Flirt-Atlas

Hier daten sich die Berliner am häufigsten

Hauptstadt-Singles zieht es bei der Partnersuche an die belebtesten Orte der Stadt.

Thorsten Harmsen
4 Min
Unterm Fernsehturm funkts gewaltig: Der Alexanderplatz ist ein beliebter Dating-Treffpunkt in Berlin.

Unterm Fernsehturm funkts gewaltig: Der Alexanderplatz ist ein beliebter Dating-Treffpunkt in Berlin.

© imago/Manngold

Wie soll man hier flirten? Am Ausgang des S-Bahnhofs Alexanderplatz lagern ein paar Betrunkene in schmuddeligen Decken, trinken Wodka. Passanten hetzen  quer über den Platz, um die nächste Bahn der U2 zu erreichen. An der Wand des Kaufhaus sitzt jemand  und trommelt wie wild. Nur am „Brunnen der Völkerfreundschaft“, wie das Gebilde mitten auf dem Platz heißt, haben sich Gruppen junger Menschen versammelt: Touristen, Jugendliche auf Klassenfahrt oder einfach nur Berlin-Bummler. Vielleicht geht es hier gerade wie wild ab?

Denn der Alex  ist der Platz in der Hauptstadt, auf dem am meisten geflirtet wird. Zumindest gehen hier besonders viele Singles auf Suche, und es kommen auch die meisten Kontakte  zustande.  Das zeigt der „Flirt-Atlas 2017“, veröffentlicht von den Betreibern einer Dating-App, die Jaumo heißt. Untersucht wurde, wie sich die App-Nutzer an 15 besonders belebten Orten Berlins verhalten, den sogenannten Hotspots.

Wählerische Singles in Mitte

Dabei ging es allerdings nicht um das Flirten im herkömmlichen Sinne: um Augenkontakt, Lächeln und kleine Wortgeplänkel. So etwas ist recht schwer statistisch zu erfassen. Nein, das typische Suchverhalten der Internet-Generation ist anders. Hier flirtet man virtuell. Man sucht per Dating-App nach  potenziellen Partnern, die sich möglichst in der Nähe aufhalten und dieselbe App benutzen. Deren Bilder kann man auf dem Handy sehen. Die meisten wischt man schnell wieder weg. Wer einem gefällt, den „liked“ man, indem man ein Herzchen drückt. Kommt ein Herzchen zurück, hat man ein sogenanntes Match. Man kann sich unterhalten – also chatten – und sich vielleicht treffen.

Ausgewertet wurden Daten aus 30 Tagen vom 1. Februar bis 2. März 2017. Insgesamt hielten sich in diesem Zeitraum von 187.000 aktiven Berliner Nutzern 41.000 an den 15 belebtesten Orten auf. Sie verschickten zusammen fast 1,5 Millionen Herzchen. Daraus entstanden rund 14.100 „Matches“. Im Durchschnitt also musste fast 106 Mal ein „Gefällt mir“ versendet werden, bevor zwei Leute zusammenfanden. Was später passierte, geht aus der Erhebung leider nicht hervor.

Besonders  häufig funkte es virtuell am Alex. Hier hielten sich nicht nur  die meisten Nutzer auf  – insgesamt 4 573 Leute. Hier kamen auch die meisten Kontakte zustande, und zwar 2 616.  Im Schnitt musste jeder Nutzer etwa 54 Mal „liken“, bis er Erfolg hatte – oder sie. Auch in Friedrichshain, Wedding, Neukölln und am Kudamm treiben sich viele Flirtwillige herum. Am wenigsten sind es an der Friedrichstraße und im Kreuzberger Wrangelkiez. Besonders wählerisch sind die Singles am Hackeschen Markt. Im Schnitt verteilte jeder hier nur 23 „Likes“. Die häufigsten Herzchen pro Nutzer wurden dagegen in Kreuzberg und im Wedding verschickt. Dies könnte ein Hinweis dafür sein, dass in diesen Bezirken die attraktivsten Leute unterwegs sind. Oder auch, dass die Ansprüche nicht ganz so hoch sind  wie in den Latte-Macchiato-Vierteln in der Stadtmitte.

Viele Herzchen auf der Reise

Apropos Attraktivität der Singles: Hier liegt Berlin unter  zehn Städten bundesweit  im Mittelfeld, zumindest, was die „Likes“ betrifft, die  jeder Flirtwillige erhielt. Es waren im Schnitt 36. Besonders viele Herzchen bekamen Singles in Dortmund (45), Köln (44), Essen (42) und Düsseldorf (41). Die wenigsten erhielten Nutzer in Leipzig (23) und Hamburg (31).

Die Dating-App von Jaumo, die mit ihrer Studie gewiss auch kräftig Werbung für sich machen will, ist eine von vielen Flirt-Apps weltweit. Gegründet wurde sie im Jahre 2011 von zwei Freunden aus Schwaben. Auch das schwäbische Stuttgart ist im „Flirt-Atlas 2017“ zu finden. Hier müssen sich Partnersuchende ganz besonders mühen, bevor sie Erfolg haben.  Für das Zustandekommen eines einzigen Flirtkontakts braucht es 139 „Gefällt-mir“-Herzchen.  In Frankfurt am Main reichen etwa 65 dafür aus. Berlin befindet sich mit 106 auch hier ganz bequem im Mittelfeld. Was die Zahl der suchenden Singles betrifft, liegt es allerdings unangefochten an der Spitze.

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