Sie ist im ersten Ausbildungsjahr zur Bühnentänzerin, gehört zu den jüngsten Schülerinnen und wird dennoch schon eine wichtige Rolle einnehmen bei der großen Gala der Schule, die am heutigen Montag und am morgigen Dienstag in der Komischen Oper aufgeführt wird.
Clara Melita gehört mit ihren elf Jahren zu den jüngsten Schülern der Staatlichen Ballettschule Berlin. Am Montag und Dienstag tanzt sie bei der Gala der Schule in der Komischen Oper.
© Christian Schulz Lizenz
Auch die Jungen tanzen bei der Gala mit, die die Staatliche Ballettschule jedes Jahr ausrichtet. An der Schule werden 250 Schüler aus 28 Nationen zu Bühnentänzern ausgebildet. Etwa ein Drittel sind Jungen.
© Christian Schulz Lizenz
Hinter so viel Anmut steckt jede Menge Disziplin und Arbeit. Unterrichtet wird an der Schule, die an der Erich-Weinert-Straße in Prenzlauer Berg sitzt, auch sonnabends.
© Christian Schulz Lizenz
Bei den Proben für die Gala ist Clara Melita hochkonzentriert. Sie tanzt, seit sie dreieinhalb Jahre alt ist. Auch ihr Vater war Tänzer.
© Christian Schulz Lizenz
Im großen Theatersaal der Schule fanden in der vergangenen Woche die Proben für die Gala statt. Hier wird gerade Ravels "Bolero" noch einmal durchgegangen.
© Christian Schulz Lizenz
90 Schüler werden beim "Bolero" auf der Bühne stehen. Die Jüngsten und die Älteren werden einbezogen, damit der ganze Weg der Ausbildung an der Ballettschule wiedergespiegelt wird - vom Beginn bis zum Examen.
© Christian Schulz Lizenz
Clara Melita hat im Stück sogar einen kleinen Solopart bekommen. Am Anfang werden die Scheinwerfer nur auf sie gerichtet sein.
© Christian Schulz Lizenz
Die Vorstellungen finden am Montag und Dienstag jeweils um 19 Uhr in der Komischen Oper in der Behrenstraße statt. Karten kosten 9 bis 42 Euro.
© Christian Schulz Lizenz
Neben dem "Bolero" stehen auch "Chopiniana" von Michail Fokin und die "Kindermazurka" von Marius Petipa auf dem Programm.
© Christian Schulz Lizenz
Für Clara Melita ist die Komische Oper nicht die erste große Bühne. Sie hat auch schon am Theater in Schwerin und Cottbus getanzt.
© Christian Schulz Lizenz
Die jungen Herren der Oberstufe geben bei der Gala in der Komischen Oper mit "Troy Game" von Robert North Einblick in die klassische Moderne.
© Christian Schulz Lizenz
Früh übt sich: Die Ausbildung beginnt an der Ballettschule im Alter von zehn, elf Jahren. Vorher muss man strenge Eignungstests und Ausnahmeprüfungen durchlaufen.
© Christian Schulz Lizenz
Clara Melita hat die Aufnahmeprüfung bestanden und bereits eine weitere Hürde genommen: die gefürchtete jährliche Lehrereinschätzungskontrolle.
© Christian Schulz Lizenz
Der klassische Tanz ist die Grundlage jeder professionellen Bühnentanzausbildung.
© Christian Schulz Lizenz
Bei der Gala werden die ersten Bewegungen an der Stange gezeigt, aber auch virtuose Sprünge und Drehungen.
© Christian Schulz Lizenz
Jedes Jahr präsentieren die Schüler einen mehrteiligen Ballettabend auf großen Bühnen. Für sie ist es auch eine Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln.
© Christian Schulz Lizenz
Clara Melita hat jeden Tag drei bis vier Stunden Tanzunterricht.
© Christian Schulz Lizenz
Schon die Jüngsten müssen an der Schule hart an sich arbeiten. Dazu gehört auch, immer auf sein Gewicht zu achten.
© Christian Schulz Lizenz
Dafür kann die Schule mit guten Quoten dienen: Über 90 Prozent der Absolventen bekommen danach ein Engagement.
© Christian Schulz Lizenz
Alle Schüler haben eins gemeinsam: Den Traum, später mal ein berühmter Tänzer zu sein und auf den großen Bühnen dieser Welt zu stehen.
© Christian Schulz Lizenz
Auch Clara Melita will eine berühmte Solotänzerin werden. Ob sie es schafft, weiß niemand. Aber sie hält an ihrem Traum fest.
© Christian Schulz Lizenz
Nicht jeder kann Solotänzer werden. Viele müssen später in der Gruppe tanzen, quasi der 24. Schwan sein.
© Christian Schulz Lizenz
Bis zur großen Bühne ist es in jedem Fall ein weiter, beschwerlicher Weg.
© Christian Schulz Lizenz
Bei den Proben im großen Theatersaal der Schule wirkt Clara hochkonzentriert. Sie sitzt auf dem Boden, hat den Kopf auf die angewinkelten Beine gelegt. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, als die ersten Takte von Ravels „Bolero“ erklingen und sie in den Spagat rutscht, als gebe es nichts Leichteres.
Später, in der Oper, wird in diesem Moment das Scheinwerferlicht auf ihr allein ruhen, sie eröffnet den Tanz, zu dem kurz darauf 90 Mitschüler hinzukommen werden. Virtuose Sprünge und anmutige Pirouetten: Bei der Probe bekommt man eine Ahnung davon, welch wunderbare Bilder die grazilen Tänzer herstellen können.
Die jährliche Gala soll die Arbeit der Schule präsentieren und den Schülern die Chance geben, sich auf der großen Bühne auszuprobieren. Clara ist stolz auf ihren Solopart. Und sie hat Lampenfieber, Angst, dass sie die Schritte vergessen könnte. Als der Probenleiter sie lobt, ist es wieder da, das scheue Lächeln. Er sagt, Clara habe eine gute Zukunft. „Wenn sie dranbleibt.“
Dass man ein Lob gleich einschränkt, dass es trotz 250 Schülern aus 28 Nationen so leise auf den Fluren ist, dass die Lehrer streng an der Disziplin ihrer Eleven arbeiten – dass alles ist Teil des Alltags und des Selbstverständnisses der Schule. Leistungsdruck gehört dazu, wie im Spitzensport.
„Wir bilden für den Tänzerberuf aus, der nur machbar ist, wenn man sich selbst viel abverlangt und wahnsinnig diszipliniert ist“, sagt Gregor Seyffert, der künstlerische Leiter der Schule. Kein Wunder also, dass Clara für eine Elfjährige sehr erwachsen wirkt. Der „Bolero“ sei nicht ihr erster Auftritt, sie habe auch schon in Schwerin und Cottbus getanzt. „Ich will aber damit nicht angeben“, fügt sie hastig hinzu. Clara arbeitet jeden Tag hart für ihren Traum – als berühmte Balletttänzerin auf den großen Bühnen dieser Welt zu stehen. Den Applaus des Publikums zu genießen, wenn der Vorhang fällt.
Ob sie es bis dahin schafft, weiß niemand. Es gibt viele Unwägbarkeiten, von denen die Schüler nicht alle selbst in der Hand haben. Sie können sich verletzen, können ihre schmale Silhouette in der Pubertät verlieren, können zu groß werden. „Das Erscheinungsbild ist wichtig. Wir bilden ja Bühnenkünstler aus“, sagt Seyffert. Kommt jemand zu dick aus den Ferien zurück, wird sofort gegengesteuert, werden Ernährungspläne gemacht, wird die hauseigene Physiotherapie eingesetzt. Man achte aber auch auf die, die zu dünn werden, betont Seyffert.
Clara ist jetzt 1,40 Meter groß und wiegt 24 Kilo. Sie achtet streng auf ihre Ernährung, isst kein Fleisch, viel Gemüse. Auf die Frage, wann sie ihren letzten Schokoriegel gegessen hat, muss sie lange überlegen. Als Opfer betrachtet sie das nicht. „Ich will unbedingt Tänzerin werden“, sagt sie, und ihre Stimme klingt jetzt nicht mehr ganz so zart.
Sie nimmt auch in Kauf, dass sie ihre beste Freundin aus der Grundschulzeit nur selten sehen kann. Dass sie nur sonntags Zeit hat, um mit der Familie etwas Schönes zu machen. Aber was heißt das schon, etwas Schönes? „Wenn ich eine Woche Ferien habe und zu Hause sitze, wünsche ich mir schon, dass die Schule wieder anfängt“, sagt Clara.
Unterricht ist jeden Tag, auch am Sonnabend. Acht, neun Stunden verbringt die Pankowerin täglich in der Schule, hat normalen Unterricht, aber eben auch drei bis vier Stunden klassisches Ballett, Gymnastik, tänzerische Darstellung. Wenn sie nach Hause kommt, macht sie Hausaufgaben, dann geht es ins Bett. Vorher, so wollen es die Lehrer, muss sie sich dehnen. Damit der Körper schön biegsam bleibt.
Clara erzählt stolz, dass sie schon auf den Zehenspitzen stehen kann. „Auf Spitze“, wie es unter Tänzern heißt. Manchmal hat sie Blasen an den Füßen, das schmerzt. „Ich tanze dann trotzdem weiter.“ Zur schuleigenen Spezialität gehört auch, dass jedes Jahr aussortiert wird.
Am Ende sollen nur die Besten stehen. Dafür bekommen mehr als 90 Prozent der Absolventen später auch ein Engagement. Clara hat die gefürchtete erste Jahresprüfung bestanden. Fünf ihrer Mitschüler waren nicht gut genug, um weiterzumachen. Es hat Tränen gegeben. Auch bei Clara. „Das waren ja unsere Freunde.“
Clara tanzt, seit sie dreieinhalb Jahre alt ist. Ihr Vater, der früher selbst Balletttänzer war, hat sie mit in „Schwanensee“ genommen. „Ich fand das so schön“, sagt sie. Dann muss sie zurück in die Probe. Es gibt noch viel zu tun.
Gala der Staatlichen Ballettschule: Mo und Di, 19 Uhr, Komische Oper, Behrenstr. 55-57, Karten für 9 bis 42 Euro an der Abendkasse oder unter 206 09 26 30
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de