Schiffe, die seit Monaten im Persischen Golf festsitzen, haben mit massiven Ansammlungen von Seepocken, Algen und Quallen zu kämpfen, wie die britische Wirtschaftszeitung Financial Times berichtet. Mit steigenden Wassertemperaturen verschärft sich das Problem dem Bericht zufolge zunehmend und kann sogar die Fähigkeit der Schiffe beeinträchtigen, die Region später zu verlassen.
Der Schiffverkehr durch die Straße von Hormus, eine zentrale Handelsroute, ist seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar stark eingeschränkt. Laut Financial Times sitzen noch immer mindestens 800 Handelsschiffe im Persischen Golf fest. Rund 20.000 Seeleute befinden sich demnach an Bord, die unter anderem routinemäßige Wartungsarbeiten durchführen.
Warmes Wasser begünstigt Bewuchs
Die warmen Gewässer und der flache, sandige Untergrund des Golfs setzen den ankernden oder treibenden Schiffen zu. Sand und Meereslebewesen verstopften die Gitter, die das interne Rohrsystem der Schiffe schützen, heißt es in dem Bericht. Zudem gebe es Schwierigkeiten, an Ersatzteile zu gelangen.
Lasse Kristoffersen, Vorstandschef des Autotransporteurs Wallenius Wilhelmsen, sagte der Zeitung: „Wenn man sich nicht bewegt, wenn die Schiffe langsam treiben und es sich hier um warme Gewässer handelt, dann kommt es zu starker Bewuchsbildung.“ Bei einem eigenen festsitzenden Schiff sei dies vermutlich derzeit der Fall.
Hapag-Lloyd: Propeller komplett bewachsen
Rolf Habben Jansen, Vorstandschef der in Hamburg ansässigen Reederei Hapag-Lloyd, berichtete laut Financial Times im firmeneigenen Podcast, ein aus der Region herausmanövriertes Schiff habe wegen des Bewuchses deutlich langsamer fahren müssen. Bei Wassertemperaturen von rund 30 Grad über sechs bis acht Wochen habe sich „eine Menge Zeug“ am Schiff abgesetzt, „das man wirklich nicht am Schiff haben will“. Der Bewuchs erhöhe zudem den Treibstoffverbrauch durch den Wasserwiderstand am Rumpf.
Nach Angaben des Unternehmens war der Propeller des Schiffes komplett, die vertikalen Seitenwände größtenteils und der Rumpfboden zu rund 40 Prozent von Bewuchs bedeckt. Bei vier weiteren Hapag-Lloyd-Schiffen, die noch im Golf liegen, sei „ein beträchtlicher Reinigungsaufwand“ zu erwarten.
Belastung für Besatzungen wächst
Mit dem Beginn Sommers am Golf und den Sandstürmen durch die scharfen Schamal-Nordwestwinde nehmen die Sorgen um Schiffe und Besatzungen zu. Der britische Schifffahrtsverband UK Chamber of Shipping erklärte laut Financial Times, die Kombination aus schwierigen Wetterbedingungen, Schiffswartung und unsicherer Lage setze Schiffe, Systeme und Seeleute unter „beispiellosen Druck“.
Schifffahrtsberater und Führungskräfte gaben dem Bericht zufolge an, dass Schiffe die Straße von Hormus nur passieren können, wenn Regierungen bilaterale Vereinbarungen mit dem Iran schließen oder eine Gebühr an die Islamische Revolutionsgarde entrichtet haben.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters, die nach eigenen Angaben rund 20 Personen aus Schifffahrt, Regierungen und Sicherheitskreisen befragte, kontrolliert der Iran die strategisch wichtige Meerenge inzwischen faktisch mit einem mehrstufigen System aus Militärkontrollen, diplomatischen Sonderabkommen und teilweise hohen Gebühren.
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