Spirituosen

Berentzen wird amerikanisch: US-Konzern Sazerac übernimmt Apfelkorn-Hersteller für 53 Millionen Euro

Der US-Konzern Sazerac will den niedersächsischen Spirituosenhersteller Berentzen übernehmen. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen das Angebot von 5,55 Euro je Aktie.

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Korn wird in einem Verkaufsladen am Hauptsitz des Spirituosen-Herstellers Berentzen in Gläser gefüllt.

Korn wird in einem Verkaufsladen am Hauptsitz des Spirituosen-Herstellers Berentzen in Gläser gefüllt.

© Friso Gentsch/dpa

Der Schnaps- und Getränkehersteller Berentzen aus dem emsländischen Haselünne soll vom US-amerikanischen Spirituosenkonzern Sazerac übernommen werden. Beide Unternehmen hätten eine Vereinbarung über einen Zusammenschluss unterzeichnet, teilte die Berentzen-Gruppe am Montag mit. Sazerac wolle ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in bar zu einem Preis von 5,55 Euro je Aktie für alle Aktien abgeben. Nach Angaben von tagesschau.de entspricht dies einem Gesamtvolumen von 53,3 Millionen Euro. Der Abschluss der Transaktion werde für das vierte Quartal 2026 erwartet.

Das Angebot steht laut Mitteilung des Unternehmens unter der Bedingung einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie. Der gebotene Preis liege 68 Prozent über dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate vor dem 16. September 2026. Die Aktie sprang laut tagesschau.de zu Handelsbeginn in Frankfurt um 22 Prozent auf 5,56 Euro. Zuvor war Berentzen an der Börse rund 35 Millionen Euro wert; die Papiere befinden sich fast vollständig im Streubesitz.

Vorstand spricht sich für Angebot aus

Die Berentzen-Vorstände Oliver Schwegmann und Ralf Brühöfner erklärten, sie sähen gemeinsam mit dem Aufsichtsrat eine hervorragende Chance für das Unternehmen, die Beschäftigten sowie die Aktionäre. Sazerac könne als global aufgestellter, kapitalstarker Partner insbesondere bei Innovationskraft, Vertriebsstärke und Internationalisierung einen Unterschied machen. Den Aktionären werde die Annahme des Angebots empfohlen.

Berentzen ist unter anderem für Berentzen Apfelkorn und Puschkin Vodka bekannt, produziert aber auch Marken wie Doornkaat und Bommerlunder sowie alkoholfreie Getränke wie Mio Mio. Zuletzt litt das Unternehmen unter einer schwachen Nachfrage nach hochprozentigen Getränken. Der Halbjahresumsatz schrumpfte um gut elf Prozent auf 71 Millionen Euro, der Betriebsgewinn sackte um mehr als 80 Prozent auf rund 600.000 Euro ab. Für Berentzen arbeiten rund 430 Beschäftigte.

Sazerac will Standorte weiterentwickeln

Sazerac-Chef Jake Wenz erklärte, man schätze die lange und traditionsreiche Geschichte der Berentzen-Gruppe auf dem deutschen Markt sehr. Der Konzern beabsichtige, die bestehenden Standorte nicht nur weiterzubetreiben, sondern durch erhöhte Investitionen weiterzuentwickeln. Künftig sollten auch Sazerac-Marken vom deutschen Team produziert und vertrieben werden. Nach erfolgreichem Vollzug strebt Sazerac laut Mitteilung ein Delisting der Berentzen-Gruppe an; der Vorstand wolle dies unterstützen.

Der 1850 in New Orleans gegründete Familienkonzern mit Sitz in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky vertreibt nach Angaben von tagesschau.de Marken wie Southern Comfort und Buffalo Trace und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar. Zuletzt übernahm Sazerac nach Bloomberg-Informationen den britischen Hersteller Au Vodka für rund 300 Millionen Pfund. Ein Übernahmeversuch beim Jack-Daniel's-Hersteller Brown-Forman scheiterte laut Wall Street Journal zunächst.

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