Worin unterscheidet sich der Biergeschmack von Deutschen, Engländern und Japanern? Während es die meisten Deutschen vollmundig-würzig mögen, bevorzugen Engländer milderes Bier. Noch milder und heller ist Bier, das Japaner trinken - oder, wie es Paul Häring ausdrückt: "Japaner lieben schlankes Bier."Häring, Chef des Bürgerbräu, muss es wissen, schließlich hat er sechs Jahre in Japan gelebt und dort die Kontakte geknüpft zwischen der "Familienbrauerei im Grünen" und den japanischen Partnern. Es hat sich gelohnt. "Zehn Prozent unserer Exporte gehen nach Japan, dort liebt man deutsches Bier und vertrauensvolle Beziehungen", sagt Häring. German Dry heißt eine von vier Biersorten, die Bürgerbräu speziell für den japanischen Geschmack braut.1992 hatte Familie Häring aus dem bayerischen Cham-Loifling den Friedrichshagener Betrieb von der Treuhand gekauft. Nach der Devise "klein, aber fein" trotzt man seither der mächtigen Konkurrenz. Bürgerbräu ist die einzige Berliner Brauerei, in der noch ausschließlich selbst gebraut wird. Und die in Berlin Steuern zahlt. Alle anderen Marken wie Kindl, Schultheiss oder Berliner Pilsner gehören zu einem einzigen Großkonzern in Bonn. Härings investierten rund 30 Millionen Euro in moderne Technik, züchteten einen speziellen Bürgerbräu-Bierhefestamm und entdeckten teils Jahrzehnte alte Rezepturen wieder. Sorten wie Rotkehlchen oder Bernauer Schwarzbier entstanden so neu."Wir sind klein und flexibel, bei uns wird vieles noch von Hand gemacht", sagt Häring. Das Bierbrauen hat der 42-Jährige von der Pike auf gelernt. Er absolvierte auch eine Lehre als Bankkaufmann und studierte Marketing in den USA. Häring gehört zu einer Familie, die Traditionen hochhält. In Bayern führt sie die 400 Jahre alte Hofmark-Brauerei. Auch zu den Friedrichshagener Traditionen gehört gutes Bier. Schließlich wird dort schon seit 1869 gebraut. Zu DDR-Zeiten war das Bier so gut, dass es fast ausschließlich in den Export ging. Heute werden 15 Prozent der Produktion im Ausland verkauft, in Kanada, Russland, Frankreich oder Spanien. 39 Mitarbeiter arbeiten in der am Ufer des Müggelsees gelegenen Familienbrauerei. Dass Bürgerbräu auch die Hausmarke im Londoner Nobelkaufhaus Harrods ist, vermerkt der Chef nicht ohne Stolz. Auch für das Berliner KaDeWe haben die Friedrichshagener eine Hausmarke kreiert. Die ist - natürlich - kräftiger und vollmundiger als das Pendant in London. Alles reine Geschmackssache eben.------------------------------Hopfen und Malz - Gott erhalt'sBier besteht zu über 90 Prozent aus Wasser. Hinzu kommen - nach dem deutschen Reinheitsgebot des Jahres 1516 - nur noch Hopfen und Malz sowie eine Spezialhefe.Das Malz wird im Bottich zerkleinert und mit Wasser gemischt - so entsteht die Maische. Ihr fester Teil, der Biertreber, wird abgeschöpft und verfüttert. Weiterverarbeitet wird die flüssige Bierwürze, die gemeinsam mit Hopfen gekocht wird - je mehr Hopfen, desto kräftiger das Bier. Die Hefe wandelt dann den in der Würze vorhandenen Malzzucker in Alkohol um.Entscheidend für die Biersorte ist auch, ob dunkles oder helles Malz verwendet wird, ob es geröstet ist oder nicht. Auch, zu welchem Zeitpunkt die Hefe zugeführt wird.Bei Bürgerbräu in Friedrichshagen wurde das historische Sudhaus zum Museum umgestaltet, wo die Bierherstellung erklärt wird. Termine können vereinbart werden. Adresse: Müggelseedamm 164-166, Tel. 64 08 21 11.------------------------------EXPORTSCHLAGER UND SPEZIALSFernöstlich : die Sorte German Dry für Japan.Typisch : eigene Mar4ke des KaDeWe.Nobel : Hausmarke des Kaufhauses Harrods.Sportlich : Dieser Bembel ist vorrangig für Kanada gedacht.------------------------------Foto : Der Chef: Paul Häring im historischen Sudhaus von Bürgerbräu.
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