Kulturpolitik

Jetzt per Checkliste: Der lange Weg zum Wunschintendanten

Die Intendantenfindung ist die glanzvollste Aufgabe der Kulturpolitik, gerade da herrscht Fettnapfalarm. Jetzt hilft der Bühnenverein mit einem Leitfaden. Ein Kommentar.

3 Min
Wer soll den Hut aufhaben im Theater? Der Schauspieler Gert Voss in „Einfach kompliziert“ von Thomas Bernhard, inszeniert von Claus Peymann im Berliner Ensemble.

Wer soll den Hut aufhaben im Theater? Der Schauspieler Gert Voss in „Einfach kompliziert“ von Thomas Bernhard, inszeniert von Claus Peymann im Berliner Ensemble.

© Michael Kneffel/Imago

Der Bühnenverein hat mit Zuarbeit vom Dramaturgie-Netzwerk einen Leitfaden für die Intendantenfindung herausgegeben, er sei jedem kulturpolitischen Verantwortungsträger ans Herz genagelt. Die Berufung von Intendanten ist die prominenteste Aufgabe der demokratisch bestimmten Amtswalter und Subventionsgeber, die sich ansonsten aus der Kunst herauszuhalten haben. Es handelt sich um die empfindliche Schnittstelle, an der sich die Entscheidungsfreiheit der Behörde und die Gestaltungsfreiheit ihrer Kulturinstitutionen treffen.

Der Leitfaden hat zwar keinen bindenden Charakter, wie auch, er will ja nicht in die Entscheidungshoheit der Träger hineinpfuschen. Er schlüsselt aber den Vorgang in fünf Phasen auf, die als Checkliste klarmachen, was alles auf dem Spiel steht und falsch gemacht werden kann. Beispiele finden sich ja genug, in denen die politische Entscheidung, getroffen in tiefer Unkenntnis der Situation oder aus wahlkämpferischer Eitelkeit heraus, schon der Beginn des Desasters war. So sehr es geboten ist, Raum für künstlerisches Risiko offen zu halten – ein Risiko, das auch ein Scheitern ermöglichen und verzeihen muss –, so sehr ist es angebracht, die Parameter und Kriterien zu kennen, nach denen die Kandidaten ausgesucht werden sollen. Merke: Gestaltungsfreude und Professionalität müssen einander nicht widersprechen!

Der Vorgang braucht mindestens zwei Jahre Zeit, wobei Phase eins schon vorher einsetzt und eigentlich nie so richtig aufhört. Da nämlich sollte man sich darüber klarwerden, was für ein Theater man will und braucht, in welcher Form es organisiert sein soll, was für eine Gesellschaft es repräsentiert, welches Publikum erreicht werden soll, mit wem es konkurriert. Ab Phase zwei geht es um die Organisation der einzelnen operativen Schritte, die transparent zu halten sind, während der Umgang mit den Kandidaten Diskretion erfordert. Es steht da, wer alles einzubeziehen ist und woran noch zu denken ist. Die meisten Punkte verstehen sich von selbst, man hat nach Ernennungen sich oft genug darüber gewundert, dass sie nicht beachtet wurden. Sie lassen sich nun schwerer ignorieren. 

Es ist und bleibt natürlich ein Wunschzettel, und auch wer jeden einzelnen Schritt beachtet und erfüllt, kann am Ende eine Fehlentscheidung treffen. Wir werden damit leben müssen, bis der Bühnenverein das ultimative Intendanten-Backrezept herausgibt.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de