Nach den US-Angriffen auf iranische Atomanlagen wird weiter spekuliert, ob und wie der Iran auf das Eingreifen der USA in den Nahostkonflikt reagieren wird.
Teheran hat in diesem Zusammenhang laut einem Reuters-Bericht am Montag mitgeteilt, dass der US-Angriff auf seine Atomanlagen das Spektrum der legitimen Ziele für seine Streitkräfte erweitert habe. Ebrahim Zolfaqari, Sprecher des zentralen iranischen Militärhauptquartiers Khatam al-Anbiya, nannte US-Präsident Donald Trump einen „Spieler“. Die USA müssten nun mit schweren Konsequenzen für ihr Vorgehen rechnen. „Herr Trump, der Glücksspieler, Sie mögen diesen Krieg beginnen, aber wir werden diejenigen sein, die ihn beenden“, sagte Zolfaqari auf Englisch am Ende der Ansprache.
Iran drohte wohl, „schlafende Terrorzellen“ in USA zu wecken
Der Iran hatte Trump bereits in den Tagen vor den Angriffen in der vergangenen Nacht offenbar eine Mitteilung geschickt, in der Teheran damit drohte, im Falle einer amerikanischen Intervention „schlafende Terrorzellen“ in den Vereinigten Staaten zu wecken. Das berichtet der US-Sender NBC unter Berufung auf US-Beamte und eine weitere Quelle.
Die Nachricht habe Trump über einen Vermittler auf dem G7-Gipfel in Kanada in der vergangenen Woche erreicht. Trump hatte das Treffen vorzeitig verlassen, um inmitten des Konflikts zwischen Israel und dem Iran seine Optionen abzuwägen, so die Quellen, zu denen zwei US-Beamte und eine Person mit Kenntnis der Drohung gehören. Das Weiße Haus reagierte nicht auf mehrere Bitten um einen Kommentar von NBC, und die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen lehnte eine Stellungnahme ab.
US-Ministerien warnen Bürger im In- und Ausland
Derweil rief das US-Außenministerium amerikanische Staatsbürger weltweit zu besonderer Vorsicht auf. Es bestehe sowohl im Inland als auch im Ausland ein erhöhtes Risiko, heißt es in einer Mitteilung auf der Website der Behörde. Demnach kann es zu Protesten gegen US-Bürger und -Interessen kommen. Reisende wurden aufgefordert, sich vor Auslandsaufenthalten über aktuelle Reisehinweise und mögliche Sicherheitswarnungen zu informieren.
Zuvor hatte bereits das US-Heimatschutzministerium vor einer angespannten Bedrohungslage im eigenen Land gewarnt. Der Konflikt mit dem Iran erhöhe die Gefahr von Cyberangriffen proiranischer Akteure sowie von gewaltsamen Übergriffen extremistischer Einzeltäter.
Zu möglichen Gegenschlägen des Irans könnten neben Terroranschlägen oder Cyberangriffen auch weitere Luftangriffe auf Israel, Attacken auf US-Truppen im Nahen Osten oder die Schließung der Schifffahrtsstraße von Hormus gehören. US-Außenminister Rubio warnte Teheran davor, die für Öltransporte aus dem Persischen Golf wichtige Seeroute zu blockieren.
Trump hatte am Sonntag in den sozialen Medien gedroht, dass jegliche iranische Vergeltung gegen die Vereinigten Staaten „mit weitaus größerer Gewalt beantwortet werde, als das, was heute Nacht geschehen ist“. Seine Regierung sowie die Strafverfolgungsbehörden in den wichtigsten Städten seien in höchster Alarmbereitschaft für mögliche Vergeltungsmaßnahmen innerhalb der Vereinigten Staaten.
Trump schließt Regimewechsel im Iran nicht aus – Warnung an US-Amerikaner weltweit
New York Times über US-Angriff gegen den Iran: „Ein hochriskantes Spiel“
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de