CDU Steglitz-Zehlendorf

Thomas Heilmann zum Direktkandidaten gewählt

Der Machtkampf um den CDU-Kandidaten für den Bundestag im Südwesten ist entschieden.

Frederik Bombosch
4 Min
Thomas Heilmann wurde zum Direktkandidaten der CDU- Steglitz-Zehlendorf gewählt.

Thomas Heilmann wurde zum Direktkandidaten der CDU- Steglitz-Zehlendorf gewählt.

© Markus Wächter

700 Mitglieder kamen

In langen Schlangen standen draußen ihre Parteifreunde von der CDU Steglitz-Zehlendorf um darüber abzustimmen, wer von beiden bei der Bundestagswahl als Direktkandidat antreten soll. Fast 700 Mitglieder kamen, mehr als die Hälfte der aktiven Mitglieder. Und während sich der Saal noch füllte, winkte ein Unterstützer Wellmanns schon ab und sagte: „Das wird nichts.“ Denn dass Wellmann nach der Auseinandersetzung der letzten Woche in seinem Kreisverband nicht mehr der Liebling der Massen ist, war offensichtlich.

378 zu 252 Stimmen

Und so kam es dann auch. Mit 378 zu 252 Stimmen wählte die Basis Thomas Heilmann zu ihrem Kandidaten und beendete damit eine beispiellose Auseinandersetzung, die sogar die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass es bei einer Abstimmung über den Mitgliederentscheid im Dezember zu massiven Manipulationen gekommen war.

350 gefälschte Stimmzettel waren aufgetaucht, mit denen der Entscheid offensichtlich verhindert werden sollte. Eine dreiköpfige Untersuchungskommission des Landesverbandes untersuchte die Vorgänge und belastete Wellmann. Der stellte seinerseits Strafanzeige.

Die Wut der Mitglieder

Doch es ging nicht nur um die ungeheuerlichen Vorgänge an sich. Es ging auch um die Frage, zu wie viel innerer Demokratie die CDU in der Lage ist – und ob es ihr gelingt, Konflikte auszutragen und zu bereinigen. Einigen Nachholbedarf, so viel wurde offensichtlich, hat die Union da noch.

Hände hoch: Abstimmung der Delegierten bei der CDU-Wahlkreisversammlung in Steglitz-Zehlendorf.

Hände hoch: Abstimmung der Delegierten bei der CDU-Wahlkreisversammlung in Steglitz-Zehlendorf.

© Markus Wächter / Waechter

Auch den Mitgliedern war die Wut anzumerken. Eigentlich hatte es am Sonntag zunächst eine Aussprache geben sollen, Wellmann und Heilmann hatten persönliche Erklärungen vorbereitet. Doch als Vize-Kreischef Christian Goiny die Versammlung eröffnete und eine entsprechende Tagesordnung vorschlug, ging ein empörtes Raunen durch den Saal.

Eindeutiges Votum

Eilig ließ er abstimmen, und das Votum war eindeutig: Eine deutliche Mehrheit wollte nichts mehr hören, nicht von Heilmann und schon gar nicht von Wellmann. Der hatte seinen Gegner scharf attackiert, ihm Falschaussagen vorgeworfen und schließlich Anzeige erstattet. Bloß keine Schlammschlacht, erst recht nicht am Sonntagnachmittag, entschied die Basis daraufhin.

Heilmann dagegen hatte von Angriffen abgesehen. Auch nach seiner Wahl am Sonntag erwähnte er Wellmann – der den Saal inzwischen verlassen hatte – mit keinem Wort. Er sagte nur zu seinen Parteifreunden: „Sie mussten harten Tobak ertragen.“

Kurzer Applaus und Buhrufe

Dass der Konflikt eskalierte, habe aus seiner Sicht daran gelegen, dass gleichzeitig über drei wichtige Entscheidungen verhandelt wurde: über die Aufstellung der Landesliste zur Bundestagswahl, über den Wahlkreis und über die Einführung der Mitgliederentscheidung. Nach seiner kurzen Ansprache gab es freundlichen, eher kurzen Applaus – Buhrufe waren aber auch deutlich zu hören.


Die Nominierung

Der CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf ist mit seinen etwa 2200 Mitgliedern der größte Berliner CDU-Kreisverband. Am Sonntag nahm er im Cole-Sports-Center einen erneuten Anlauf zur Nominierung seines Direktkandidaten für die Bundestagswahl im Herbst. Rund 700 Parteimitglieder waren gekommen.

Beim ersten Versuch am 1. März hatte es ein Patt zwischen dem Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann und dem früheren Justizsenator und CDU-Vize Thomas Heilmann gegeben.

Zu Wochenbeginn waren Wellmann und Heilmann in die Schlagzeilen geraten: Ein CDU-Justiziar hatte festgestellt, dass bei einer Mitgliederbefragung 350 Antwortbögen gefälscht wurden. Er äußerte den Verdacht, Wellmann könnte beteiligt gewesen sein. Wellmann bestreitet das und bezichtigte Heilmann einer Intrige. Das wiederum wies der zurück.


In der Leitung des Kreisverbands war die Stimmung trotz der blamablen Außenwirkung gelassen bis heiter. Wellmann sei eben ein Querulant, sagte ein Vorstandsmitglied. Früher habe es sehr viel mehr Streithähne wie ihn in der Zehlendorfer CDU gegeben, inzwischen seien fast alle von ihnen ausgeschieden oder abgewählt. Darum gab es intern auch kompakte Unterstützung für Heilmann.

Heilmann muss kämpfen

Am Samstagnachmittag, so hieß es, habe ihn eine fast 20-köpfige Delegation zu Hause besucht. Sie hatten eine eindeutige Botschaft: Heilmann solle unter allen Umständen am Sonntag wieder antreten. Denn zwischenzeitlich hatte er überlegt, den Zoff zu beenden, indem er seine Kandidatur zurückzieht. Er ließ sich davon offenbar beeindrucken.

Mag der lokale Konflikt befriedet sein: Auf Landesebene geht die Auseinandersetzung weiter. Am Wochenende stellt die CDU ihre Landesliste auf. Die Aussichten für die Union sind nicht besonders gut, der Streit um die guten Listenplätze wird umso härter. Heilmann muss also weiterkämpfen.

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