Taxis, U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen nehmen lassen und die Keimbelastung mit der in Londoner und Pariser Transportmitteln verglichen. Die wenigsten Krankheitserreger wurden demnach in Berliner Bussen gefunden, in der U-Bahn gab es dagegen eine hohe Konzentration von Enterokokken, die in den Ausscheidungen von Mensch und Tier entstehen.

Internationale Handschuhträger aufgepasst: Die U-Bahnen in Paris und London sind der Studie zufolge noch schmutziger. Dort wurden zusätzlich die Darmbakterien Streptokokken festgestellt, die eitrige Infektionen verursachen können. In allen drei Metropolen am schlimmsten verunreinigt waren jedoch die Taxis. Das werde ich meinen Eltern erzählen, wenn sie sich demnächst gar nicht mehr trauen sollten, die Reise durch den unterirdischen Großstadtdschungel anzutreten.

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