Mitte

Berlin-Mitte ist international, Verwaltung jedoch nur deutsch

Berlin-Mitte hat eine internationale Bevölkerung. Die Verwaltung trägt diesem Umstand nicht Rechnung. Der Bezirk sucht daher Mitarbeiter aus anderen Ländern.

BLZ
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Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee: Mehrsprachigkeit gewünscht.

Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee: Mehrsprachigkeit gewünscht.

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Der Bezirk Mitte steht trotz seiner internationalen Bevölkerung zu sehr unter „deutscher Verwaltung“. Darauf verweist das Bezirksamt Berlin-Mitte in der neuen Ausgabe seiner Zeitung „Ecke Müllerstraße“. In den nächsten Jahren werde erwartet, dass weiterhin Menschen aus verschiedensten Kontinenten nach Berlin kommen. Daher sucht der Bezirk Mitte verstärkt nach Verwaltungsmitarbeitern mit Migrationshintergrund. In der Zeitung heißt es, man könne davon ausgehen, dass auch in den kommenden Jahren wieder Menschen aus allen Kontinenten zu uns kommen würden: „Für seine Verwaltung sucht der Bezirk Mitte deshalb mit besonderem Nachdruck neue Mitarbeitende mit Migrationshintergrund. Aber natürlich sind dafür sehr gute Deutschkenntnisse Voraussetzung, bei Beamten sogar eine EU-Staatsbürgerschaft. In der Wirtschaft ist man flexibler, im IT-Bereich etwa spricht man fast überall inzwischen regulär Englisch am Arbeitsplatz. Möglicherweise müssen sich irgendwann auch Teile der Verwaltung diesem Trend anpassen.“ An den Hochschulen habe dieser Prozess schon begonnen, hier würden auch immer mehr Lehrveranstaltungen auf Englisch abgehalten. Die Zeitung: „Vielleicht gibt es irgendwann auch ,English speaking counters‘ in den Bürgerämtern. Oder ,offices‘ im Stadtplanungsamt? Denn auch die Investoren kommen ja zunehmend aus dem Ausland.“

Berlin-Mitte hat sich nach Einschätzung der Bezirks-Zeitung zu einem internationalen Zentrum entwickelt, wobei über die Hälfte der Bevölkerung persönliche Migrationshintergründe aufweist. Rund 37 Prozent der Einwohner besitzen keinen deutschen Pass, während etwa 20 Prozent eingebürgerte Deutsche oder deren Nachkommen sind. Im Gegensatz dazu haben nur etwa 42 Prozent der dortigen Bevölkerung Eltern, die seit Geburt eine west- oder ostdeutsche Staatsbürgerschaft innehaben.

Dagegen arbeite in der Bezirksverwaltung von Mitte ein überwältigend großer Anteil von Menschen ohne Migrationshintergrund. Laut einer Umfrage unter den Beschäftigten der Berliner Verwaltung aus dem letzten Jahr weisen lediglich 23,8 Prozent der insgesamt 3326 Beschäftigten im Bezirk Mitte einen Migrationshintergrund auf. Dies ist nur geringfügig über dem Durchschnitt der Berliner Verwaltung, der bei 21,7 Prozent liegt.

Mitte verfügt mit 57,8 Prozent über den höchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, gefolgt von Hamburg-Mitte mit 55 Prozent. Auch in Berlin-Neukölln ist die Mehrheit der Einwohner migratorisch geprägt, während Friedrichshain-Kreuzberg knapp darunter liegt. Seit 2014 stieg die Zahl der im Bezirk Mitte gemeldeten Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft um etwa 41.000, während die Anzahl der Einwohner mit deutscher Staatsangehörigkeit um etwa 2000 zurückging. Neuzuwanderer ziehen häufig zunächst in zentrale Stadtgebiete, bevor sie sich in ruhigere Vororte oder das Umland begeben.

Die Herkunftsgebiete der Zugezogenen haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Während in den 2000er Jahren zwei Drittel der Neuankömmlinge aus anderen deutschen Bundesländern stammten, sind es in den 2020er Jahren weniger als ein Drittel. Die restlichen Zuzügler kommen mittlerweile aus weit entfernten Regionen. Zwischen 2012 und 2018 war besonders ein Zuwachs an Einwohnern aus anderen EU-Ländern zu verzeichnen, doch mittlerweile ist dieser Trend abgeflacht.

Im Jahr 2023 kam die größte Zuwanderungswelle aus der Ukraine mit fast 12.000 Personen, von denen auch mehr als 6000 zurückkehrten. Die stärkste Netto-Zuwanderung erfolgte jedoch aus der Türkei mit 7300 Personen, gefolgt von Indien mit 6000 Personen, mit dem ein Migrationsabkommen im März 2023 in Kraft trat. Weitere Partnerschaften wurden mit Ländern wie Kolumbien, Marokko und Kenia geschlossen, und Verhandlungen mit den Philippinen und Kirgisistan sind laut dem Zeitungsbericht in Planung.

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