„Ständige Vertretung“

Berliner Kneipe: Doch kein Hausverbot für Politiker

Als Strafe für den zweiten Lockdown wollten die Wirte zuerst Michael Müller und Angela Merkel nicht bedienen. Dafür gab es aber Applaus aus der „falschen Ecke“.

Team News Christian Gehrke chg/dpa
2 Min
 Jörn Peter Brinkmann (l) und Jan Philipp Bubinger, die Chefs der „Ständige Vertretung“ in Mitte.  

 Jörn Peter Brinkmann (l) und Jan Philipp Bubinger, die Chefs der „Ständige Vertretung“ in Mitte.  

© dpa/Britta Pedersen

Als Grund für das Hausverbot für Spitzenpolitiker wie Bundeskanzlerin Merkel hatten die Inhaber zunächst die erneute Zwangsschließung für die Gastronomie in der Corona-Krise genannt. Dafür habe es aber auch Applaus „aus der falschen Ecke“ gegeben, hieß es wenige Tage später. „Wir verwehren uns dagegen, dass diese Kreise unser Video für ihre Zwecke ausnutzen und instrumentalisieren“, teilten die Verantwortlichen mit und weiter: „Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, aber wir möchten noch einmal klarstellen, dass wir uns entschieden von rechtsextremen Gesinnungen und Verschwörungstheoretikern distanzieren.“

Am Samstag hatte Geschäftsführer Jörn Peter Brinkmann der Deutschen Presse-Agentur gesagt, die erneute Zwangsschließung sei eine Katastrophe für die Gastronomie - und er warf der Bundesregierung bei ihrer Corona-Politik Aktionismus statt überlegtes Handeln vor.

In einem Video auf Facebook erklärten Brinkmann und sein Partner Jan Philipp Bubinger, die Politik habe die Zeit seit April nicht genutzt, um das Land auf eine zweite Corona-Welle vorzubereiten. Die „StäV“ etwa habe dagegen aufwendig Vorsorge getroffen, um ihre Gäste zu schützen. Eine Schließung der Gaststätten sei nicht nachzuvollziehen. Brinkmann rief seine Kollegen in der Gastronomie auf, sich dem Hausverbot gegen die Politiker anzuschließen.

Der Bann der „StäV“ trifft auch Berlins Regierenden Bürgermeister Michal Müller (SPD) und Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Merkel und Scholz seien bereits in der Stäv gewesen, von Söder wisse er es nicht genau, sagte Brinkmann.

Die «StäV» mit ihrem rheinländischem Flair neben dem Bahnhof Friedrichstraße war 1997 von zwei Bonner Gastwirten in Berlin gegründet worden - zunächst vor allem für die Umzügler aus Ministerien nach Berlin. Brinkmann und Bubinger hatten das Lokal vor drei Jahren übernommen. „Die Besuche der aktiven Politiker mit ihren Mitarbeitern und Gästen aus den verschiedenen Orten Deutschlands und aus allen Parteien, haben auch immer zum gastronomischen Erfolg beigetragen“, hieß es nun in der Mitteilung. Man stehe vor einer existenziellen Herausforderung, in der Emotion und Frustration hochkommen können.

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