Die Zeugnisse, die Claudia Roth nach ihrem ersten Jahr als Kulturstaatsministerin von den Kollegen im regionalen und überregionalen Feuilleton ausgestellt wurden, enthielten viel Verbesserungspotenzial, wenn wir das mal positiv formulieren wollen. Einer der jüngeren Kritikpunkte war, dass sie zu der bevorstehenden Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nichts Substanzielles beizutragen gehabt hätte, was über die Findung eines neuen international strahlkräftigen Namens für die größte deutsche Kulturinstitution hinausgehen würde. Aber wäre nicht die Findung eines solchen Namens schon eine überaus herausfordernde Aufgabe?
Nicht immer nur meckern!
Wir hier bei der Berliner Zeitung pflegen die Disziplin der konstruktiven Kritik und meckern nicht rum, bevor uns nicht selbst was Besseres eingefallen ist. Und so veranstalteten wir an den letzten vier Wochenenden innerredaktionelle Blockseminare zur Namensfindung im „Royal Quality“, einem hübschen St. Moritzer Hotel mit Privat-Skilift. Das Catering war super, aber leider können wir nur mit Zwischenergebnissen dienen. Wir verraten sie hier nur, weil wir wissen, dass auch die Leserschaft in ihrer Kritik stets wohlwollend und konstruktiv ist.
Das Unbehagen mit dem Erbe Preußens: Ein Etikettenwechsel reicht nicht
Entschuldigen Sie sich – die geheime Macht politischer Gefühle
Wir tasteten uns an den funktionalen Kern heran: „Berliner Archive und Museen“ oder das maskottchentaugliche „KuBi Berlin“ (Kultur und Bibliotheken) waren Versuche der ortstypischen Schlichtheit. Etwas großfressiger: Stiftung „Glanz und Wissen“. Nach ein paar Gläsern Zirbenschnaps erschienen uns Wortspiele wie „STIFTung schERBEN“, „Überlieferdienst“ oder „Was des Königs war“ äußerst zutreffend in ihrer Metaphorik. Geschichtspolitisch unanfechtbar wären Varianten mit durchgestrichenem Preußen, das bei mitreflektierter Kritik erkennbar bleibt. Aber wir haben die Tastenkombination für den Durchstreich-Modus vergessen.
Etwas mehr in Richtung Berlin zielten diese, später am Abend erarbeiteten Vorschläge: „Stiftung Eintopp“ oder: „Bei Raffkes unterm Sofa“. Oder wir nehmen die Idee der FDP auf und verkaufen den Namen an ein privates Unternehmen ... Wir haben die Hotelrechnung in St. Moritz damit beglichen: „Stiftung Royal Quality“.
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