Manche Berliner Hauswand ist vor lauter Graffitis gar nicht mehr zu erkennen, aber alles ist so langweilig. Meist sind es irgendwelche Buchstabenschmierereien, die niemand versteht. Aber auch die politischen Botschaften werden mehr und mehr. Noch immer dominiert an den Berliner Hauswänden der Nahost-Konflikt, überall Kombinationen aller Art aus „Free Gaza“, Davidsternen, Hakenkreuzen und dem Wort „Genozid“. Eine Losung vom Anfang des Ukrainekriegs ist hingegen fast überall verblasst: „Das ist nicht unser Krieg“ mit dem meist durchgestrichenen „nicht“.
Heute Morgen auf dem Arbeitsweg lauteten die meisten Graffitis mit Botschaft folgendermaßen: „Eat the rich“, „ACAB“, „No Borders, no Nations“, „Fight Sexism, smash Patriarchy“ und „Union Berlin“. Kurz danach sah ich in der wirklich kurzen Gipsstraße in Mitte gleich dreimal einen Spruch, ganz sauber mit Schablone gesprüht: „Jeden zweiten Tag ein Femizid in Deutschland – weltweit alle 11 Minuten.“ Inhaltlich natürlich wichtig und richtig. Doch während ich überlegte, was mich irritierte, fiel mir auf, dass ich auf der Mauer gegenüber vor sehr vielen Jahren mein erstes feministisches Graffiti gesehen habe: „Krieg ist Menstruationsneid: Männer wollen auch mal bluten.“
Kolumne
Plump und humorlos: Berliner Graffitis strotzen vor biederer Ernsthaftigkeit
Unser Kolumnist hat auf die vielen politischen Botschaften an den Hauswänden der Stadt geachtet und festgestellt: Es herrscht eine große Bierernstigkeit.
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Schöneberg: Auch in Berlin können die meisten Graffitis nicht durch inhaltliche Tiefe oder gar Humor überzeugen.
© Sebastian Gollnow/dpa