Bandenchef plante Aufbau einer eigenen Produktlinie / Haupttäter auf der Flucht

20 Millionen Zigaretten geschmuggelt

Jürgen Schwenkenbecher Katrin Bischoff
2 Min

Mit einer groß angelegten Durchsuchungsaktion haben Zollfahnder und Staatsanwaltschaft jetzt einen der größten Fälle von Zigarettenschmuggel der vergangenen Jahre weitgehend abgeschlossen. Mehr als 120 Beamte durchsuchten bereits vor einer Woche etwa 30 Wohnungen in Hannover, Brandenburg sowie in Polen. Gegen zwei Männer erging Haftbefehl. Ganz zufrieden sind die Ermittler trotzdem nicht. "Der mutmaßliche Kopf der Bande befindet sich derzeit im Ausland auf der Flucht und wird nun mit internationalem Haftbefehl gesucht", sagte Norbert Scheithauer vom Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg gestern.Bei der Aktion, die wegen der Ermittlungen erst jetzt bekannt gemacht wurde, stellten die Ermittler nicht nur rund 70000 Euro Bargeld und Schmuck im Wert von einigen zehntausend Euro sowie Zigaretten sicher. Sie beschlagnahmten auch Matrizen, Drucksätze und Stempel, die zum Fälschen ausländischer Pässe verwendet werden. Vor allem aber entdeckten die Beamten Feinschnitttabak, wie er zur Produktion von Zigaretten verwendet wird."Wir haben seit einiger Zeit Erkenntnisse, dass der mutmaßliche Haupttäter in Deutschland eine illegale Zigarettenfertigungsstrecke aufbauen wollte", sagte Scheithauer. Eine solche Linie würde dem Vertrieb unverzollter Zigaretten enormen Schwung verleihen. Die Teile für eine solche Produktlinie sind auf dem nicht kontrollierten internationalen Markt ähnlich schwer zu erhalten wie Gelddruckmaschinen. Nach Angaben der Zollfahnder wurden in Deutschland nach dem Krieg erst zwei solcher illegaler Anlagen entdeckt.Der gesuchte 52-jährige Deutsche, der aus dem arabischen Raum stammt, soll bis zu 20 Millionen Zigaretten unverzollt nach Deutschland eingeführt haben. Dadurch sei ein Steuerschaden von rund vier Millionen Euro entstanden, sagte Scheithauer. Nach bisherigen Erkenntnissen wollte der Mann im Raum Hannover ein eigenes Absatzgeflecht aufbauen. In Frankreich wurde er bereits wegen Zigarettenschmuggels verurteilt.Insgesamt haben die Beamten in den vergangenen vier Jahren gegen drei große, personell zum Teil eng miteinander verbundene Gruppierungen ermittelt, die sich mit Zigarettenschmuggel beschäftigten. Die Zollfahnder sprechen von 90 Millionen Zigaretten, die die international agierenden Gruppen illegal nach Deutschland gebracht haben sollen. Der Steuerschaden belaufe sich auf etwa 15 Millionen Euro, hieß es. Zwei dieser Banden, die auch in Berlin aktiv waren, konnten bereits zerschlagen werden. Die Täter, die zu Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt wurden, nutzten auch die Hilfe eines Brandenburger Polizeibeamten. Er wurde aus dem Polizeidienst entlassen."Jetzt haben wir den gesamten Komplex abgearbeitet", sagte Scheithauer. "Den flüchtigen Haupttäter werden wir auch noch fassen."------------------------------Foto: Anlage zur Zigarettenproduktion

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