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Nordatlantikpakt

Finnland ist das 31. Nato-Mitglied: „Zeigen der Welt, dass Putin gescheitert ist“

Nach monatelangem Warten ist Finnland dem Atlantikbündnis beigetreten. Nato-Generalsekretär Stoltenberg spricht von einem „historischen Tag“.

Team News dpa/jla/lex
4 Min
Die Flagge von Finnland wird im Rahmen der NATO-Beitrittszeremonie fuer Finnland vor dem NATO-Hauptquartier gehisst.

Die Flagge von Finnland wird im Rahmen der NATO-Beitrittszeremonie fuer Finnland vor dem NATO-Hauptquartier gehisst.

© Thomas Trutschel/IMAGO/photothek

Historischer Schritt in Kriegszeiten: Nach jahrzehntelanger Bündnisfreiheit ist Finnland seit Dienstag 31. Mitglied der Nato - genau zum Tag der Gründung des Nordatlantikpakts vor 74 Jahren. Der finnische Außenminister Pekka Haavisto übergab am Dienstag im Nato-Hauptquartier in Brüssel die Beitrittsurkunde seines Landes an US-Außenminister Antony Blinken, der sie am Gründungsort des Verteidigungsbündnisses in Washington verwahren wird.

Mit diesem Schritt wurde der Aufnahmeprozess endgültig abgeschlossen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Blinken sprachen von einem „historischen Tag“ für die Nato und für Finnland.

Nato-Chef Stoltenberg sagte, der Beitritt Finnlands zum Militärbündnis zeigt, dass es dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht gelang, die Aufnahme neuer Mitglieder zu verhindern. „Präsident Putin wollte die Tür der Nato zuschlagen. Heute zeigen wir der Welt, dass er gescheitert ist und dass Aggression und Einschüchterung nicht funktionieren“, sagte Stoltenberg.

Noch vor wenigen Jahren habe es das Verteidigungsbündnis für undenkbar gehalten, dass Finnland eines seiner Mitglieder werden könnte, sagte Stoltenberg vor der Zeremonie, an der auch die Nato-Außenminister teilnahmen.

Finnland ist „nun in Sicherheit “

Nach den Worten des Nato-Generalsekretärs ist Finnland „nun in Sicherheit“. „Zusammen repräsentieren die Nato-Verbündeten 50 Prozent der globalen Militärmacht“, sagte Stoltenberg am Dienstag vor der Aufnahmezeremonie im Nato-Hauptquartier in Brüssel. „Solange wir geeint sind, uns gegenseitig schützen und dies auf glaubwürdige Weise tun, wird es keinen Militärangriff auf einen Nato-Verbündeten geben.“ Moskau müsse sich künftig vor der „Fehleinschätzung“ hüten, dass die Nato nicht zum Schutz Finnlands entschlossen sei.

Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin erklärte mit Stolz und Dankbarkeit. „Finnland tritt als Nato-Mitglied in eine neue Ära ein. Ich bin stolz auf Finnland und die finnische Bevölkerung. Als Nation sind wir im Verlauf dieses historischen Prozesses vereint gewesen.“ Sie dankte den Nato-Verbündeten für ihr Vertrauen. „Zusammen werden wir noch stärker sein“, erklärte sie.

Die 37 Jahre alte Marin ist seit Ende 2019 Ministerpräsidentin von Finnland. Bei der finnischen Parlamentswahl am Sonntag wurden ihre Sozialdemokraten jedoch nur noch drittstärkste Kraft, weshalb sich in dem nordischen EU-Land ein Regierungswechsel anbahnt. Auswirkungen auf die Nato wird dies nicht haben.

Im Anschluss an die Übergabe der Urkunde wurde die finnische Flagge erstmals vor dem Nato-Hauptquartier gehisst - alphabetgetreu zwischen denjenigen von Estland und Frankreich. An der Zeremonie nahmen neben dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock und ihre 29 Kollegen der anderen aktuellen Mitgliedstaaten teil. Direkt nach der Feier soll das erste Nato-Außenministertreffen beginnen, an dem Finnland als offizielles Mitglied teilnimmt.

Nato-Außengrenze zu Russland wächst damit auf mehr als das Doppelte an

Stoltenberg machte deutlich, dass er die Nato-Norderweiterung als Zeichen für ein Scheitern der Politik von Russlands Präsident Wladimir Putin sieht. Ein erklärtes Ziel der Invasion in die Ukraine sei es gewesen, weniger Nato an der russischen Grenze zu haben und neue Mitgliedschaften zu verhindern, sagte der Norweger. Nun bekomme Putin genau das Gegenteil - mehr Nato-Truppen im östlichen Teil des Bündnisses und mehr Nato-Mitglieder.

Finnlands Nato-Beitritt ist eine der bislang wohl weitreichendsten geopolitischen Folgen des russischen Einmarsches in die Ukraine. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.

Nato-Beitritt Finnlands: Moskau kündigt „Gegenmaßnahmen“ an

Russland hatte sich Angesichts der Beitrittswünsche Finnlands in den letzten Monaten weitgehend zurückgehalten. Vor der Zeremonie am Dienstag hieß es schließlich aus dem Kreml, die Aufnahme des Nachbarlandes in die Nato sei ein „Angriff auf unsere Sicherheit“. Man wolle „Gegenmaßnahmen“ ergreifen. Was genau die Führung unter Präsident Wladimir Putin damit meinte, blieb zunächst unklar.

Im Gegensatz zu vielen ihrer europäischen Nachbarn haben Finnland und Schweden jahrzehntelang auf einen Nato-Beitritt verzichtet. Erst nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine im Februar 2022 entschied man sich gemeinsam für einen Kurswechsel. „Für Finnland wird das wichtigste Ziel sein, die Unterstützung der Nato für die Ukraine zu betonen, derweil Russland seine illegalen Aggressionen fortsetzt“, erklärte Haavisto in einer Vorabmeldung am Montag. Man wolle „die Stabilität und Sicherheit in der gesamten euro-atlantischen Region fördern“.

Nachdem die Türkei das Beitrittsprozedere zuletzt monatelang blockiert hatte, stimmte Präsident Recep Tayyip Erdogan im März schließlich doch einem Beitritt Finnlands zu. Die Blockade gegenüber Schweden besteht weiterhin. Finnland teilt sich eine insgesamt 1340 Kilometer lange Grenze mit Russland. (mit AFP)

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