Innerhalb von nur vier Tagen sind in Berlin bei fünf Unfällen auf Baustellen sechs Arbeiter verunglückt, zwei von ihnen kamen dabei ums Leben. Dies berichtete Robert Rath, Sprecher des Landesamtes für Gesundheit und technische Sicherheit (Lagetsi). Er macht vor allem Bauherren und Firmen wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen verantwortlich. "Wenn Bauarbeiter verunglücken, dann fast immer schwer oder tödlich", sagte er. Viele Arbeitsunfälle am Bau seien Abstürze aus großer Höhe. "Als Bauarbeiter steht man mit den Zehenspitzen auf Sargdeckeln."Am Freitag, 4. Juli, starb nach Angaben Raths in der Deutschlandhalle ein 36 Jahre alter Gerüstkletterer. Er hatte auf einer 80 Zentimeter breiten Betonstrebe die Dichte des Dachs geprüft und war abgestürzt. Einen Tag später fiel ein Mann bei Abdeckarbeiten vom Dach eines Einfamilienhauses in Mahlow südlich von Berlin und erlitt schwere Verletzungen.Zwei Tage darauf, am vergangenen Montag, ereigneten sich drei weitere Unfälle: Ein 29-jähriger Maler zog sich nach einem Stromschlag schwere Verbrennungen und Gesichtsverletzungen zu. Er hatte an einer Trafostation in einer alten Werkhalle am Treptower Park Spachtelarbeiten durchgeführt und war von einer Leiter auf die nicht abgeschaltete Sammelschiene gefallen. In der Turbinenfabrik Siemensstadt stürzten ein Monteur und ein Kranführer vom Gerüst. Sie hatten versucht, einen verhakten Turbinenring zu lösen und sich leicht verletzt.Das für Rath deutlichste Beispiel für fehlenden Schutz ist der Unfall, zu dem es dann in einer Lehrwerkstatt des Botanischen Gartens kam: Ein 49-jähriger Bauarbeiter starb, nachdem er durch das Glasdach vier Meter in die Tiefe gestürzt war. "Weil ein Lastenaufzug fehlte, musste er eine Schubkarre über einen Gitterrostgang auf dem Dach schieben", sagte er. Beim Versuch, die Karre auf eine höhere Ebene zu hieven, geriet er auf das Glasdach, rutschte aus und stürzte ab.Jährlich verunglücken rund 40 Bauarbeiter in Berlin, die Hälfte von ihnen tödlich. Diese Zahl sei konstant, sagte der Lagetsi-Sprecher. Dass die Unfälle jetzt so gehäuft aufgetreten sind, hält er für einen "statistischen Zufall". Rath kritisierte, dass sich Bauherren, Firmen und Bauleiter häufig wechselseitig die Verantwortung zuschieben. Sie müssten bereits während der Bauplanung die Sicherheitsmaßnahmen koordinieren. Dem einzelnen Bauarbeiter fehle oft der Überblick, etwa wenn ein Schweißer mit offenem Bogen arbeite und in einem anderen Raum ein Lackierer Lösungsmittel verwende. "Der Schweißer trägt keine Schutzmaske und atmet die giftigen Gase ein." Zudem drohe eine Explosion.Vier Mitarbeiter für KontrollenUnfälle gebe es meist bei kleineren Bauvorhaben, weil bei Großbaustellen der Einsatz eines Koordinators für Gesundheit und Sicherheit gesetzlich vorgeschrieben sei. "Aber auf Baustellen mit sechs Leuten werden Gerüste oft nicht fest verankert, Holzplanken bieten keinen sicheren Tritt, es fehlen Seile", so Rath. Kontrolliert wird nur auf wenigen Baustellen. Dem Lagetsi etwa stehen dafür lediglich vier Mitarbeiter zur Verfügung.Rund 10 000 Bauarbeiter sind nach Angaben des Bauindustrieverbandes in Berlin registriert, Schwarzarbeiter nicht mitgezählt. Diese sind meist nicht unfallversichert. Der Mann, der in Mahlow vom Dach stürzte, war Heimwerker, sein Unfall gilt somit nicht als Arbeitsunfall - daher ist er nicht zwangsläufig unfallversichert.------------------------------"Bauarbeiter verunglücken fast immer schwer oder tödlich." Robert Rath, Amt für Gesundheit und technische Sicherheit
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