Konkret geht es darum, an Eingängen zum Görlitzer Park mobile Imbisswagen aufzustellen, an denen sich Parkbesucher Falafel, Kaffee und Eis kaufen können. Die Bezirkspolitiker hoffen auf einen Verdrängungseffekt. Denn wenn sich genügend Kundschaft um die mobilen Verkaufwagen versammelt, sind diese Orte für Drogendealer nicht mehr attraktiv. Sie ziehen weiter. „Es ist nur eine Idee. Und die wurde im Parkrat vorgestellt und einmal diskutiert“, sagt Schmidt.
Der Parkrat, ein Gremium von Anwohnern, hat über den Vorschlag aus dem Bezirksamt bereits Anfang Juni kontrovers diskutiert. Besteht mit solchen Imbisswagen nicht die Gefahr der Kommerzialisierung? Wie sieht es aus mit Einweggeschirr, mit Werbung und einem Pfandsystem in den Imbisswagen? Das Fazit des Parkrats: „Wir müssen solche Dinge ausprobieren“, sagt Lorenz Rollhäuser, Sprecher des Parkrats.
„Es ist eine Testphase und die wird anschließend ausgewertet.“ Schließlich gehe es darum, die Realität anzuerkennen. „Wir haben Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum, nicht nur im Görlitzer Park“, sagt er.
Imbisswagen an den Eingängen des Görlitzer Parks: Drei monatige Testphase?
Doch genau dort beschweren sich viele Anwohner seit vielen Jahren über die Drogenverkäufer. Es gehe dabei „um Belästigungen durch Drogenverkäufer, um sexistische Anmache, aber auch auf Diebstähle und Überfälle, bei denen Menschen wegen einem Handy oder ein paar Euro brutal zusammengeschlagen wurden“, beschreibt die Anwohner-Initiative Görlitzer Park die Situation. All diese Vorkommnisse hätten zur Folge, dass Menschen den Park meiden und ihren Kindern verbieten, heißt es weiter.
„Dieses Sicherheitsbedürfnis, das vor allem von Frauen, Kindern und älteren Menschen formuliert wird, nehmen wir ernst.“ Die Anwohner wissen aber auch, dass der Park für viele Männer aus afrikanischen Ländern ein Treffpunkt und ein Ort zum Drogenverkaufen ist. „Viele von ihnen haben keine Möglichkeit, legal in Deutschland zu arbeiten. Gesellschaftliche Teilhabe wird ihnen nicht ermöglicht, und auch im Park bleiben sie weitgehend marginalisiert.“
Der Parkrat schlägt nun eine dreimonatige Testphase mit den mobilen Verkaufsständen vor. Dort darf kein Alkohol und kein Einweggeschirr verkauft werden, Werbung am Stand ist nicht erlaubt. Der Bezirk wird die Stände für die kommende Saison ausschreiben, Händler können sich dann mit ihren Konzepten bewerben.
Görlitzer Park: Platzanweisungen für Dealer war nicht mit Bezirksamt abgestimmt
Seit etwa zehn Jahren versuchen Berliner Politiker, den Drogenhandel im Görlitzer Park einzudämmen. Der frühere Innensenator Frank Henkel (CDU) führte die Null-Toleranz-Strategie gegen Drogenhändler ein, selbst der Besitz kleiner Mengen Cannabis war strafbar. Doch Henkels hartes Durchgreifen blieb ohne sichtbaren Erfolg.
Ein Park für alle
1866: Der Görlitzer Bahnhof wurde 1866 auf dem 14 Hektar großen Köpenicker Feld eröffnet. Nach dem Krieg stellte die Bahn erst den Personenverkehr, später den Güterverkehr ein. Kreuzberg wollte das Gelände zur Grünfläche umwandeln. Es verkam aber zur Brache mit Autowracks, Müllbergen und Chemieabfällen.
1980: Der Bezirk und der Verein SO 36 begannen 1980 mit den Planungen für einen Stadtpark. Das Gelände entwickelt sich zur beliebten Freifläche für Partys und Konzerte. Ab 1985 wurde der Park bepflanzt und neu gestaltet: Dort gibt es heute Liegewiesen, einen Kinderbauernhof, Sportplätze und die Pamukkale-Terrassen.
Ab 2009: Seit etwa zehn Jahren ist der Görlitzer Park ein Ort des Drogenhandels. 2012 patrouillierten Polizei und Ordnungsamt durch die Anlage, 2014 entstand eine „Task Force“, es galt die „Null-Toleranz-Regel“. Heute kümmern sich Parkläufer, ein Parkmanager, eine Anwohner-Initiative und der Parkrat um den „Park für alle“.
Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) erklärte die Null-Toleranz-Politik 2017 für gescheitert. „Sie war kontraproduktiv“, sagte er. Fortan duldet Berlin bis zu 15 Gramm zum Eigenbedarf, das ist der höchste Wert bundesweit.
Im Mai diesen Jahres hatte dann auch Parkmanager Cengiz Demirci eine Idee, den Drogenhandel im Park per Platzanweisung zu kontrollieren. Verkäufer sollten sich auf markierten Flächen im Park stellen, so seine Vorstellung. Besucher, vor allem Familien mit Kindern, würden dann nicht mehr an den Eingängen mit Dealern konfrontiert werden.
Doch Demirci hatte seinen Vorschlag nicht mit dem Bezirksamt abgestimmt. Dort sprach man von einem „Alleingang“ des Parkmanagers und ignorierte seine Idee. Nun folgen die Imbisswagen.
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