Berlinale-Kolumne

Eine Pressekonferenz voller falscher Fragen

Die Erkenntnis: Regisseure geben bessere Antworten als Schauspieler.

Jochen-Martin Gutsch
2 Min
Hollywood-Star Joaquin Phoenix auf einer Berlinale-Pressekonferenz.

Hollywood-Star Joaquin Phoenix auf einer Berlinale-Pressekonferenz.

© imago

Manchmal gehe ich auf eine Berlinale-Pressekonferenz. Journalisten stellen dort Fragen. Dabei ist mir aufgefallen: Die Regisseure geben eigentlich immer die besseren Antworten als die Schauspieler. Die Regisseure sind nachdenklicher, reflektierter, höflicher.

Ein bekannter deutscher Regisseur hat mir mal erzählt, wie sehr es ihn nerve, wenn Schauspieler versuchen, das Drehbuch „zu verbessern“. Aber warum denn, fragte ich. „Tja, wie soll ich es ausdrücken“, bemühte sich der bekannte deutsche Regisseur (es war nicht Dieter Wedel!) um eine diplomatische Erklärung. „Schauspieler sind oft nicht die hellsten Kerzen auf der Torte.“ So eine hübsche Antwort hört man natürlich nie auf einer Berlinale-Pressekonferenz.

Er hasst Journalisten

Ich war auch auf der Pressekonferenz von Joaquin Phoenix, einem Schauspieler, den ich sehr mag. Ich wollte ihm unbedingt eine Frage stellen. Nur welche? Phoenix ist ein Hollywood-Star, der schon in Hunderten Pressekonferenzen gesessen hat. Alle Fragen wurden schon mal gestellt. Ich brauchte eine absolute Knaller-Frage, zumal Phoenix als sehr launisch gilt. Er hasst Journalisten.

Ich schrieb in meinen Notizblock: „Lieber Herr Phoenix, Sie haben vier Geschwister. Die heißen River, Rain, Summer und Liberty. Warum haben Ihre Eltern ihre Geschwister so sehr gehasst?“

Joaquin Phoenix und die Kötbullar

Diese Frage war recht ungewöhnlich, aber vielleicht zu privat. Ich schrieb deshalb in meinen Notizblock: „Lieber Herr Phoenix, wenn Sie einen Menschen erschießen dürften, wen würde Ihre Kugel treffen?“ Nicht schlecht. Aber zu düster, oder? Am schönsten ist doch eine Frage, die den Weltstar als einfachen Menschen zeigt. Als Typen wie Du und ich!

„Lieber Herr Phoenix, wenn Sie zu Ikea fahren, essen Sie dort auch immer Kötbullar, bereuen es anschließend und rennen auf die Toilette?“ Was für ein Unsinn diese Frage! Warum sollte Herr Phoenix denn zu Ikea fahren?!

Die Konferenz war vorbei

Ich grübelte weiter. Verzweifelte fast. Dann fiel mir die absolute Hammer-Frage für einen Hollywood-Star ein! Die Frage war originell, witzig, menschlich, künstlerisch wertvoll, hatte Tiefgang und war dennoch leicht wie ein Wölkchen!

Leider war die Pressekonferenz nun vorbei. Ich sah nur noch, wie Joaquin Phoenix aus dem Saal stürmte.

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