Die Woche auf dem Boulevard

Anja Rützels Kolumne: Lanz und Precht – Plattitüden und Unwahrheiten

Lanz und Precht fliegt ihr Podcast um die Ohren, Britney Spears hat ihre Autobiografie geschrieben, und Cher droht mit Auswanderung: Das war die Woche auf dem Boulevard.

Christian Seidl Anja Rützel
4 Min
Podcast-Buddys: Richard David Precht und Markus Lanz

Podcast-Buddys: Richard David Precht und Markus Lanz

© Christian Charisius/dpa

Frau Rützel, wer hat Sie diese Woche wütend gemacht?

Die Podcast-Buddys Markus Lanz und Richard David Precht. Die beiden erfuhren nämlich völlig zu Recht einiges an Gegenwind, nachdem der Philosophen-Darsteller Precht in ihrem gemeinsamen ZDF-Podcast einige Unwahrheiten über Juden behauptet hatte. Er sagte zum Beispiel, ihre Religion verbiete streng orthodoxen Juden zu arbeiten – nur „ein paar Sachen wie Diamanthandel und ein paar Finanzgeschäfte“ seien davon ausgenommen.

Lanz hatte dazu Bestätigungsgebrumm wie „genau“ und „richtig“ beigetragen, doch Prechts als Tatsache formuliertes Geraune bedient natürlich ganz klassisch die antisemitische Lüge von den reichen Juden, die beim Finanzmarkt die Strippen ziehen. War natürlich nicht so gemeint, schob Lanz ein paar Tage später hinterher. Was bei mir die offene Frage hinterlässt, was es bei einer als Fakt formulierten Behauptung herumzumeinen gibt. Zumal die Podcastfolge noch weitere Unwahrheiten enthielt, wie ein Politik- und Religionswissenschaftler nachwies. Und auch solch lapidar dauergeschnurrte Ressentiments können gefährlich sein.

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