Das Radisson Collection Hotel in Berlin-Mitte öffnet nach einer längeren Schließung aufgrund des Unfalls an seinem berühmten Aquarium wieder seine Türen. Im Dezember 2022 hatte die Außenwand eines imposanten Acrylglas-Aquariums plötzlich nachgegeben, was dazu führte, dass eine Million Liter Wasser austraten und zwei Personen verletzt wurden. Experten stellten fest, dass die Auswirkungen des Vorfalls während der Hauptzeit wahrscheinlich noch gravierender gewesen wären. Etwa 1.460 Fische überlebten den Vorfall nicht, wobei nur 40 Fische gerettet werden konnten. Der Schaden erstreckte sich über das gesamte Hotel und angrenzende Bereiche, wie etwa das DDR-Museum. Die Räumlichkeiten wurden evakuiert und das Hotel schloss bis zur Behebung der Schäden. Nun soll es schrittweise wieder in Betrieb genommen werden.
Für die Betreiber war schnell klar: Ein Aquarium wird es nicht mehr geben. Mit dem von dan pearlman konzipierten „Living Tree“ bildet ein 16 Meter hoher, bis ins sechste Stockwerk reichender und rund 120 Quadratmeter umfassender „vertikaler Garten“ den neuen Mittelpunkt der Hotellobby.
Bis zum Sommer werden knapp 2.000 Pflanzen, aus 22 unterschiedlichen Arten, an 36 baumartige Vertikal-Lamellen gepflanzt und je nach Tageszeit variantenreich illuminiert.
Das Design des „Living Tree“ mit einem hochragenden Stamm von 6,5 Metern im Durchmesser wird durch eine abstrakte Baumkrone abgeschlossen, die bis unter das transparente Dach des Atriums in 24 Meter Höhe und mit einem Durchmesser von 20 Metern reicht. Die natürliche Bepflanzung, deren Erscheinungsbild sich mit dem Wachstum der Pflanzen verändert, soll nicht nur ein besonderes Aufenthaltserlebnis schaffen, sondern über die integrierte Bewässerung auch für ein angenehmes Raumklima sorgen und zudem wie ein grüner Luftfilter wirken, der Nachhall und Lärm effizient absorbiert.
Nachhaltigkeit ist auch in Bezug auf den Ressourceneinsatz, den Betrieb sowie die spätere Pflege und Wartung der vertikalen Begrünung durch Kletterer das Leitmotiv der Installation. Das Konzept bezieht die tragende Bestandsstruktur des ehemaligen Großaquariums ein. Der zwölf Meter hohe Sockel des ehemaligen AquaDoms aus 150 Tonnen Beton wurde erhalten und somit die in ihm gebundenen, rund fünf Tonnen CO2 nicht freigesetzt. Vielmehr bietet der horizontale Sockel nun rund 600 Pflanzen und Bäumen ein Zuhause. „Durch die Nachnutzung als Fundament für den „Living Tree“ konnten hohe CO2-Emissionen vermieden werden, die aus dem Abriss, dem Abtransport und der Entsorgung entstanden wären“, sagt Lars Kirmse, Leiter Asset Management Nord bei Union Investment und für das DomAquarée verantwortlich. Neben dem Erhalt der Tragkonstruktion werden auch ehemalige technische Infrastrukturen wie Technikräume und Abwasserrohre für das neue Konzept wieder verwendet.
Besonders in Szene gesetzt wird der „Living Tree“ durch ein dynamisches Lichtkonzept mit effizienten, steuerbaren LED-Strahlern. Es eröffnet die Möglichkeit, den „vertikalen Garten“ in unterschiedlichsten Lichtstimmungen zu inszenieren und das Pflanzwachstum dabei optimal zu unterstützen. Destination Development Expertin und Kreativdirektorin Karen Klessinger sagte laut Mitteilung von dan pearlman: „Das Bauen im Bestand und die Weiternutzung bestehender baulicher Strukturen ist uns ein Herzensanliegen. Belegt wird dies durch unser Engagement für den Verein für Bauen im Bestand, in dem wir Gründungsmitglied sind. Von Anfang an haben wir deshalb empfohlen, den noch nutzbaren Bestand des ehemaligen Aquariums aus Nachhaltigkeitsgründen so weit wie möglich in das neue Format zu integrieren.“
Weitere Neuerungen im Hotel umfassen renovierte Zimmer, neue Meetingräume, einen Spa-Bereich und ein griechisches Restaurant. Das gesamte Gebäude wurde modernisiert, um den Gästen ein erstklassiges Erlebnis zu bieten. Das Hotelkonzept unterstreicht das Bestreben, eine Verbindung zwischen urbaner Ästhetik und Nachhaltigkeit zu schaffen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de