Die Suche nach einem neuen Bundestrainer ist bisher nicht sehr glücklich verlaufen für den Deutschen Basketball-Bund (DBB). Zuerst sickerte vor einer Woche durch, dass Amtsinhaber Frank Menz seinen Posten räumen muss. Gestern bestätigte der Verband endlich, dass der 50-Jährige wieder in den Nachwuchsbereich zurückwechselt. Doch da war die interessierte Öffentlichkeit inzwischen schon einen ganzen Schritt weiter mit der Information, dass es auf Emir Mutapcic als Nachfolger des glücklosen Menz herausläuft.
Gegenüber der Berliner Zeitung bestätigte Mutapcic, dass er an der Aufgabe interessiert sei. „Ich war immer bereit, das zu machen“, sagte der 53 Jahre alte Assistent von Svetislav Pesic beim Bundesligisten FC Bayern.
Ein sehr guter Kandidat
Mutapcic rechnet mit einer schnellen Entscheidung. „Vielleicht wird es in den nächsten zwei, drei Tagen Klarheit geben“, sagte der ehemalige Trainer von Alba Berlin. In den Verhandlungen mit dem DBB gehe es um seine Doppelfunktion als Assistent bei den Münchnern und als möglicher Coach der A-Nationalmannschaft. Die Statuten der Bundesliga (BBL) lassen dies grundsätzlich zu, lediglich Cheftrainern ist das untersagt. Es gehe nun darum, die Modalitäten in seinem Fall für alle Seiten verbindlich und schriftlich zu fixieren, sagte Mutapcic. Für ihn steht fest: „Ich werde meine Arbeit beim FC Bayern weitermachen.“ Bis sie eine Einigung erzielt hätten, sei er daher einer von mehreren Kandidaten.
Aber er ist ein sehr guter Kandidat. Emir Mutapcic ist mit dem Basketball hierzulande fest verwurzelt. Oder wie er es selbst formuliert: „Ich bin ein Produkt des deutschen Basketballs.“ Mit Bronze bei Olympia 1984 und WM 1986 dekoriert, kam der Guard 1991 zu Alba Berlin. 1993 wurde er Trainer beim Kooperationspartner TuS Lichterfelde. Dort entwarf er mit Pesic ein Konzept für Alba, das darauf ausgerichtet war, Talente zu entwickeln. Mutapcic tat also das, was der DBB jetzt braucht.
Fehlendes Bindeglied
Lange haben Verband, Liga und Klubs zugelassen, dass allein Dirk Nowitzki den deutschen Basketball trägt. Zuerst erkannte die BBL die existenzielle Bedrohung, die darin liegt, führte ein Quote für hiesige Spieler ein, machte Nachwuchsarbeit in den BBL-Klubs zur Pflicht. Nun muss das Programm der Liga mit dem des DBB verzahnt werden.
Mutapcic kennt beide Seiten. Er weiß um die Bemühungen der Klubs, weiß aber auch, dass noch nicht alle die deutschen Talente so fördern, wie es nötig wäre. Mutapcic kennt die Arbeit des Verbandes, er war von 2005 bis 2008 für die U20-Auswahl verantwortlich. Er kennt Fehler im System und Hindernisse, die es zu beseitigen gilt. Ein Missing Link: Emir Mutapcic könnte das fehlende Bindeglied sein.
Der Kandidat selbst fühlt sich geehrt. Dass der DBB ihn verpflichten möchte, empfindet er als „Respekt für meine Arbeit in Deutschland“. Bundestrainer zu sein, „wäre eine große Aufgabe für mich“. Es wäre eine Chance für den Coach. Mehr noch aber für Verband und Liga.
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