Auf den Straßen Berlins sind immer weniger Kraftfahrzeuge unterwegs. Einer Antwort der Verkehrsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Politikerin Antje Kapek, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, zufolge sinkt die Verkehrsstärke seit 2015 stetig.
An den allermeisten der rund 250 Messstellen gingen die Zahlen zurück – und zwar im Einzelfall um bis zu 50 Prozent. Teils ist nach einem starken Rückgang in den Corona-Jahren 2020 und 2021 zwar wieder ein leichter Anstieg zu erkennen, an dem generell rückläufigen Trend seit 2015 ändert das aber nichts.
Verkehrsentwicklung in Berlin geht massiv zurück
Die sogenannte durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke umfasst die Zahl von Kraftfahrzeugen, die durchschnittlich pro Tag eine Messstelle passieren. Am Messpunkt A115 (Nordost) etwa waren das 2015 noch 34.607 Fahrzeuge. 2023 waren es 30.401 - das ist ein Rückgang um rund 12 Prozent.
Am Messpunkt Kurfürstendamm ging der motorisierte Verkehr im selben Zeitraum von 16.668 auf 14.513 Fahrzeuge zurück – ein Minus von etwa 13 Prozent. Am Tempelhofer Damm (Süd) betrug der Rückgang nur gut 3 Prozent, am Halleschen Ufer (West) rund 19 Prozent, an der Torstraße (Ost) rund 41 Prozent und an der Prenzlauer Promenade (Nord) sogar 51 Prozent (mit Stand von 2022, für 2023 wurde dort kein Wert ausgewiesen).
„Die Verkehrsentwicklung in Berlin ist in den letzten neun Jahren massiv zurückgegangen. Die Reduktion von bis zu 50 Prozent des Kfz-Verkehrs ist eine großartige Nachricht für alle, die auf den Berliner Straßen unterwegs sind“, sagte Kapek, die Sprecherin für Verkehrspolitik der Grünen-Fraktion ist.
Verkehr: Auch Staus werden in Berlin weniger
„Sie zeigt aber auch, dass eine reine Fokussierung der CDU-Verkehrspolitik auf die Leistungsfähigkeit für Kfz pure Ideologie ist, die die Verhinderung von Tramstrecken oder Radwegen begründen sollen“, fügte Kapek hinzu. „Gerade an den großen Hauptstraßen, an denen Fahrstreifen zugunsten von Radwegen umgewandelt wurden, beispielsweise am Tempelhofer und Halleschen Ufer, ging der Autoverkehr massiv zurück.“
Kapek fragte auch Daten zu Staus in Berlin ab. Laut Verkehrsverwaltung standen Fahrzeuge im Jahr 2021 insgesamt 90.854 Stunden in Staus, die sich auf 140.728 Kilometer Länge summierten. Ein Jahr später waren es 82.488 Staustunden auf 105.674 Kilometern Länge und 2023 schließlich 87.726 Staustunden auf 117.391 Kilometern Länge.
Die Vermutung, dass durch Radwege mehr Stau entstehe, sei anhand der Zahlen klar widerlegt, kommentierte Kapek. „Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass die reale Verkehrsentwicklung der schwarz-roten Verkehrspolitik einen großen Schritt voraus ist: Denn das Ergebnis der Datenerhebung zeigt ganz klar: Die Verkehrswende wirkt“, meinte sie. „Der Senat muss endlich seine Auto-First-Politik stoppen und faktenbasierte Verkehrspolitik jenseits von Autobahn und Schnellstraßen machen. Berlin ist mittendrin in der Verkehrswende, diesen Trend gilt es zu unterstützen, statt zu torpedieren.“
Die Zahlen zur Verkehrsbelastung sind auch deshalb bemerkenswert, weil die Stadt stetig wächst, die Einwohnerzahl also zunimmt. Die Zahl der zugelassenen Pkw je 1000 Einwohner war in Berlin laut Statistischem Bundesamt zwischen 2012 und 2022 um rund ein Prozent auf 338 gesunken.
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