Ratgeber

Bremsen, Licht, Reifendruck: So kriegen Sie Ihr Fahrrad frühlingsfit

Die Fahrradsaison beginnt, und es wird Zeit, das Rad einem kritischen Check zu unterziehen. Eine Expertin sagt, woran Sie erkennen, ob es noch fahrtüchtig ist.

6 Min
Selbst wenn man kein Profi ist, kann man sein Rad zu Hause auf Fahrtauglichkeit überprüfen.

Selbst wenn man kein Profi ist, kann man sein Rad zu Hause auf Fahrtauglichkeit überprüfen.

© imago images

Endlich wird es wieder wärmer, die Tage werden länger, der Frühling ist in vollem Gange. Da kriegt man richtig Lust, das Fahrrad aus dem Winterschlaf zu holen und eine Runde zu drehen. Allerdings steht vor dem Radelspaß die wichtige Frage: Ist mein Fahrrad überhaupt noch straßentauglich?

Viele Dinge rund ums Fahrrad kann man selbst regeln. Welche das sind und worauf Sie achten müssen, verrät Bike-Profi Annette Feldmann von pressedienst-fahrrad.de, einem Portal für alles Wissenswerte rund ums Rad. Die Expertin fährt selbst jeden Tag Fahrrad, hat acht verschiedene Räder zu Hause und kennt sich aus mit den alltäglichen Zipperlein, die ein Fahrrad so haben kann.

Schritt eins: Putzen Sie Ihr Fahrrad

Zugegeben, das Rad zu putzen ist im Zweifel nicht die allerschönste Beschäftigung, zumal, wenn man eigentlich aufsteigen und losfahren möchte. „Es ist aber eine Notwendigkeit. Ohne regelmäßige Pflege werden Sie an Ihrem Rad nicht lange Freude haben“, sagt Annette Feldmann.

Indem Sie Ihr Rad vom Schmutz befreien, schaffen Sie nicht nur die Grundlage dafür, dass buchstäblich alles wie geschmiert laufen kann – Stichwort: Sand im Getriebe –, sondern „Sie sehen auch, ob irgendetwas kaputt ist oder Sie beispielsweise irgendwo eine Delle haben“, so die Fachfrau.

Wenn grober Schmutz am Rad haftet, sollten Sie es einmal mit einem kräftigen Wasserstrahl abspritzen. Falls Sie kein entsprechendes Gerät zu Hause haben, können Sie den Gartenschlauch nehmen oder Ihr Rad auch an einer Autowaschanlage kurz abspritzen. Und dann: Nehmen Sie sich einen Eimer mit Spüli-Wasser, einen Lappen sowie einige Trockentücher. Arbeiten Sie sich von oben nach unten vor. Wischen Sie alles einmal feucht und dann trocken ab.

Achten Sie insbesondere auf die Speichen: Sind alle gerade? Keine verbogen oder gebrochen? Werfen Sie auch einen Blick auf die Schrauben und ziehen Sie sie notfalls nach. Ebenso sollten Sie schauen, ob der Verschluss vom Reifenventil noch da ist. Falls nicht: Bitte schnell für Ersatz sorgen.

Schritt zwei: Reifen überprüfen

Was viele Menschen nicht wissen: „Einmal im Monat sollte man den Reifendruck überprüfen“, sagt Annette Feldmann. „Aber natürlich gehört das auch zu einem Pflicht-Check, wenn man das Rad länger nicht in Benutzung hatte.“ Welcher Reifendruck nötig ist beziehungsweise in welchem Bereich er sich befinden sollte, steht auf dem Mantel.

Sie können den Reifendruck an Tankstellen messen, aber es gibt auch spezielle Geräte zu kaufen, die sowohl den Reifendruck messen, aber mit denen man auch die Reifen aufpusten kann. Als Faustregel gilt: Wenn Sie viel und gerne schnell fahren, sollte der Reifendruck möglichst hoch sein. Ist das nicht der Fall oder wenn Sie häufig über Kopfsteinpflaster müssen, sollten Sie sich an der unteren Reifendruckzahl orientieren. „Das ist dann komfortabler“, weiß die Expertin aus eigener Erfahrung.

Überprüfen Sie auch das Profil der Reifen. Es sollte nicht abgefahren sein. Wenn Sie nämlich nicht genug Grip haben, sind Stürze und Unfälle umso wahrscheinlicher. Ein weiterer Hinweis, dass der Mantel ausgetauscht werden sollte, ist, wenn man die Schrift an der Seite nicht mehr lesen kann.

Schritt drei: Ist die Kette okay?

Schon beim Putzen werden Sie merken, ob die Kette fest oder locker sitzt. Letzteres sollte nicht der Fall sein. „Sie sollte relativ stramm sitzen. Das lässt sich beispielsweise mit einer Kettenlehre überprüfen oder wenn man sich unsicher ist, einfach beim Fachhändler nachfragen“, so Feldmann. „Sobald Sie sie gut gereinigt haben, sollten Sie die Kette ölen. Ich selbst nehme gerne Wachs, weil das nicht so viel Schmutz bindet.“

Eine Kettenlehre ist ein schlichtes Metallgerät, das man an die Kette halten kann, um die Spannung beziehungsweiße Länge und Verschleiß zu überprüfen. Es kostet nur wenige Euro. Sie können es im Fachhandel vor Ort kaufen, aber natürlich auch im Internet bestellen.

Fahrradketten sollten – je nachdem, wie häufig und intensiv Sie Ihr Fahrrad nutzen – etwa einmal pro Monat geölt oder gewachst werden. Abnehmen müssen Sie die Kette hierfür nicht. Drehen Sie einfach an den Pedalen, um Öl oder Wachs zu verteilen. Durch solch regelmäßige Pflege verschleißt die Kette nicht so schnell und läuft besser.

Sollten Sie keine Kette haben, sondern ein Fahrrad mit Riemenantrieb, reichen zum Putzen klares Wasser, nach Bedarf mit Spülmittel, und ein Tuch. Wischen Sie den Riemen sauber. Weiter müssen Sie nichts machen.

Schritt vier: Die Bremsen testen

Fast geschafft! Bevor Sie sich nun das erste Mal wieder auf Ihr Rad setzen, gucken Sie sich ganz genau die Bremsen an: Sind alle Verbindungen intakt, die Züge heil? Danach gucken Sie sich die Bremsbeläge an. „Die Seitenbremsen sind am Reifen. Die Beläge, also das schwarze Gummi, müssen dick sein. Ist das nicht der Fall, müssen die Beläge ersetzt werden“, sagt Fahrrad-Fachfrau Annette Feldmann.

Dann machen Sie eine kurze Probefahrt, am besten an einer wenig befahrenen Stelle, und testen, ob die Bremsen gut reagieren. Oder schleifen sie? Dann müssen sie nachgezogen und sollten auch gereinigt werden.

Bei hydraulischen Scheibenbremsen müssen Sie generell  in die Werkstatt fahren. Das kann man als Laie kaum selber reparieren. Gleiches gilt für Kabelprobleme. Viele Fahrradwerkstätten bieten auch (kostenpflichtige) Frühjahrs-Checks an, bei denen Ihr Fahrrad fit gemacht wird.

Schritt fünf: Das Licht checken

Dieser Punkt ist schnell abgearbeitet: Beim Probefahren schalten Sie den Dynamo ein und gucken nach dem Halt, ob das hintere Rücklicht noch leuchtet. Moderne Räder leuchten hinten einige Sekunden länger, um beispielsweise Auffahrunfälle an Ampeln zu vermeiden.

Falls Sie ein älteres Rad haben, können Sie das Vorderlicht folgendermaßen überprüfen: Heben Sie das Fahrrad leicht an, dann drehen Sie das Vorderrad, wo der Dynamo sitzt und werfen einen Blick auf die Leuchte. Neuere Räder haben einen Nabendynamo, der über einen Schalter an- und ausgeschaltet wird oder sich je nach Lichtverhältnissen automatisch aktiviert. Gegebenenfalls sollten Sie die Lampe ein wenig ausrichten, um den Gegenverkehr nicht zu blenden – auch das ein unnötiges Unfallrisiko.

Sollte das Licht nicht funktionieren, bringen Sie Ihr Rad bitte in eine Werkstatt. Vielleicht muss nur eine Leuchte ausgetauscht werden. Es kann aber auch sein, dass Sie einen Kabelbruch oder etwas anderes haben. Das muss repariert werden, denn ohne Licht dürfen Sie laut Straßenverkehrsordnung nicht fahren.

Und ansonsten gilt: Fahren Sie vorsichtig! Wir wünschen Ihnen gute und unfallfreie Fahrt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de