Berlin-Friedrichshain

Falschparker bezahlen Schutz der East Side Gallery

Ein Zaun soll die East Side Gallery in Friedrichshain vor Vandalismus schützen. Doch er soll nur eine Notlösung bleiben. Bald soll er durch ein Stahl-Geländer ersetzt werden. Der Bezirk spendiert hierzu 150.000 Euro.

Karin Schmidl
4 Min
Touristen als Zaungäste: So wird die East Side Gallery zurzeit geschützt.

Touristen als Zaungäste: So wird die East Side Gallery zurzeit geschützt.

© Berliner Zeitung/Paulus Ponizak Lizenz

Nein, schön sieht er nicht aus, der Bauzaun vor der East Side Gallery, der seit Mittwochmorgen dort steht. Die Touristen, die an der bunten Mauer an der Mühlenstraße entlanglaufen, haben Mühe, hinter all den Drahtstäben die frisch gereinigten Bilder zu betrachten – geschweige denn sie zu fotografieren.

Protest am 26. Februar 2013: Die Polizei sicherte Teile der East Side Gallery während einer Pressekonferenz von Mitgliedern der Gruppe "Mediaspree versenken !" und verschiedener Berliner Clubs.

Protest am 26. Februar 2013: Die Polizei sicherte Teile der East Side Gallery während einer Pressekonferenz von Mitgliedern der Gruppe "Mediaspree versenken !" und verschiedener Berliner Clubs.

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Der deutsche Popkünstler Jim Avignon hat sein Bild auf der Mauer übermalt - dafür handelte er sich Kritik von Kollegen ein.

Der deutsche Popkünstler Jim Avignon hat sein Bild auf der Mauer übermalt - dafür handelte er sich Kritik von Kollegen ein.

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Die Teilnehmer informierten über geplante Aktionen gegen den Abriss von Teilen der East Side Gallery und den Neubau von Luxuswohnungen.

Die Teilnehmer informierten über geplante Aktionen gegen den Abriss von Teilen der East Side Gallery und den Neubau von Luxuswohnungen.

© dpa Lizenz

Kinder, Eltern, Schulgruppen und ganze Familien besuchen jeden Tag die East Side Gallery. Hier posiert ein kleiner Tourist.

Kinder, Eltern, Schulgruppen und ganze Familien besuchen jeden Tag die East Side Gallery. Hier posiert ein kleiner Tourist.

© dpa Lizenz

Alle Besucher fotografieren. Man muss gut aufpassen, wenn man nicht in ein Familienfoto geraten will.

Alle Besucher fotografieren. Man muss gut aufpassen, wenn man nicht in ein Familienfoto geraten will.

© dpa Lizenz

Leute posieren vor den Gemälden in verschiedenen Stilrichtungen. Viele wollen ein Teil des Gemäldes sein...

Leute posieren vor den Gemälden in verschiedenen Stilrichtungen. Viele wollen ein Teil des Gemäldes sein...

© dpa Lizenz

... andere wollen nur ein Foto mit Freunden.

... andere wollen nur ein Foto mit Freunden.

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Das Bild mit den zwei Tauben weckt bei manchen Passanten den Wunsch zu fliegen. Auch diese Touristin aus Brasilien würde gerne abheben.

Das Bild mit den zwei Tauben weckt bei manchen Passanten den Wunsch zu fliegen. Auch diese Touristin aus Brasilien würde gerne abheben.

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Touristen gehen an Drehorgelspieler Ede vorbei. Sind seine Affen echt?

Touristen gehen an Drehorgelspieler Ede vorbei. Sind seine Affen echt?

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Nein, aber er ist ein bisschen froher als Ede.

Nein, aber er ist ein bisschen froher als Ede.

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Polizisten auf Patrouille.

Polizisten auf Patrouille.

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Auch schön und ein bisschen ruhiger: Die East Side Gallery im Dunkeln.

Auch schön und ein bisschen ruhiger: Die East Side Gallery im Dunkeln.

© Getty Images Lizenz

Von hinten: Auf der Rückseite haben sich Graffti-Künstler – und solche, die es gern wären – verewigt.

Von hinten: Auf der Rückseite haben sich Graffti-Künstler – und solche, die es gern wären – verewigt.

© Claudia Fuchs Lizenz

Dass der Zaun nur eine Notlösung ist, eine Akut-Maßnahme gegen neuerliche Schmierereien und Mauerspechte, weiß man auch im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, das für das Denkmal East Side Gallery zuständig ist. „Zuletzt hat dort das Ausmaß der Zerstörungen und des Vandalismus so zugenommen, dass wir uns nicht anders zu helfen wussten“, sagte am Donnerstag Adalbert Maria Klees vom Grünflächenamt.

Neues Stahl-Geländer noch in diesem Jahr

Drei der gut hundert Bilder auf der längsten Open-Air-Galerie der Welt seien komplett zerstört – durch aggressive Lacke und durch sogenannte Ätz-Stifte, die sich durch die Graffiti-Schutzschicht und durch die Bilder bis auf den Beton durchgefressen haben. Auch unmittelbar nach der Reinigung der Bilder, die seit voriger Woche läuft und 230.000 Euro kostet, hatten Touristen erneut damit begonnen, die Mauer zu beschmieren und Stücke rauszuschlagen.

Weil der Zaun auch im Bezirksamt für besucherunfreundlich und hässlich gehalten wird, soll er nicht ewig stehen. Möglichst noch in diesem Jahr soll er – in Absprache mit den Denkmalschutzbehörden – durch ein etwa 80?Zentimeter hohes Stahl-Geländer ersetzt werden, das gut einen Meter vor dem Mauerdenkmal aufgestellt wird.

Die dafür nötigen 150.000 Euro hat Finanzstadträtin Jana Borkamp (Grüne) im Bezirkshaushalt gefunden: „Wir haben einiges umgeschichtet und nehmen unter anderem Geld von den Mehreinnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung“, sagte sie am Donnerstag. Falschparker im Bezirk bezahlen also mit ihren Knöllchen den Schutz der East Side Gallery.

Hinweisschilder überall

Wobei der Begriff Schutz bei einem hüfthohen Geländer relativ ist. „Das Geländer ist eher eine psychologische Barriere“, räumte Borkamp ein. Man hoffe, dass möglichst viele der jährlich rund drei Millionen Besucher die East Side Gallery als Denkmal erkennen und entsprechenden Respekt entwickeln. Deshalb sollen auch alle 20 Meter Schilder in Deutsch und Englisch mit entsprechenden Hinweisen am Geländer angebracht werden.

Bei der Künstlerinitiative, die seit Jahren um den Erhalt der East Side Gallery kämpft, ist man erleichtert. „Eine Barriere fordern wir seit elf Jahren. Es ist gut, dass dies jetzt endlich aufgegriffen wird“, sagte ihr Sprecher Jörg Weber. Die Maler, die die Mauer 1990 gestaltet haben, wollen den Bezirk jetzt überzeugen, am Geländer auch Hinweise auf die Bilder und Künstler anzubringen.

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