BDA-Preis 2015 des Berliner Bund Deutscher Architekten

Rostrote Häuserreihe mit im Rennen

Der Berliner Bund Deutscher Architekten wird 100 Jahre alt. Er lobt Preise aus. 54 Bauwerke sind nominiert. Leserinnen und Leser der Berliner Zeitung können mitentscheiden, wer den Publikumspreis bekommt.

Nikolaus Bernau
3 Min
Architektenbüro Robertneun. Am Lokdepot südlich der Monumentenbrücke.

Architektenbüro Robertneun. Am Lokdepot südlich der Monumentenbrücke.

© Werner Huthmacher Lizenz

Von der S-Bahn aus ist der Eindruck dramatisch: Südlich der Monumentenbrücke, an der Grenze zwischen Schöneberg und Kreuzberg, knallt rostrot eine Häuserreihe hervor. Direkt an der Kante zwischen Bahngelände und dem dicht bebauten Wohnviertel, dessen einst so weite Hinterhofaussichten verbaut wurden.

Es dauerte deswegen auch Jahre, bis die beiden Berliner Architekten Nils Buschmann und Tom Friedrich, die zusammen das Architekturbüro Robertneun betreiben, den Bezirk, die Bahn und den Senat überzeugt hatten, dass man auf diesem 28.000- Quadratmeter-Grundstück Besseres und Höheres bauen kann als flache Supermarkthallen. 250 Wohnungen werden nun hier in 16 Häusern entstehen, allerdings nur sieben davon nach den Plänen von Robertneun.

Die anderen vergibt der Investor an Firmen, die weniger experimentell arbeiten. Robertneun zeigen ihre Konstruktion aus Stahlgerüst und Beton offen, die Häuser wirken mit den vorspringenden Balkonen und großen Fensterflächen geradezu industriell. Im Grundsatz gibt es dabei drei unterschiedlich ineinander verschränkte Wohnungstypen: S, M, L. Eine Buchstabenfolge, die an das legendäre Bilderbuch des Niederländers Rem Koolhaas aus den 1990ern erinnert, das in keiner Architektenbibliothek fehlt. Ein Manifest für Vielfalt und Flexibilität ist dieses Buch, so wie auch die Bauten von Robertneun es sein sollen.

Sozial allerdings ist diese Anlage eher homogen, mindestens 3 300 Euro kostet hier der Quadratmeter selbst in den einfachsten Wohnungen. Auch die Grundrisse sind sehr loftartig offen. Das kann sich in Berlin nur die gehobene Mittelschicht leisten. Auch dies ästhetisch so überzeugend karge und doch raffinierte Projekt gehört also zur Gentrifizierungsgeschichte Berlins. Allerdings eines, das mit seiner Flexibilität und Offenheit vorbildlich sein könnte auch für einen erneuerten sozialen Wohnungsbau.

Liebe Leserinnen, liebe Leser
wir laden Sie ein, Berlins interessantestes Bauwerk zu küren. Der Landesverband Berlin des Bundes Deutscher Architekten (BDA) hat den Publikumspreis für besondere baukünstlerische Leistungen ausgelobt. Die Berliner Zeitung ist Partner des Wettbewerbs. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können bis zum 24. Juni entscheiden, wer den Preis bekommt. Alle Nominierungen finden Sie auf folgender Website, auf der Sie Ihr Votum abgeben können: www.bda-preis-berlin.de.

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