Mehr als 70 Prozent der Schlaganfallpatienten erreichen die Klinik zu spät, um eine bestmögliche Behandlung zu bekommen. Darauf wies die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) gestern bei einer Pressekonferenz in Berlin hin. Bei Symptomen, die auf einen Schlaganfall hindeuten, sei es daher wichtig, umgehend den Rettungsdienst unter der Nummer 112 zu rufen, mahnten die Experten. Typisches Anzeichen eines Schlaganfalls sind plötzliche Lähmung von Arm und/oder Bein, Sprachstörungen, Sehstörungen, akuter Schwindel und starke Kopfschmerzen.Gerinnsel lässt sich auflösenEin Schlaganfall kann entweder durch eine Blutung im Gehirn ausgelöst werden oder durch ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft. Letzteres ist weitaus häufiger: In etwa 80 Prozent der Fälle ist ein Blutgerinnsel die Ursache. Je nachdem welches Blutgefäß betroffen ist, wird das Gehirn daraufhin in einigen Bereichen nicht mehr, in anderen nur noch schwach durchblutet. Die direkt betroffenen Areale lassen sich meist nicht mehr retten. Dort sterben die Gehirnzellen ab.Das diesen Kern umgebende Gebiet ist jedoch oft noch zu retten - wenn das Gefäß rechtzeitig wieder geöffnet wird. "Bis zu viereinhalb Stunden nach dem Gefäßverschluss ist es noch möglich, den Patienten per Thrombolyse zu behandeln, also das Gerinnsel medikamentös aufzulösen", sagte der DSG-Vorsitzende Jochim Röther von der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona. Je später ein Patient jedoch in die Klinik eingeliefert werde, desto mehr Gehirngewebe gehe unwiederbringlich verloren.Schlaganfälle sind in Deutschland die zweithäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. "Mehr als eine Million Menschen in Deutschland müssen mit den Folgen eines Schlaganfalls leben", sagt Röther. Lähmungen, Bewegungseinschränkungen und Sprachstörungen sind typische Folgen eines Schlaganfalls.Vorsorge kann Leben rettenImmerhin hat sich hierzulande die Versorgungssituation in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Dies sei vor allem ein Verdienst der seit 1995 nach und nach eingerichteten Stroke Units, sagte der Generalsekretär der DSG, Otto Busse. 180 solcher Spezialstationen zur Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten gebe es inzwischen in Deutschland. "Abgesehen von einigen ländlichen Regionen müssen Schlaganfallpatienten in der Regel höchstens 40 Kilometer weit zur nächsten Stroke Unit transportiert werden", sagte Busse.Mittlerweile würden immerhin 60 bis 70 Prozent der Schlaganfallpatienten in Stroke Units versorgt. "Um eine flächendeckende Versorgung zu erreichen, benötigen wir aber weitere Stroke-Unit-Betten", sagte Busse. In Flächenländern wie Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern bemühe man sich darüber hinaus um regionale telemedizinische Netze, innerhalb derer kleine Kliniken per Videokonferenz an größere Beratungskliniken angebunden werden, um die Behandlung zu verbessern.Zwischen sieben und zehn Prozent der Schlaganfallpatienten erhalten in Deutschland mittlerweile eine Thrombolyse , berichtete Peter Heuschmann vom Centrum für Schlaganfallforschung der Charité Berlin. "Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stehen wir mit dieser Zahl gut da", fügte Heuschmann hinzu.Am besten sei es natürlich, gar nicht erst zu einem Kandidaten für einen Schlaganfall zu werden. "Die wichtigsten Risikofaktoren sind Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Übergewicht, Diabetes, Bewegungsmangel und Rauchen", sagte Röther. Eine gesunde Lebensweise und eine erfolgreiche Behandlung von Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes könnte viel bewirken: 50 bis 70 Prozent der Schlaganfälle ließen sich durch Risikoprävention verhindern.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de