Was derzeit in Dessau abläuft, ist keine Provinzposse mehr. Es geht um die Weiterbeschäftigung des streitbaren Direktors der Bauhaus-Stiftung, Philipp Oswalt. Der Stiftungsrat hat im Oktober ohne vorherige Aussprache und per Unterschriftenmappe beschlossen, seinen Vertrag im Februar 2014 auslaufen zu lassen. Das Verfahren ließ Oswalt keine Chance, seine Positionen für die Zukunft zu erklären. Eine klare Misstrauenserklärung, undenkbar ohne den Willen von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD).
Inzwischen werden Unterschriftenlisten pro Oswalt durchs Internet gejagt, während das Ministerium bis gestern behauptete, der Beschluss sei einstimmig gefallen. Jetzt hat es Recherchen der Mitteldeutschen Zeitung bestätigen müssen, dass mindestens der Oberbürgermeister von Dessau für Oswalts Verbleib war. Dass die Stimmung zwischen Oswalt und Dorgerloh hingegen verbesserungsfähig ist, wurde seit Längerem gemunkelt.
Fehlendes politisches Taktgefühl
Oswalt nämlich hat mehr Geld für die sachsen-anhaltinischen Welterbestätten gefordert, also auch für sein Haus. Und ihm fehlt so ziemlich jedes politische Taktgefühl. Wenn die Bundespolitik Franco Stellas Schlossprojekt in Berlin lobte, sagte Oswalt, es sei „grotesk“. Das ist die Meinung des größten Teils der Architektenschaft – aber die sind nicht Direktor einer Institution, die auch von Bundesgeldern lebt.
Es ist auch charakteristisch, dass auf der Liste der Erstunterzeichner der Online-Petition pro Oswalt die Namen der Direktorin des Berliner Bauhaus-Archivs, Annemarie Jaeggi, und der Weimarer Klassik-Stiftung, Hellmut Seemann, fehlen. Konkurriert Oswalt doch hart mit ihnen um den Anspruch, das museale Zentrum der Bauhaus-Erinnerung zu sein.
Aber er hat das Bauhaus eben auch mit seinem Dynamismus aus der hochakademischen Ecke herausgelotst, in die es sein Vorgänger Omar Akbar befördert hatte. Wenn der Job jetzt neu ausgeschrieben und ein neuer Direktor berufen werden muss – auf einen Posten, der nun im äußerst unattraktiven Ruf steht, nur als langer Arm des Ministeriums gedacht zu sein –, dann vergeht mindestens ein Jahr.
In diesem Jahr 2014 aber sollten noch die Seile festgezurrt werden zu den 100-Jahr-Feiern des Bauhauses 2019. Weimar und Berlin, mit denen Dessau kooperieren soll, hätten dann keinen kompetenten Ansprechpartner, und Deutschland steuerte auf eine satte Bauhaus-Blamage zu.
Immerhin, der Ton ändert sich. Bisher ließ das Ministerium verlauten, Oswalt könne sich ja wieder bewerben. Ob das Ironie war, kulturpolitische Ignoranz oder schiere Bosheit, sei dahingestellt. Jetzt will Stephan Dorgerloh die Sache – neueste Wendung – noch einmal vom Stiftungsrat behandeln lassen. Stichdatum: 22. November.
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