Brutal Berlin

Der Kneipentresen als Ort der Debatte über die Politik und die AfD

In Umfragen vor der Europawahl steht die AfD gut da, doch die wenigsten Wähler outen sich offen. Unser Autor hört einigen regelmäßig am Tresen zu.

Clint Lukas
7 Min
Am Tresen wird viel geredet. Und manche hören sogar zu.

Am Tresen wird viel geredet. Und manche hören sogar zu.

© Fotoillustration: Roshanak Amini für Berliner Zeitung am Wochenende. Bilder: Imago

Dieser Artikel ist ein Vertrauensbruch. Ich kann ihn nur schreiben, weil ich ein guter Zuhörer bin und mein treuherziger Hundeblick jeden zum Reden bringt. Natürlich will ich niemanden ans Messer liefern. Aber ich muss das hier einfach erzählen. Merken Sie sich jedenfalls: Vertrauen Sie niemals einem Schreiberling wie mir Ihre Geheimnisse an.

Inzwischen hat wohl jeder davon gehört, dass die Berliner Eckkneipen aussterben. Gegenden, in denen sich vor drei Jahrzehnten noch zehn oder zwanzig Lokale drängten, können heute vielleicht noch eines vorweisen, wenn überhaupt. Ich habe mich hier bereits als Liebhaber dieser alteingesessenen Gaststätten geoutet, vor allem in Wedding treibe ich mich gern herum. Und diese Jahre voller gewissenhafter Studien haben mir überall das gleiche Bild offenbart: Die Stammgäste bleiben aus. Ganz einfach, weil sie einer nach dem anderen das Zeitliche segnen.

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