Bei Pedelecs ist ab 25 km/h Schluss mit der Trethilfe. Es geht auch schneller -mit Nummernschild

Das Mofa war gestern

Peter Barzel
4 Min

Die Zeit scheint reif für das elektrische Fahrrad. Die enorme Nachfrage mit zweistelligen Steigerungsraten und die anhaltende Resonanz in den Medien zeigen, dass das E-Bike nicht nur akzeptiert ist, sondern quer durch alle Altersgruppen Neugier weckt. Senioren können damit länger ihre geliebten Radtouren machen, jungen Eltern ersetzt es mit einem Kinderanhänger den Zweitwagen, Berufstätige entdecken im E-Bike eine realistische Alternative zum Auto, und so mancher Rennradler oder Mountainbiker scheut sich nicht mehr, mit einem Motor in der Hinterradnabe seinen Trainingsrückstand bei der gemeinsamen Feierabendrunde auszugleichen.Unterstützung für SportlerAber: So beeindruckend das erste Mal auf einem E-Bike auch ist, so enttäuschend ist für Sportler und trainierte Alltagsradfahrer das normale E-Bike bei der ersten längeren Fahrt. Denn damit es als Fahrrad gilt, unterstützt der Motor nur, solange man in die Pedale tritt, und schaltet bei 25 km/h ab. Nach diesem Pedelec (Pedal Electric Cycle) genannten Prinzip funktionieren inzwischen fast alle E-Bikes. Das automatische Abschalten des Motors fühlt sich da wie eine Bremse an und führt dazu, die Pedalkraft zurückzunehmen bis der Motor wieder zuschaltet, um im nächsten Moment wieder abzuschalten. Das macht schnellen Radfahrern keinen Spaß.Bei schnellen E-Bikes -bis auf wenige Ausnahmen alles Pedelecs -unterstützt der Motor auch über die 25 km/h-Grenze hinaus. Das Ende der Unterstützung ist dann erreicht, wenn die Grenze der Motorleistung erreicht ist. Die liegt in der Regel wie bei normalen Pedelecs bei 250 oder 300 Watt, maximal bei 500 Watt. Mit Muskelkraft und Motor erreicht man damit als durchschnittlich trainierter Radfahrer in der Ebene etwa 30 bis 35 km/h Dauergeschwindigkeit, also etwa das Geschwindigkeitsniveau von Hobbyrennradlern.Wer an der Leistungsgrenze des Motors fährt, muss dann auch ordentlich in die Pedale treten und kommt durchaus ins Schwitzen. Wer mehr schwitzen oder einen größeren Trainingseffekt erzielen will, wählt einen schwächeren Unterstützungsmodus oder schaltet den Zusatzantrieb ganz aus. Und wer ein schnelles E-Bike im Alltag nutzt, erweitert damit die normale Fahrraddistanz von 5 auf 10 bis 15 Kilometer und das bei einer Fahrzeit, die innerstädtisch mit dem Auto konkurrieren kann.Dass man mit dem schnellen E-Bike in geschlossenen Ortschaften nicht auf Radwegen fahren darf, sondern die Straße benutzen muss, ist nicht nur praktikabler, sondern kommt sportlichen Radfahrern auch entgegen. Und auf der Straße trägt das kleine Mofa-Nummernschild zur Akzeptanz bei, denn das Zweirad sieht sonst wie ein normales Fahrrad aus. Ein Helm, bei Rennradfahren längst etabliert, ist bei schnellen E-Bikes dringend anzuraten.Wölfe im SchafspelzZehn Hersteller haben bereits insgesamt 15 schnelle E-Bikes im Angebot, die Hälfte davon aus dem Hause Flyer. Die Mehrheit sind keine Sporträder, sondern Trekking- E-Bikes, die sich damit im sportlichen Geschwindigkeitsbereich fahren lassen -Wölfe im Schafspelz sozusagen. Zwei Modelle haben wir Test gefahren, beide mit dem Mittelmotor von Panasonic. Das Hockenheim von Victoria (ab 2990 Euro) ist ein flotter Tourer. Mit dem 300 Watt Motor waren wir bis zu 38 km/h schnell. In der Stadt hat das kompakte Flyer i:SY mit seinen 20-Zoll-Ballonreifen und dem tiefen Durchstieg begeistert (ab 3290 Euro). Mit dem 250-Watt-Motor geht es ohne großes Schwitzen bis auf 35 km/h. Fazit nach einem halben Jahr und über tausend Kilometern: Mofa und Moped waren gestern. Fahrrad und Auto blieben oft in der Garage.------------------------------Regeln für schnelle E-BikesFahrzeugklasseSchnelle E-Bikes gelten rechtlich als Kleinkraftrad mit geringer Leistung, die mit Motorunterstützung maximal 45 km/h fahren dürfen. Deshalb brauchen sie eine Typgenehmigung des Kraftfahrtbundesamtes. In Deutschland werden schnelle E-Bikes als Leichtmofa (sogenannte Leichtmofa-Ausnahme-Verordnung) zugelassen, wenn die "bauartbedingte Höchst-geschwindigkeit" mit alleinigem Motorantrieb maximal 20 km/h und die Motorleistung nicht mehr als 500 Watt betragen. Das steht dann in der Betriebserlaubnis (Fahrzeugschein). Unter diesen Randbedingungen darf der Motor zusätzlich zum Pedalantrieb auch über die Grenze von 25 km/h hinaus unterstützen.Vorschriften zum BetriebDer Fahrer muss die Betriebserlaubnis mit sich führen. Außerdem ist eine Haftpflichtversicherung (kleines Nummernschild) vorgeschrieben. Das Tragen eines Helmes ist anzuraten, aber wegen der Einordnung als Leichtmofa besteht keine Helmpflicht. Vorgeschrieben sind jedoch Standlicht vorne und hinten sowie ein Rückspiegel (Mindestgröße). Der Nutzer braucht eine Mofa-Prüfbescheinigung oder ersatzweise einen Führerschein, wenn er nach dem 1. April 1965 geboren ist.Besondere VerkehrsregelnMit schnellen E-Bikes dürfen innerorts keine Radwege benutzt werden, außer wenn sie durch das Zusatzzeichen "Mofa frei" freigegeben sind. Außerhalb geschlossener Ortschaften ist die Nutzung von Radwegen jedoch erlaubt.------------------------------Foto: Ausgleichende Gerechtigkeit: E-Bike mit nachrüstbarem BionX-Antrieb (vorne) gegen Mountainbike

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