Biesdorf

Ehemalige Siemens-Villa ist ein Schloss für Entdecker

Nach drei Jahren Bauzeit wird das Haus Freitag mit einer Ausstellung eröffnet.

Frank Herold
3 Min
Im Stil einer italienischen Turmvilla ließ sich Familie Siemens ihr Wohnhaus in Biesdorf errichten.

Im Stil einer italienischen Turmvilla ließ sich Familie Siemens ihr Wohnhaus in Biesdorf errichten.

© Berliner Zeitung/Markus Wächter

Schloss oder Villa. Nach solchen Haarspaltereien steht Katja Aßman nicht der Sinn. Die Direktorin des Schlosses ist im Stress, denn am Freitag wird „ihr“ Haus nach dreijähriger Bauzeit wiedereröffnet als „Zentrum für Kunst im öffentlichen Raum“. Der Regierende, Michael Müller (SPD), hat sich angesagt mit weiterer Politprominenz im Gefolge. Jetzt muss letzte Hand angelegt werden. In den Ausstellungssälen wuseln Künstler und Kuratoren, im Keller ist der Raum für die Museumspädagogik noch nicht ganz fertig, Blumen werden noch rasch gepflanzt, die Wege geharkt und auf die Paradeauffahrt muss Kies aufgebracht werden.

Vorschau auf die IGA

Eröffnet wird mit der Ausstellung „Auftrag Landschaft“. Die ist eine Art Vorschau auf die Internationale Gartenausstellung (IGA), die im kommenden Frühjahr in den Gärten der Welt beginnt. Schloss Biesdorf und die Gärten liegen nicht nur in einem Bezirk, Marzahn-Hellersdorf, sondern gehören auch beide zum landeseigenen Unternehmen Grün Berlin. Neun Künstler, die sich auf der IGA präsentieren werden, zeigen jetzt in Schloss Biesdorf, wie sie sich mit dem Thema Landschaft bisher in ihrem Werk auseinandergesetzt haben. Hinzu kommen Arbeiten von 20 Künstlern aus der DDR, die seit einem Vierteljahrhundert im Beeskower Kunstarchiv aufbewahrt werden und seither praktisch nicht zu sehen waren.

Katja Aßmann und Künstlerin Laleh Torabi in dem Saal, der die Geschichte des Hauses erzählt.

Katja Aßmann und Künstlerin Laleh Torabi in dem Saal, der die Geschichte des Hauses erzählt.

© BLZ/Markus Wächter

„Da haben wir tolle Entdeckungen gemacht“, schwärmt Katja Aßmann. Sie nennt eine Serie mit Schwarz-Weiß-Fotografien von Kurt Buchwald. Der hatte 1988 von der Jugendorganisation FDJ den Auftrag erhalten, die Großbaustelle in der Friedrichstraße künstlerisch zu erkunden. Seine Bilder überraschen, denn sie zeigen nicht das Werden einer sozialistischen Prachtstraße. Zu sehen sind Details von Orten, die für die künstlerische Abbildung gar nicht „vorgesehen“ waren: Ausschnitte von Kellerräumen, Baumaterial, einzelne Werkzeuge, enge Durchblicke. In der DDR seien die Arbeiten einmal öffentlich gezeigt worden, erzählt Katja Aßmann, dann verschwanden sie. Auch zur großen Überraschung des Künstlers selbst tauchten sie jetzt Beeskow wieder auf.

Die Direktorin wird auch bei künftigen Ausstellungen mit dem Beeskower Archiv zusammenarbeiten, denn Schloss Biesdorf baut keine eigene Sammlung auf. Viel Zeit für die Vorbereitung der ersten Schau war nicht, vor drei Monaten erst hatte Katja Aßmann ihr Konzept, die Verbindung von DDR-Kunst mit zeitgenössischen Künstlern, vorgestellt. „In den letzten Wochen haben wir intensiv mit den Landschaftsarchitekten und den Denkmalschützern gearbeitet“, sagt sie. Die Zusammenarbeit sei nicht nur verständnisvoll, sondern großartig gewesen.

„Wolken“ nennt Michael Sailstorfer seine Installation, die  im Treppenhaus zu sehen ist.

„Wolken“ nennt Michael Sailstorfer seine Installation, die  im Treppenhaus zu sehen ist.

© BLZ/Markus Wächter

Aus der Kombination von historischer Architektur und zeitgenössischer Kunst entstehen fast zwangsläufig Spannungen. Das liebevoll wiederhergestellte Haus hält sie großartig aus, wie sich auch im Treppenhaus zeigt. In den architektonischen Höhepunkt des Gebäudes, ein lichtvolles Oktagon mit cremefarbenen Wänden, hat Michael Sailstorfer schwarze aufgepumpte Lkw-Schläuche gehängt und nennt sie „Wolken“. Die Arbeit mag manchen vielleicht verstören, aber sie zeigt anschaulich, wie frei in dieser Ausstellung der Begriff „Landschaft“ interpretiert wird. Von Freitagnachmittag an können sich die Berliner selbst ein Bild davon machen.

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