Fünfzig Meisterwerke der Moderne aus der Berliner Nationalgalerie haben eine Reise nach Jerusalem gemacht. Alle stammen aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, viele von jüdischen Künstlern. Ein Großteil der Bilder wurden von den Nazis als „entartete Kunst“ verbannt. Dass sie nun im Israel-Museum hängen, ist voll gepackt mit Symbolik.
Noch eins drauf setzt der Anlass: 50 Jahre deutsch-israelischer diplomatischer Beziehungen, deren kulturelles Highlight diese Ausstellung namens „Twilight over Berlin“ – Dämmerung über Berlin – zum Abschluss des streckenweise strapaziösen Jubiläums ist.
Viele Festivitäten
Ganzjährig feiert auch das Israel- Museum, von Teddy Kollek, Jerusalems legendärem Bürgermeister, vor ebenfalls fünfzig Jahren gegründet. Da kommt einiges an Festivitäten zusammen. Selbst aus Tel Aviv ist die israelische Kulturszene zur Ausstellungseröffnung angereist und trifft auf die deutsche, darunter viel Prominenz von der Spree.
Auch fünfzig Freunde der neuen Nationalgalerie in Berlin haben die Bilderreise begleitet, wenn auch nicht im selben Flugzeug. Es sei schwer in Worte zu fassen, was sie empfinden, sagen einige Damen des Vereins, die vor dem Otto-Dix-Gemälde „Die Skatspieler“ stehen, eine Collage von 1920, die Kriegsversehrte mit blutigen Bandagen beim Kartendreschen zeigt.
Aber ergreifend sei es schon, dieses Bild, unter Hitler als „entartet“ verboten, und dank Spenden 1995 zurückerstanden, nun hier im Israel-Museum zu sehen.
Laserstein und Grosz
Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, hat es in seiner hoch emotionalen Rede so ausgedrückt: „Auch Kunstwerke haben ein Schicksal, eine Lebenszeit, eine Geschichte …“ Am meisten beeindruckt sind die Israelis vom Zeitgeist, den die Bilder verströmen. Zum Beispiel der „Abend über Potsdam“, eine Tischrunde aus bedrückten Gesichtern, die ins Leere starren, 1930 gemalt von Lotte Laserstein, einer Jüdin, die später emigrierte. Oder Grosz’ „Stützen der Gesellschaft“ von 1926: jenes Gemälde, das einen Juristen mit Hakenkreuzkrawatte, einen Politiker mit Scheiße im Hirn, einen scheinheiligen Journalisten und einen besoffenen Militärgeistlichen zeigt.
Dass verbotene Kunst nicht nur der Vergangenheit angehört, betont wiederum Michael Naumann, ehemals Kulturminister, und knöpft sich prompt die propalästinensische Kampagne BDS (boycott, divestment, sanctions) vor. Zensur, so der Deutsche, sei immer totalitär. Den Vergleich von BDS mit den Nazis will Nir Baram, der erfolgreiche israelische Nachwuchsschriftsteller allerdings so nicht stehenlassen.
„BDS ist die Waffe der Unterdrückten, ob man das mag oder nicht.“ Die beiden gehen sich anschließend aus dem Weg und stimmen doch darin überein, wie jeder für sich bekennt, dass kultureller Boykott grundsätzlich die falsche Art sei, sich auseinanderzusetzen.
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