Bei Hertha gegen Aachen blieb der Bildschirm schwarz: Heimlich, still und leise kappt Sport1 die Übertragung per DVB-T

Abpfiff für die Antenne

Torsten Wahl
3 Min

Montag abend, viertel neun, mal gucken, wie sich die neue Hertha so schlägt. Die Montagsspiele der Zweiten Liga laufen ja immer beim Sender Sport1, der früher DSF hieß. Doch der Bildschirm bleibt schwarz, der DVB-T-Receiver meldet "Kein Videosignal", die Frau schaltet erleichtert zu Günther Jauch. Am Laptop dasselbe Bild: Alle Sender laufen mit dem DVB-T-Stick, nur Sport1 nicht.Auch kein Live-StreamDie Homepage der Medienanstalt Berlin-Brandenburg erklärt knapp: Der Rückzug von Sport1 vom DVB-T seit Oktober sei alleinige Entscheidung des Senders gewesen. Noch läuft die erste Halbzeit, mal gucken, ob Sport1, wie andere Sender, einen Live-Stream im Internet hat. Hat er zwar, aber nicht für dieses Spiel. Und gewöhnlich muss der Fußballinteressierte für das Verfolgen eines Spiels über Live-Stream auch bezahlen. Auch das Internet-Vereinsfernsehen "Hertha TV" kostet Abo-Gebühren, sendet die Spiele aber erst nach Abpfiff.Hertha-Fans im Forum empfehlen den Internet-Anbieter Zattoo. Tatsächlich: Die Übertragung Hertha gegen Aachen steht hier sogar an erster Stelle. Doch nach der Anmeldung kommt die Ansage, dass wegen technischer Störungen der Sender derzeit nicht zu erreichen sei. Ein Zattoo-Abo für monatlich zwei Euro verspricht bessere Bildqualität. Also fix bezahlen und wieder einloggen. Und tatsächlich laufen endlich Bewegtbilder von Hertha - und die Nachspielzeit. 0:0 - also nichts verpasst?Gerade für den Berliner Sportsfreund hat Sport1 mit den Berichten von Hertha und Union, von Füchse-Handballern und den Alba-Basketballern attraktive Angebote. Der TV-Empfang über DVB-T ist in Berlin-Brandenburg stärker verbreitet als im Bundesgebiet. Knapp 17 Prozent, das sind in Berlin über 300 000 Haushalte, nutzen hier die digitale Antenne.Das reichte dem Münchener Sender, der sich bei DVB-T ohnehin auf diese Region beschränkt hatte, nicht mehr. Die Verbreitung über DVB-T sei "leider wirtschaftlich nicht darstellbar", erklärt Geschäftsführer Zeljko Karajica. Die Erwartungen an die Reichweite hätten sich "nicht ganz erfüllt", dazu seien in Aussicht gestellte EU-Fördergelder nicht gewährt worden. Was der Geschäftsführer nicht erwähnt: Mit der gegenwärtigen DVB-T-Technik in Deutschland funktionieren keine Bezahl-Modelle.Künftig bei Liga totalAuch andere Verbreitungswege hat Sport1 kurzerhand gekappt. So ärgerten sich die Kunden des Internet-Fernsehens von Alice schon vor zwei Wochen über das abrupte Schwarzwerden von Sport1. Sonja Schaub, Sprecherin von Hansenet, beteuert, dass ihre Firma Sport1 gern weiter im Alice-TV-Angebot gehabt hätte, aber sich mit Constantin Medien nicht einig geworden sei.Wenige Tage zuvor hatte Sport1 noch stolz vermeldet, dass der Sender sein Programm jetzt in HD-Qualität beim Alice-Konkurrenten Telekom anbieten könne. Mit der Telekom hat die Constantin Medien schon länger in Sachen Bundesliga kooperiert. Außerdem wird der Sender über Kabel und Satellit neue Bezahlangebote starten.Der Sportsfreund fühlt sich immer weiter in die Enge getrieben, Richtung Bezahl-Fernsehen. Aber vielleicht taucht er dann öfter mal in den Berliner Stadien oder Hallen auf.------------------------------Foto: Von der Hertha war über DVB-T nichts zu sehen.

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