Die USA diskutieren nach Informationen der Financial Times über die Stationierung von nuklearen Waffen in weiteren europäischen Nato-Mitgliedstaaten. Wie die Zeitung unter Berufung auf drei mit den Beratungen vertraute Personen berichtete, hätten US-Vertreter Offenheit für zusätzliche Stationierungen über die bisherigen sechs Länder hinaus erkennen lassen, die atomwaffenfähige Bomber beherbergen.
Potenziell könnten mehr Länder die Möglichkeit erhalten, sogenannte „dual-capable aircraft“ zu stationieren – Flugzeuge, die auch Nuklearangriffe durchführen können, so die Financial Times. Bislang nehmen Belgien, Deutschland, Italien, die Niederlande, die Türkei und Großbritannien an der nuklearen Teilhabe der Nato teil.
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Polen und baltische Länder zeigen offenbar Interesse
US-Atomwaffen, die in europäischen Nato-Staaten stationiert sind, verbleiben unter ausschließlicher Kontrolle amerikanischer Streitkräfte und werden von US-Soldaten gesichert. Verbündete Staaten stellen laut Financial Times Kampfflugzeuge wie F-35-, F-15- und Tornado-Kampfjets und Besatzungen bereit, die im Rahmen gemeinsamer Übungen den Einsatz solcher Waffensysteme trainieren. Ein tatsächlicher Einsatz ist jedoch nur auf ausdrückliche Anweisung der USA möglich.
Zwei Quellen erklärten dem Bericht zufolge, die Offenheit für Gespräche solle das Engagement der USA für die Gewährleistung eines nuklearen Schutzschildes demonstrieren, auch wenn Europa dazu gedrängt werde, mehr Verantwortung für die eigene konventionelle Verteidigung zu übernehmen.
Interesse an einer Aufnahme in das Programm hätten insbesondere Staaten an der Ostflanke der Nato wie Polen und einige baltische Länder bekundet, hieß es weiter. Der frühere polnische Präsident Andrzej Duda hatte sich laut Financial Times öffentlich für eine Ausweitung auf polnisches Staatsgebiet ausgesprochen. Eine Einigung sei nach Angaben einer der Quellen jedoch nicht unmittelbar zu erwarten.
USA wollen Truppenpräsenz in Deutschland reduzieren
US-Präsident Donald Trump hatte laut AP Anfang Mai angekündigt, die Truppenpräsenz in Deutschland zu verringern. Das Pentagon kündigte zunächst den Abzug von 5000 Soldaten innerhalb von sechs bis zwölf Monaten an.
Zudem will die Trump-Regierung den Bündnispartnern nach Informationen von Reuters mitteilen, dass sie den Umfang der für eine Krisenlage zugesagten US-Streitkräfte verringern werde. Drei mit dem Vorgang vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur vor rund zwei Wochen, das Pentagon plane, seine Zusagen im Rahmen des Nato-Streitkräftemodells deutlich zurückzufahren.
Der Leiter der Abteilung für politische Angelegenheiten im Pentagon, Elbridge Colby, hatte dem Bericht zufolge zuvor öffentlich erklärt, die USA würden ihre Atomwaffen weiterhin zum Schutz der Nato-Mitglieder einsetzen, während Europa bei den konventionellen Streitkräften die Führung übernehmen solle.
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