Segelwettbewerbe

Olympia-Segeln: Warnemünde wirbt nach Berlin nun auch um München

Rostock bewirbt sich mit Berlin als Segelstandort für die Olympiade. Nun schaute Bayerns Sportminister Joachim Herrmann vorbei – auch München bewirbt sich für Olympia.

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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (4. v. r.) informiert sich bei der Hanse Sail über die Bewerbung Warnemündes als Austragungsort olympischer Segelwettbewerbe.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (4. v. r.) informiert sich bei der Hanse Sail über die Bewerbung Warnemündes als Austragungsort olympischer Segelwettbewerbe.

© Thomas Mandt

Zwei Yachthäfen, ein international bekanntes Segelrevier und kurze Wege zwischen Wasser, Unterkünften und Verkehrsanbindungen: Mit diesen Argumenten will Rostock-Warnemünde Teil möglicher Olympischer Spiele in Deutschland werden. Für die Bewerbung Berlins ist das Ostseebad bereits als Austragungsort der Segelwettbewerbe vorgesehen. Die Hauptstadt hatte sich gegen Kiel und für Warnemünde entschieden. Nun versucht die Hansestadt, auch München von ihren Qualitäten zu überzeugen.

Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann informierte sich am 9. August am Rande der 35. Hanse Sail über den Standort. Gemeinsam mit Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger, Mecklenburg-Vorpommerns Sportministerin Stefanie Drese und dem Rostocker Olympiabeauftragten Heiko Lex nahm er mehrere zentrale Bereiche der geplanten Olympia-Infrastruktur in Augenschein.

Zum Programm gehörten ein Besuch der Sportschule, der Yachthäfen auf der Warnemünder Mittelmole und Hohe Düne sowie des Cruise Centers. Neben der sportlichen Infrastruktur spielten dabei auch Verkehrs-, Unterbringungs- und Sicherheitsfragen eine Rolle.

Warnemünde hat eines der besten Segelreviere Europas

„Mecklenburg-Vorpommern verfügt mit Rostock-Warnemünde über eines der besten Segelreviere Europas“, sagte Sportministerin Stefanie Drese. Heiko Lex ergänzte: „Unser Konzept ist aus Sicht der Athletinnen und Athleten erarbeitet und verbindet Spitzensport mit kurzen Wegen, nachhaltiger Infrastruktur und einem Segelrevier, das höchsten internationalen Anforderungen gerecht wird. Rostock-Warnemünde könnte schon jetzt olympische Segelwettbewerbe auf höchstem Niveau ausrichten.“

Segelboote kreuzen bei der Warnemünder Woche auf der Ostsee. Warnemünde hat eines der besten Segelreviere Europas.

Segelboote kreuzen bei der Warnemünder Woche auf der Ostsee. Warnemünde hat eines der besten Segelreviere Europas.

© Jens Büttner

Herrmann sprach anschließend vom großen Potenzial des traditionsreichen Segelstandortes. Eine Entscheidung zugunsten Warnemündes ist damit allerdings noch nicht gefallen.

München benötigt für seine Bewerbung um Olympische und Paralympische Sommerspiele einen Partner für die Wettbewerbe auf dem Wasser. Als mögliche Standorte gelten Rostock-Warnemünde und Kiel. Der Besuch der bayerischen Delegation war daher mehr als ein protokollarischer Termin während der Hanse Sail: Die Gastgeber bekamen die Gelegenheit, ihre Argumente unmittelbar gegenüber einem der wichtigsten politischen Vertreter der Münchner Bewerbung vorzutragen.

Rostock wirbt mit vorhandener Infrastruktur

Rostock verweist vor allem darauf, dass in Warnemünde nicht erst eine vollständig neue Sportlandschaft geschaffen werden müsste. Mit der Mittelmole und Hohe Düne stehen zwei voneinander unabhängige Hafenbereiche zur Verfügung. Hinzu kommen ein über Jahrzehnte genutztes Regattarevier, Erfahrungen mit internationalen Segelveranstaltungen und eine Sportschule in unmittelbarer Nähe.

Aus Sicht der Stadt ist ein entscheidender Vorteil, dass Wettkampfflächen, Häfen, Unterkünfte und Bahnanbindung vergleichsweise nah beieinander liegen. Eine S-Bahn verbindet Warnemünde mit dem Rostocker Zentrum und dem Hauptbahnhof. Größere Besucherströme gehören in Warnemünde zumindest saisonal zum Alltag – so wie jetzt die 500.000 Gäste der Hanse Sail.

Ein besonderes Element des Rostocker Konzepts ist die Kreuzfahrt-Infrastruktur. Teile davon könnten nach den Ideen der Bewerber für Unterbringung, Logistik oder sogar für ein zeitweiliges Olympisches Dorf auf dem Wasser eingesetzt werden. Damit soll vermieden werden, dauerhaft große Neubauten zu errichten, für die nach den Spielen möglicherweise keine Nutzung mehr besteht.

Berlin hat sich bereits festgelegt

Während München noch prüft, hat Berlin seine Entscheidung bereits getroffen: Sollte die Hauptstadt im deutschen Auswahlverfahren zum Zuge kommen, sollen die olympischen Segelwettbewerbe in Rostock-Warnemünde ausgetragen werden. Damit hat das Ostseebad schon jetzt einen festen Platz in mindestens einem der konkurrierenden Bewerbungskonzepte.

Für Berlin sprechen aus Sicht der Planer mehrere Gründe für die Partnerschaft. Die Hauptstadt selbst verfügt über kein geeignetes Hochseerevier für olympisches Segeln. Warnemünde bietet dagegen direkten Zugang zur Ostsee, vergleichsweise verlässliche Windbedingungen und ausreichend große Wettkampfflächen. Gleichzeitig ist der Standort von Berlin aus per Bahn und Straße erreichbar. Die Trennung zwischen Hauptaustragungsort und Segelrevier lässt sich so mit einer bestehenden Verkehrsverbindung überwinden.

Hinzu kommt, dass Berlin und Rostock voraussichtlich auf einen großen Teil vorhandener Anlagen zurückgreifen könnten. Dies passt zum Leitgedanken moderner Olympiabewerbungen: Möglichst wenige nur vorübergehend benötigte Sportstätten neu zu errichten. Rostock verspricht sich seinerseits internationale Sichtbarkeit und längerfristige Investitionen in Sport, Hafenflächen und Verkehr.

Segelschiffe der Hanse-Sail vor Warnemünde

Segelschiffe der Hanse-Sail vor Warnemünde

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Die Berliner Festlegung verschafft Warnemünde eine besondere Position: Der Standort ist nicht allein vom Erfolg der Münchner Bewerbung abhängig. Sollte Berlin den Zuschlag des Deutschen Olympischen Sportbundes erhalten, wäre Rostock nach dem bisherigen Konzept bereits dabei. Setzt sich hingegen München durch und entscheidet sich zuvor ebenfalls für Warnemünde, könnte das Ostseebad auch über die bayerische Bewerbung Teil des Projekts werden.

Noch kein Zuschlag – und viele offene Fragen

Wie groß die Chancen tatsächlich sind, bleibt offen. Zunächst muss München entscheiden, ob es mit Kiel oder Rostock-Warnemünde in das weitere Verfahren geht. Danach konkurrieren die deutschen Bewerbungskonzepte miteinander.

München, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin bewerben sich als Ausrichter für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September über den deutschen Kandidaten für die internationale Olympia-Bewerbung.

Vor Ort sind derweil noch wichtige Fragen ungeklärt. Dazu gehören die Höhe möglicher Investitionen, Sicherheitskosten, zusätzliche Verkehrsbelastungen und der Personalbedarf für Stadt und Land. Das angekündigte Olympische Dorf auf dem Wasser muss seine technische, ökologische und wirtschaftliche Machbarkeit ebenfalls erst beweisen. Kritiker fordern zudem mehr Transparenz und eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung.

Für Rostock ist der Besuch aus Bayern dennoch ein politischer Erfolg. Die Stadt konnte zeigen, dass ihr Konzept nicht nur im Berliner Bewerbungslager Beachtung findet. Mit zwei möglichen Partnern besitzt Warnemünde im deutschen Rennen um Olympische Sommerspiele eine bemerkenswerte Ausgangslage.

Ob die Argumente auch München überzeugen, ist noch nicht entschieden. Klar ist aber: Bei der Suche nach einem deutschen Segelstandort führt derzeit kaum ein Weg an Rostock-Warnemünde vorbei.

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